Fußball-Bundesliga

Kenan Karaman mahnt nach Viruserfahrung zur Einsicht

Das bisher letzte Fortuna-Tor in dieser Bundesliga-Saison: Kenan Karaman bejubelt seinen Treffer zum 1:1 beim FSV Mainz 05.

Das bisher letzte Fortuna-Tor in dieser Bundesliga-Saison: Kenan Karaman bejubelt seinen Treffer zum 1:1 beim FSV Mainz 05.

Foto: imago

Düsseldorf.  Kenan Karaman hat gerade erst einen hartnäckigen Lungenvirus besiegt. Nun warnt er die Menschen davor, Corona zu unterschätzen.

Im Januar sitzt Kenan Karaman während des Trainingslagers in Marbella im Teamhotel Meliá Banus und spricht über die vergangenen Monate. „Ich denke noch oft daran zurück. Es kam ganz unerwartet. Immer wenn ich versucht habe zu atmen, war es wie ein Messerstich“, berichtet Fortunas Angreifer. „Es ist mir schon schwergefallen, das zu verarbeiten. Am Ende bin ich aber ganz gut aus der Geschichte herausgekommen.“ Karaman kämpfte im Herbst mit einem Lungenvirus, der ihn in Lebensgefahr brachte, er musste in Quarantäne, lag zwei Wochen im Krankenhaus. Von Corona spricht in Marbella noch kaum jemand. Das Virus bricht gerade erst in China aus. Rund zwei Monate später hat die Covid-19-Pandemie die Welt lahmgelegt. Und Karaman hat seinen ganz eigenen Blick auf die aktuelle Lage.

Karaman zeigt Mitgefühl

„Ich hatte damals ja einen ganz ähnlichen Virus, den sie aber nicht benennen konnten. Die Symptome waren jedenfalls die gleichen: Schüttelfrost, Fieber, etc. Deshalb kann ich mit den Infizierten mitfühlen“, sagt Karaman, Dass er eine Vorerkrankung an der Lunge hatte, macht ihn dabei hingegen wenig nervös: „Um mich mache ich mir weniger Sorgen. Ich bin da etwas abgehärtet. Auch wenn ich das Coronavirus bekommen würde, hätte ich einen klaren Kopf. Ich sorge mich mehr um die Menschheit.“

Karaman hat das Gefühl, dass einige Menschen die Lage unterschätzen und die aufgestellten Regeln missachten würden. „Da ich etwas ganz Ähnliches erlebt habe, nehme ich das natürlich noch einmal ganz anders wahr“, sagt er und begrüßt daher ausdrücklich die seit Sonntag von der Bundesregierung verabschiedeten verschärften Verhaltensanweisungen. Er hat dafür auch bei Freunden und Mitspielern Werbung gemacht. Denn: „Das, was ich durchgemacht habe, möchte ich nicht nochmal machen und wünsche ich auch keinem anderen.“

Nur für Laufeinheiten und für den Hund vor der Tür

Der 26-Jährige bleibt die meiste Zeit zu Hause. Nur seine Laufeinheiten, die er vom Trainerteam verordnet bekommen hat, und das Gassigehen mit seinem Yorkshire Terrier bringen ihn vor die Tür. „Die frische Luft tut dann auch richtig gut zwischendurch“, sagt er. Den Rest des Tages verbringt er, wie wohl die meisten Menschen in diesen Tagen, mit Bücher lesen, Serien und Filme gucken.

„Es ist nicht einfach für den Kopf, dass man nicht weiß, ob oder wann die Saison weitergeht“, sagt Karaman. „Aber ich hatte ja gerade erst eine Phase, in der ich nicht wusste, ob oder wann ich persönlich wieder Fußball spielen kann. Das hat mich im Prinzip vorbereitet auf die aktuelle Situation. “

Sein Comeback feierte er am 22. Februar beim 2:0-Sieg in Freiburg. Auch bei den beiden Spielen danach stand er in der Startelf, erzielte gegen Hertha BSC und in Mainz insgesamt drei Treffer. Ist es persönlich nicht sehr ärgerlich, dass gerade jetzt die Bundesliga pausieren muss? „Darauf haben mich viele Leute schon angesprochen. Aber ich habe einen ganz anderen Blickwinkel. Dass ich überhaupt zurückgekommen bin noch in dieser Saison, war für mich schon ein kleines Wunder. Ich bin menschlich gereift, habe vieles gelernt und bin im Kopf klarer geworden.“

EM-Absage war richtig

Deshalb ist auch der vorerst geplatzte Traum, mit der türkischen Nationalmannschaft an der Endrunde einer Europameisterschaft teilzunehmen, kein Problem für Karaman. „Es war die einzig richtige Entscheidung, die EM zu verlegen. Ich werde dann einfach versuchen, mich für die EM 2021 zu empfehlen“, sagt er und betont, dass er derzeit vor allem einen Wunsch hat: „Ich möchte, dass sich alle Düsseldorfer in den kommenden Wochen an die Regeln halten. Wir sollten als Stadt Düsseldorf ein Vorbild für ganz Deutschland sein.“ (erer)

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