Fußball Kreisliga A

Rhenania Bottrop: Der Tag, an dem nichts klappt, wird kommen

Marco Hoffmann hat eine klare Vorstellung davon, wie der Aufstieg realisiert werden kann. Sein Team setzt das momentan nahezu perfekt um.

Marco Hoffmann hat eine klare Vorstellung davon, wie der Aufstieg realisiert werden kann. Sein Team setzt das momentan nahezu perfekt um.

Foto: Thomas Gödde / FUNKE Foto Services

Bottrop.  Marco Hoffmann spricht über die Siegesserie, sein Verhältnis zum Team, die Rolle des Co-Trainers und den Tag, an dem nichts zusammenlaufen wird.

Zehn Spiele, zehn Siege, 57:3-Tore. Die Fußballer des SV Rhenania Bottrop eilen in Siebenmeilenstiefeln der Bezirksliga entgegen. Die Leistungen stimmen, doch Marco Hoffmann tritt immer wieder auf die Bremse. Der Trainer weiß, dass die Meisterschaft kein 100m-Lauf ist und erklärt, worauf es in den kommenden Wochen und Monaten ankommt.

Marco Hoffmann, wie fühlt es sich an, Bottrops punktbestes Team zu trainieren?

Hoffmann: Es fühlt sich wunderbar an, die Geschichte unserer Saison hättest du bislang nicht besser schreiben können. Du bekommst es ja auch von überall zugerufen, selbst am Montagmorgen beim Kaffee. ‚Viele Tore geschossen, nur drei kassiert, zehn Siege – klasse!‘ Da muss ich dann aber auch aufpassen.

Das heißt?

Wir als Trainer müssen dafür sorgen, dass es keinen Konzentrationsabfall gibt und die Ernsthaftigkeit hoch bleibt. Deshalb trainieren wir im Herbst und Winter nur noch zwei Tage, um uns zu fokussieren und die Sinne zu schärfen.

Wie sehen die Einheiten dann aus?

Leibchen verteilen und Ball hochwerfen: so geht es nicht. Natürlich haben auch wir Einheiten, die entweder das Trainerteam oder das Team gegen die Wand fahren. Aber meistens schaffen wir es, neue Reize zu setzen und keine Wohlfühloase aufkommen zu lassen.

Welchen Anteil hat Ihr Co-Trainer Sascha Wisniowski an Arbeit und Erfolg?

Er ist der absolute Kommunikator mit dem Draht zur Mannschaft und aktuell noch kritischer als ich. Insgesamt funktionieren wir in der neuen Umgebung sehr gut, jedes Rädchen passt ineinander und wir haben einen Riesenspaß. Das gilt auch für den Vorstand, das Umfeld – da kommen selbst wieder Rhenanen zum Platz, die wohl jahrelang nicht dabei waren. Eine schöne Bestätigung.

Das Thema Rädchen zeigt sich vor allem auf dem Feld. Haben Sie eine Erklärung dafür, warum die neu zusammen gestellte Mannschaft von der ersten Minute an funktioniert?

Rhenania feiert sein 100-jähriges Jubiläum, wir werden als neues Trainerteam vorgeschlagen: Das hat sicher Wellen geschlagen und den Verein polarisiert, wachgemacht. Dazu kommunizieren Sascha und ich von Beginn an offen und ehrlich, bewegen uns auf Augenhöhe und teilen die Kabine.

Die Verpflichtung des einen oder anderen hochkarätigen Neuzugangs dürfte sich sicher auch positiv ausgewirkt haben.

Natürlich, aber da stellt sich keiner über den anderen. Macht einen Sprint weniger, nur weil er mal höher gespielt hat. Wir haben Qualitätsspieler, die das Team motivieren und zusammenhalten. Ein Beispiel: Vor unserem ersten Pflichtspiel im Pokal gegen die Bottroper Hobbyliga gab es eine Party, wo wir als Trainer dachten: ‚Da ist sicher die halbe Mannschaft.‘ Stattdessen bekommen wir in die WhatsApp-Gruppe ein Bild von sechs Pärchen im Kino. Angeleiert hatte das Ganze Emre Kilic. Einfach klasse.

Der Saisonstart lief perfekt, jetzt geht es in die ungemütliche Jahreszeit. Worauf liegt aktuell der Fokus?

Die Jungs haben in den letzten Wochen richtig Kraft gelassen, so eine Serie schaffst du nicht auf einem Bein. Klar ist aber auch: Wir sind der Gejagte, deshalb müssen wir die Spannung aufrechterhalten. Im Training gibt es keine Zeit, nachzudenken oder den Kopf auszuschalten. Kein Leerlauf, sondern Aufgaben für den Einzelnen oder das Team. Keiner kann sich zu 100 Prozent sicher sein, dass er in der ersten Elf steht. Dadurch nehmen Jungs wie Marvin Polak oder David Overfeld – ich kann fast alle aufzählen – eine super Entwicklung.

Bei all den Toren, Siegen und positiven Begleitumständen: Befassen Sie sich gedanklich damit, auch mal wieder Rückschläge zu kassieren?

Klar, manchmal am Sonntagmorgen vor dem Spiel beim Joggen mit Sascha. Wir haben ein Lauftempo zum Unterhalten und überlegen dann schon: ‚Wie gehen wir damit um, sollte es passieren?‘ Vielleicht müssten wir es mal erleben. Durch unsere Erfahrung im Abstiegskampf bei Fortuna Bottrop haben wir aber schon das Handling, mit Rückschlägen umzugehen. Der Tag wird kommen, wo nichts zusammenläuft. Sich aber ständig damit zu beschäftigen, wäre ein Fehler und würde nur verunsichern. Und wenn wir verschont bleiben – auch gut. Wir werden auf jeden Fall alles dafür geben, es hinaus zu zögern.

Der nächste Gegner ist Bezirksliga-Absteiger Lirich, danach wartet das Spitzenspiel gegen SW Alstaden. Fortunas Reserve und Buschhausen stehen bis Weihnachten auch noch auf dem Programm. Fällt die Vorbereitung darauf anders aus?

Zunächst mal tut es uns und dem Spiel gut, wenn der Gegner nicht nur Fußball verhindert, sondern auch mitspielt. Unsere Herangehensweise verändern wir deshalb jedoch nicht, dafür sind Rückgrat und Selbstvertrauen zu groß. Wir sind eher gespannt und neugierig: Wie reagieren Lirich und Alstaden auf unsere Präsenz?

Und was passiert, wenn Ihre Mannschaften bis zur Winterpause so weitermarschiert?

Darüber machen wir uns Gedanken, wenn es soweit ist. Sicher werden die Jungs mit einer gewissen Freizeit belohnt, in der wir vier Wochen einfach mal nix machen. Klar ist aber auch: Wir brauchen keine Extramotivation!

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