Nach Auftritt bei „Wer wird Millionär“

Lemmer über die TV-Show und die Zukunft des VfR Rauxel

Philip Lemmer nach seinem (kurzen) Fernseh-Gastspiel bei RTL: „Wir versuchen, viel auf die Beine zu stellen – und nun müssen wir nur noch viele Kinder zeugen, um wieder Jugendmannschaften gründen zu können. Aber das ist unser Zehn-Jahres-Plan.“

Philip Lemmer nach seinem (kurzen) Fernseh-Gastspiel bei RTL: „Wir versuchen, viel auf die Beine zu stellen – und nun müssen wir nur noch viele Kinder zeugen, um wieder Jugendmannschaften gründen zu können. Aber das ist unser Zehn-Jahres-Plan.“

Foto: Lemmer

Rauxel.  Mehr als vier Millionen Zuschauer hatte die Sendung am Montagabend: Philip Lemmer trat dort für den VfR Rauxel bei „Wer wird Millionär“ in den Ring, um auf den Ratestuhl zu gelangen. Er scheiterte beim Versuch. Uns stellte der Heilerziehungspfleger im Interview seinen kleinen Zehn-Jahres-Plan vor und was hinter dem Engagement für den Verein steckt.

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Herr Lemmer, wie ist es am Tag nach der Ausstrahlung von „Wer wird Millionär“ bei RTL?

Ich habe bestimmt 200 Nachrichten voller Spott und Hohn aufs Smartphone bekommen, die muss ich erst einmal verdauen. Aber mit einem lachenden Auge. Es kamen viele Angebote via Facebook für Praktika oder Nachhilfeunterricht wegen der zwei verhauenen Antworten. Aber damit muss man zurechtkommen. Ich war einfach zu langsam und habe mich bei der Autofrage dann auch noch vertippt. Ich hatte eine Zwei-Finger-Technik, die in der Probe auch noch ganz gut funktioniert hatte. Ein bisschen schade.

Hat sich das Ganze trotzdem gelohnt?

Ja. Es waren tolle andere Kandidaten dabei, mit denen wir uns gut verstanden haben. Dadurch, dass man mitgemacht hat, hatten wir ja auch die Chance auf die Reportage bei „RTL Extra“. Die haben sie auch schön gemacht. Bei RTL weiß man das ja vorher immer nicht so genau. Das hat für viel Feedback gesorgt, viele haben sich bei uns gemeldet. Wir haben uns ja im Mai erst bei dem Verein angemeldet.

Die schlechteste Saison der ganzen Vereinsgeschichte

Wie ist das entstanden?

Wir waren vorher immer in der Soccerhalle als Hobbykicker und haben uns dann entschieden, noch mal in der Kreisliga C anzugreifen. Beim VfR Rauxel hatten früher einige aus unserer Runde gespielt. Das ist ja auch ein Traditionsverein. Die vergangene Saison war dann wohl die schlechteste der ganzen Vereinsgeschichte – deswegen gab es auch dieses Endspiel um die schlechteste Mannschaft Deutschlands.

Wie kam es denn nun zu der Gelegenheit bei „Wer wird Millionär“? Das hängt doch irgendwie zusammen, oder?

Es wird jetzt immer ein bisschen darauf herumgepocht, dass wir der zweitschlechteste Verein Deutschlands sind. Das ist auf der einen Seite schade, aber dieser von der Bild-Zeitung in Hannover organisierte Kreisklassen-Gipfel, den wir 8:0 gewonnen haben, hat uns geholfen: Für dieses Wer-wird-Millionär-Special ist RTL an unseren Verein herangetreten.

Wenig Zeit, um alles zu organisieren

Wie lief das dann ab?

Naja, die Aufzeichnung der Sendung war vor vier Wochen an einem Montag in Köln. Erst anderthalb Wochen vorher erfuhr ich, dass wir dabei sind. Wenig Zeit, um für die Aufzeichnung alles zu organisieren. Aber nach einigen Dutzend Telefonaten haben wir dann Urlaub genommen, einen Bus organisiert und eine Truppe zusammenbekommen. Interessant ist ja: Unser Anhang konnte mit ins Studio, der Rest des Publikums muss ja, wie ich dort erfahren habe, bis zu sechs Jahre auf die Karten warten. Eine Super-Sache also, dass wir eingeladen wurden.

Wie findet denn der Verein das ganze Geschehen? Sie sind ja noch nicht so lange dabei und krempeln gleich alles um…

Dirk Rahn, vom Vorstand, ist das Herz des Vereins. Er kümmert sich mit seiner Frau um alles. Er bekommt kein Geld, das ist reines Ehrenamt. Und wir stecken auch im Moment eher viel Geld rein in den Verein und den Stadtteil – zum Beispiel mit unseren T-Shirts „VfR Rauxel lebt“, die wir als Merchandising-Artikel gemacht haben. Der Vorstand merkt, glaube ich, was er an uns hat.

„Ich glaube, man freut sich, dass man uns hat“

Also positiv formuliert… Was ihr macht, macht ihr dann doch auf eigene Faust, oder?

Wir sprechen mit Dirk viel ab. Ich glaube, man freut sich, dass man uns hat. Die Million hätte den Verein natürlich auch gefreut, klar. Man hätte über Flutlicht, Kunstrasen, oder neue Duschen sprechen können, die wir dringend brauchen. Aber auch kleinere Dinge: Trainingsgeräte, die Auswechselbank, die aussieht wie ein kaputter Grill… Im Moment haben wir immerhin die Aufmerksamkeit, das hilft uns schon einmal. Und vielleicht findet sich ja noch der ein oder andere Sponsor.

Und das mit „Wer wird Millionär“ war dann ein Alleingang, oder wer hat das entschieden?

Die Anfrage kam beim Verein an. Der Dirk hat dann überlegt gefragt, ob ich das machen kann. Das hängt damit zusammen, dass ich schon manchmal für Produktionen als Komparse bei Filmen mitgewirkt habe. Bei einer Arte-Produktion „Das schwarze Gold“ in Dortmund war ich zum Beispiel mit einer kleinen Rolle dabei. Also vielleicht etwas „kamerageil“.

Uwe, der Edelfan mit dem Megafon

Wie geht es jetzt weiter? Die Show ist zu Ende, das Endspiel auch.

Wir haben uns ja erst im Mai angemeldet und tun nun alles, um den Verein nach vorne zu bringen. Wir sind im Internetportal fupa.net schon zum beliebtesten Amateurteam im Ruhrgebiet gewählt worden. Da gab es dann auch einen schönen Bericht. Den Uwe, der mit seinem Megafon auch bei WWM dabei war, haben wir inzwischen als unseren Edelfan etabliert. Er war früher da, kam dann er nicht mehr zum Platz – der kommt jetzt wieder zu unseren Spielen. Man muss sagen: Seit sich die letzten Jugendmannschaften abgemeldet haben, war nur noch die Herrenmannschaft da – und der Verein stand kurz vor dem Ende.

Jetzt nicht mehr?

(lacht) Wir versuchen, viel auf die Beine zu stellen – und nun müssen wir nur noch viele Kinder zeugen, um wieder Jugendmannschaften gründen zu können. Aber das ist unser Zehn-Jahres-Plan.

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