Fußball

Alexander Steinforth ist Fortunas Mann fürs Geld

Fortunas Mann fürs Geld: Alexander Steinforth am Burgplatz.

Fortunas Mann fürs Geld: Alexander Steinforth am Burgplatz.

Foto: faja

Düsseldorf.   Fußballromantik im Herz, Kommerz im Kopf: Alexander Steinforth ist bei Fortuna Direktor für Strategie und Geschäftsentwicklung. Ein Portrait.

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Sein Herz schlägt als Fußballromantiker, sein Kopf arbeitet für den Kommerz. Alexander Steinforth ist als Direktor für Strategie und Geschäftsentwicklung vor allem fürs Geldeinnehmen zuständig, den unromantischsten Teil des Fußballgeschäfts. Und doch kann der 33-Jährige nicht verbergen, dass er auch in dieser Funktion vor allem eines ist: Fortuna-Fan. Diese Begebenheit hat ja auch nicht unerheblichen Anteil daran, dass sein Arbeitsplatz in der zweiten Etage der Düsseldorfer Arena ist.

„Wenn es mir nur ums Geld gegangen wäre, hätte ich einen anderen Job annehmen müssen“, sagt er. Hat er aber nicht. Als Steinforth nach 13 Jahren im Ausland 2016 wieder nach Deutschland zurückkehren will, flattern mehrere Angebote von Bundesligisten auf seinen Schreibtisch. Am Ende unterschreibt er 2017 beim abstiegsbedrohten Zweitligisten aus seiner Heimatstadt. „Es war und ist sehr reizvoll, hier bei der Fortuna Dinge verändern zu können. Der Gestaltungsspielraum ist groß“, sagt er. Und weil er diesen Spielraum seit anderthalb Jahren so gut ausnutzt, soll er nach Informationen unserer Redaktion in absehbarer Zeit in den Vorstand befördert werden.

Strategie-Manager bei Man United

Steinforth, Doktor der Rechtswissenschaft, hat als Strategie-Manager knapp zweieinhalb Jahre für Manchester United gearbeitet, den mit 676 Millionen Euro umsatzstärksten Fußballverein der Welt. Bei Fortuna kalkuliert man nicht einmal mit einem Zehntel dieser Summe. „In Manchester war Platz fünf in der Premier League das Schlimmste der Vorstellungskraft“, sagt er. Und: „Man kann Prozesse von Manchester United nicht Eins-zu-Eins auf Fortuna übertragen, weil bei jeder Entscheidung dort ein bis zwei Nullen mehr vor dem Komma stehen. Man muss einfach auf die Größe des Vereins bezogen das Beste herausholen.“

Steinforth verantwortet mit dem Ticketing, dem Merchandising und vor allem der Vermarktung quasi die komplette Einnahmeseite des Bundesliga-Letzten. Am Anfang hatte er bei potenziellen Sponsoren mit Altlasten zu kämpfen. Viele Partner hatten das Vertrauen in Fortuna verloren. Das hat sich mittlerweile geändert. Fortunas Zahlen sind in nahezu allen Bereich auf Rekordniveau. „Wir bekommen die Rückmeldung, dass wir ein seriöser, verlässlicher Partner sind“, sagt Steinforth, der auch zu seiner Zeit in Manchester eine Fortuna-Dauerkarte besaß und nahezu alle zwei Wochen zu den Heimspielen flog.

Auch im Ausland eine Fortuna-Dauerkarte

Auch jetzt verbringt er die Spiele zum Teil noch im Fanblock, wenn er gerade keine Verpflichtungen im VIP-Bereich hat. Dann steht einer der wichtigsten Strategen des Klubs mit seinen alten Kumpels mit Bier in der Hand in der Kurve. „Dort bekommt man die Reaktionen auf das Geschehen im Verein viel unmittelbarer mit“, betont der 2004er-Abiturient des Görres-Gymnasiums.

Doch hat dieses Herzblut in seinem Job nicht auch Nachteile? „Was die Emotionen angeht, ist es vielleicht eher von Nachteil. Ich wache auch nachts mal auf und frage mich: ,Haben wir das Trikot wirklich richtig gestaltet?’“, sagt er. „Aber es ist natürlich von Vorteil, dass ich die Geschichte des Vereins genauer kenne.“ Auch deshalb hat er die Fortuna-DNA, eine acht Punkte umfassende Leitlinie und Handlungsmaxime, mitgestaltet. „Jeder kann Fortuna aber so interpretieren, wie er möchte“, sagt er. Für Sponsoren sei es allerdings wichtig, eine Antwort auf die Frage zu haben: Wofür steht Fortuna denn überhaupt?

„Mehr als ein Job“

Bei allen gut durchdachten Strategien und Konzepten hat das Fußballgeschäft im Vergleich mit anderen Wirtschaftszweigen aber eine Besonderheit: den Fußball. Das sportliche Geschehen beeinflusst alle Prozesse im Klub. Und so ist bei jeglichen Ideen der Blick auf den grünen Rasen nicht zu vernachlässigen. „Es ist ja bekannt, dass wir auch wirtschaftlich am Ende der Tabelle stehen. Also müssen wir realistisch sein“, sagt Steinforth. „Als Verein wie Fortuna muss man deshalb einen möglichen Abstieg auch einkalkulieren. Alles andere wäre betriebsblind. Allerdings glaube ich fest daran, dass wir es schaffen werden.“

Und weil Steinforth die Schnelllebigkeit des Fußballgeschäfts zur Genüge kennt, vermeidet er trotz aller Romantik ein Treuebekenntnis zur Fortuna. Nur so viel: „Ich habe den Schritt nach Düsseldorf bewusst gemacht und mich gegen andere Angebote entschieden. Fortuna ist für mich jedenfalls mehr als ein Job, es ist eine Leidenschaft.“

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