Fußball

Fortuna-Keeper Rensing ohne Angst vor der Konkurrenz

Michael Rensing ballt nach dem 1:1-Unentschieden bei RB Leipzig am zweiten Spieltag der vergangenen Saison die Faust.

Michael Rensing ballt nach dem 1:1-Unentschieden bei RB Leipzig am zweiten Spieltag der vergangenen Saison die Faust.

Foto: Jan Woitas / dpa

„Ich gebe jeden Tag hundert Prozent, egal, wie viele Torleute noch auf dem Platz stehen“, sagt Michael Rensing zu seiner Situation bei Fortuna.

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Am Wochenende steht für Michael Rensing eine besondere Tour an. Der Torhüter fährt mit Fortuna zum Interwetten-Cup nach Meppen – die dortige Hänsch-Arena, die früher einmal historisch leicht bedenklich Hindenburg-Stadion hieß, ist nur knapp 25 Kilometer von Rensings Heimatort entfernt: Lingen, das im Emsland liegt und wie Meppen nicht oft Treffpunkt der großen Fußballszene ist. Rensing hat diese freilich gut kennengelernt in seinen 17 Profijahren. Sogar beim FC Bayern München stand er im Tor, was er selbst gar nicht mehr in den Mittelpunkt seiner Karriere stellt.

Verlängerung nicht überraschend

„Es gibt noch immer eine ganze Menge Leute, die mich mit München in Verbindung bringen“, sagt der Keeper. „Mittlerweile werde ich aber vor allem auf Fortuna angesprochen.“ Deshalb war die Verlängerung seines Vertrages um ein weiteres Jahr auch ganz in Rensings Sinn. „Es ist jetzt mein siebtes Jahr, und wenn ich gespielt habe, habe ich stets gute Leistungen gebracht. Da war die Vertragsverlängerung grundsätzlich nicht überraschend.“

Dies umso weniger, als der 35-Jährige immer noch sehr motiviert ist und viel Spaß an der Arbeit hat: „Es steht überhaupt nicht zur Debatte, schon ans Aufhören zu denken.“

Im vergangenen Jahr ging es für die Familie Rensing allerdings um mehr als nur um den Fußball. Seine Frau Lisa, die für eine Unternehmensberatung arbeitet, stammt aus dem Münsterland, er aus dem Emsland. Beide Regionen seien nicht gerade ideal für eine berufliche Zukunft, „doch irgendwann überlegt man sich mal, wann und wo man sesshaft werden will. Meine Frau und ich haben zwar auch in München gelebt, aber Düsseldorf war einfach in allen Punkten stimmig.“

Deshalb bauten sie für die junge Familie, Tochter Sophie ist neun Monate alt, ein Haus im Stadtnorden. „Es gab Kontakte zu anderen Vereinen, weil man als Profi vorbereitet sein muss“, ergänzt der Schlussmann. „Aber ich bin keiner, der ein Jahr hier und ein Jahr da spielt und dort hingeht, wo er fünf Euro mehr verdient. Ich fühle mich hier wohl und möchte meine Karriere gern bei Fortuna beenden.“

In der neuen Saison muss sich Rensing einem verstärkten Konkurrenzkampf stellen. Einen neuen Kollegen hat er bereits im Trainingslager am Wiesensee kennengelernt: Florian Kastenmeier vom VfB Stuttgart II. „Flo ist ein guter, talentierter, junger Torwart“, erklärt der Routinier. „Wir kommen gut klar miteinander, aber bei uns Torhütern hat es eigentlich nie Probleme gegeben.“

Ob das auch mit dem zweiten neuen Keeper so sein wird, kann noch niemand beurteilen: US-Nationaltorhüter Zack Steffen, den Fortunas Sportvorstand Lutz Pfannenstiel leihweise für ein Jahr von Manchester City loseiste, hat wegen seiner Teilnahme am Gold-Cup-Turnier noch Sonderurlaub.

Spornt Rensing diese Verpflichtung noch weiter an? „Ich habe noch nie gebraucht, jemanden hinter mir zu haben, der mir Druck macht“, sagt er kategorisch. „Ich gebe jeden Tag hundert Prozent, egal, wie viele Torleute noch auf dem Platz stehen. Es ändert sich gar nichts dadurch, dass jetzt noch jemand kommt. Zack wird irgendwann zu uns stoßen, und dann lernen wir ihn kennen. Was soll ich mich mit anderen beschäftigen? Klar, den Laden als Teamsportler zusammenzuhalten, ist die eine Sache. Aber sportlich geht es nur darum, die eigene Leistung bestmöglich abzurufen. Das ist Erfahrungssache – man wird gelassener und weiß, was man kann.“

Spiele mit Finalcharakter

Eine Kampfansage, die sich aus zahlreichen guten Leistungen in den vergangenen Jahren speist. Rensing hat das nötige Selbstvertrauen und relativiert deshalb die Kritik, die mancher Beobachter ihm während der Hinrunde der Vorsaison zuteil werden ließ. „Grundsätzlich habe ich eine gute, solide Hinrunde gespielt, allerdings mit nicht vielen Highlightspielen, in denen ich mich besonders auszeichnen konnte“, erklärt er. „In der Rückrunde gab es wesentlich mehr davon. Wenn du tolle Bälle hältst und du verlierst trotzdem, dann spricht niemand mehr davon. Aber ich liebe es auch einfach, wenn in der Rückrunde jedes Spiel Finalcharakter bekommt. Das kitzelt noch ein paar Prozent mehr heraus.“

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