Frauenfussball Landesliga

BW Fuhlenbrock: Erfolg trotz Niederlage

Pia Canibol (l.) dirigierte am Sonntag die Abwehr von BW Fuhlenbrock.

Pia Canibol (l.) dirigierte am Sonntag die Abwehr von BW Fuhlenbrock.

Foto: Andreas Hofmann / FUNKE Foto Services

Bottrop.  Sportreporter Tibor Meingast begleitete am Sonntag Landesligist BW Fuhlenbrock – und freute sich über Spannung und nahbare Fußballerinnen.

Am Ende kommt es, wie es kommen muss. Durch ein Tor von Julia Keppner verliert Frauenfußball-Landesligist BW Fuhlenbrock gegen den HSV Langenfeld mit 0:1 (0:0) und kassiert am vierten Spieltag seine dritte Niederlage. „Sehr ärgerlich“, findet das Trainerin Mirsada Hoffmann-Kovac. „Die Einstellung hat super gestimmt. Wir hätten auch gewinnen können.“

Das ist richtig, denn am Ende hat auch Fuhlenbrock seine Torchancen. Insgesamt aber sind die Gäste aus dem Rheinland, die am Donnerstag im Pokal den Regionalligisten GSV Moers mit 4:1 besiegten, spielerisch deutlich überlegen und ihr Trainer Volker Bochnia meint: „Wir hatten Chancen, um drei Spiele zu gewinnen.“ Ein Dutzend Gelegenheiten lassen die Langenfelderinnen ungenutzt, meist treffen sie das Tor nicht oder direkt Torfrau Miriam Bogatzki, die in der Beherrschung ihrer Spielhälfte und bei Flanken sehr souverän ist.

Vom „Eiertor“ und einer starken Innenverteidigung

Absolut überzeugend auch die Innenverteidigung mit Maya Roethemeyer und besonders Lea Tshamler, die oft ihre Gegnerinnen abläuft, stark ist im Zweikampf und in der Spieleröffnung. Die Abwehrspielerin muss wenige Tage nach ihrem 19. Geburtstag auch einiges einstecken, hält aber durch. Tshamler analysiert „eine sehr, sehr gute Leistung“ ihres Teams: „Es war ein unglückliches Tor, ein Absprachefehler.“ Nach einem Ballverlust im Mittelfeld drei Minuten vor Schluss reagiert Langenfeld schnell, Annika Schwarz spielt einen ihrer vielen steilen Pässe auf Keppner, die ganz unbedrängt aus zwölf Metern abschließen kann. Von einem „Eiertor“ spricht später Fuhlenbrocks Torhüterin Bogatzki.

Die Partie auf dem – nicht gewässerten – Kunstrasenplatz beginnt mit leichter Verspätung, weil kein Spielbericht existiert. Den Blau-Weißen ist der Laptop abhandengekommen. Auch Linienrichter gibt’s zunächst nicht. Aber das Spiel beider Mannschaften ist gut strukturiert. Gerade wie die Bottroper unter Druck immer wieder mit kurzen Rückpässen Ruhe ins Spiel bringen, lässt ahnen, was Mirsada Hoffmann im Training üben lässt. Es dauert aber bis zur 42. Minute, ehe der erste Schuss aufs Tor kommt. Miriam Bogatzki lenkt den von Larissa Herhalt an dem Pfosten. Der HSV hat in der ersten Hälfte ein halbes Dutzend Chancen, die Blau-Weißen nur eine – Eva Boghs Kopfball misslingt. Humoristischer Höhepunkt bis dahin: Langenfelds Jessica Hein tritt über den Ball und Larissa Herhalt ruft: „War eine Finte!“

Mirsada Hoffmann-Kovac glaubt an ihre Fuhlenbrockerinnen

Statt in die Kabine geht es in der Halbzeit bei 27 Grad nur in den Schatten der Stehtribüne. Bottrops Trainerin Hoffmann-Kovac gibt sich optimistisch und sagt ihren Spielerinnen: „Wenn wir es noch zehn-, fünfzehnmal probieren; einer kommt durch.“ Sie meint den letzten Pass, der bisher nicht gelingt. Es wird jedoch ein Problem bis zum Spielende bleiben.

So fehlt es Fuhlenbrock an Durchschlagskraft in der Offensive, erst gegen Ende erspielt sich die Elf wenige Chancen. Am gefährlichsten ist der Weitschuss von Fabienne Katzenski in der 69. Minute, der nur knapp über das Tor geht. Kapitänin Pia Canibol ruft nach einer Trinkpause: „Da muss jetzt jeder an seine Grenze gehen.“ „Jeder“ wohlgemerkt – die Fußballsprache ist auch bei den Frauen männlich dominiert. Hier auf dem Sportplatz an der Ludgeruskirche gibt es selbstverständlich nur einen „Hintermann“.

Canibol dirigiert engagiert, aber auch ihren Vorlagen mangelt es gelegentlich an Präzision. „Das Quäntchen Glück hat gefehlt“, sagt sie nachher – und ganz klar: Der Einsatz war bravourös, kämpferisch ist es eine ganz starke Leistung. Insgesamt ist es eine deutliche Steigerung gegenüber den letzten beiden verlorenen Spielen! „Darauf können wir aufbauen“, findet Mirsada Hoffmann-Kovac.

Positives Fazit von Tibor Meingast

Es war ein wirklich interessantes Spiel, abwechslungsreicher als die letzten Frauenfußballpartien, die ich sehen konnte: deutsche Länderspiele gegen Montenegro (10:0) und in der Ukraine (8:0). Natürlich war das Niveau in Bottrop nicht so hoch wie bei den Profis, aber es gab doch auch Vorzüge – neben der Spannung die Nähe zu den Beteiligten. Dass ich ohne Zwischenschaltung von Pressesprechern, die einen Riesenaufstand machen, wenn jemand auf der Auswechselbank mal etwas nachfragt, Trainer- und Spielerinnen auf dem Feld selbst ansprechen und interviewen darf, ist wirklich eine große Erleichterung. Schließlich hat Pia Canibol nicht weniger zu sagen als Lucy Bronze, Europas Fußballerin des Jahres.

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