2. Fußball-Bundesliga

Fortuna Düsseldorf sieht Chancen in Corona-Krise

Flagge gehisst: Fortunas Vorstandschef Thomas Röttgermann (im Vordergrund) und Marketingvorstand Christian Koke (im Hintergrund rechts) bei einer Wanderung im Rahmen des Sommertrainingslagers in Maria Alm (Österreich).

Flagge gehisst: Fortunas Vorstandschef Thomas Röttgermann (im Vordergrund) und Marketingvorstand Christian Koke (im Hintergrund rechts) bei einer Wanderung im Rahmen des Sommertrainingslagers in Maria Alm (Österreich).

Foto: Christof Wolff

Düsseldorf.  Zur neuen Saison vermarktet sich Fortuna selbst. Der Klub zeigt sich zuversichtlich und vermeldet, man habe den alten Garantiebetrag übertroffen.

Was bei Fortuna Düsseldorf in diesen Tagen absolute Priorität genießt, liegt auf der Hand: einen schlagkräftigen Kader für die 2. Fußball-Bundesliga zusammenstellen. Dazu braucht Sportvorstand Uwe Klein neben einem glücklichen Händchen vor allem das nötige Kleingeld. Und das zu besorgen, ist unter Berücksichtigung der Corona-Krise ein schwieriges Unterfangen – sollte man meinen. Doch Vorstandschef Thomas Röttgermann malt kein düsteres Bild, sondern greift lieber zur freundlichen Farbpalette.

Bis zu diesem Jahr ließ Fortuna sich durch die Agentur Infront vermarkten, kassierte dafür jährlich eine Garantiezahlung von rund acht Millionen Euro. Bereits im vergangenen Dezember verkündete der Klub, dass man ab 2020 auf die Eigenvermarktung umsteigen werde. Provisionszahlungen fallen demnach künftig aus, aber eben auch die Garantiesumme. In Zeiten der Corona-Krise und des Abstiegs in die Zweite Liga sollte man davon ausgehen können, dass der Wegfall dieses Fallschirms wehtut. So sagte es auch Ex-Marketingdirektor Alexander Steinforth zuletzt: „Die Frage ist, ob es momentan der richtige Zeitpunkt ist, um sich eine solche Struktur aufzubauen.“

„Wir ärgern uns nicht. Ganz im Gegenteil“

Röttgermann, der die Eigenvermarktung mit Marketingvorstand Christian Koke vorantreibt, hat eine klare Antwort dazu: „Wir ärgern uns überhaupt nicht, diesen Schritt gemacht zu haben. Ganz im Gegenteil“, sagt er. „Die Eigenvermarktung wird zu einem unmittelbaren wirtschaftlichen Vorteil für uns. Wir haben jetzt schon für die kommende Saison den Garantiebetrag unseres ehemaligen Vermarkters übertroffen.“ Das heißt Fortuna wird von Sponsoren in der Saison 2020/21 – trotz des Abstiegs – mehr als die ehemals garantierten acht Millionen Euro bekommen.

Wie kann das sein? „Eine Partnerschaft mit Fortuna ist für viele Unternehmen spannend. Aber sie ist noch spannender, wenn sie authentisch – zusammen mit Nähe und unserer Vision – verkauft wird. Das kann eine Agentur gar nicht leisten“, sagt Röttgermann. „Gerade in der aktuellen Phase der Pandemie und des Abstiegs ist es eine Stärke, dass wir durch eine persönliche Ansprache Emotionen vermitteln können.“

Fortuna wird nach dem bitteren Gang in die Zweitklassigkeit rund 18 Millionen Euro weniger TV-Geld einnehmen, zudem geht man beim Verein davon aus, dass die Pandemie einen wirtschaftlichen Schaden von rund 20 Millionen Euro über zwei Jahre verursachen wird. Das sei, nach Aussage der Verantwortlichen, aber noch eine bessere Aussicht als bei vielen anderen Klubs.

Corona-Auswirkungen

„Es haben nur eine Handvoll Partner darum gebeten, ihre Partner-Verbindung mit uns aufzulösen. Aber wir müssen in Betracht ziehen, dass es bei einigen Partnern sein kann, dass sie zwar gerne weiter machen würden, es aber gar nicht können, weil sie in ihrem Kerngeschäft so gebeutelt sind, so dass es einfach nicht möglich ist“, sagt der Vorstandsvorsitzende.

Nun geht es darum, neue Partner zu finden. „In der zweiten Liga sprechen wir natürlich bestimmte Zielgruppen nicht mehr direkt an – gerade, wenn es um die internationale Vermarktung geht. Die mediale Resonanz ist jetzt einfach nicht mehr so hoch wie in der Ersten Liga. Wir freuen uns aber sehr, dass wir gerade in unserer japanischen Community nach wie vor viel Solidarität spüren. Es wird dort sogar gelingen, neue Partnerschaften zu entwickeln“, betont Röttgermann.

Doch wo genau liegt denn nun der Vorteil gegenüber einer Vermarktungsagentur? Röttgermann: „Wir wollen Unternehmen mit ganz neuen und modernen Angeboten erreichen – mit mehr Themen, mit mehr Produkten, mit ganz neuen Schwerpunkten. Wir haben jetzt ein viel spannenderes Inventar als zuvor. Wir haben neue Produkte entwickelt – zum Beispiel CSR-, digitale oder internationale Partnerschaften. Das können wir besser mit unseren Partnern entwickeln, als es eine Agentur könnte.“ (erer)

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