Wasserball

Arno Troost blickt auf seine Zeit beim ASC Duisburg zurück

Trost von Troost: der Trainer mit Jan Obschernikat nach dem verlorenen Pokalfinale gegen Spandau 04 im Mai 2012.

Trost von Troost: der Trainer mit Jan Obschernikat nach dem verlorenen Pokalfinale gegen Spandau 04 im Mai 2012.

Foto: Stephan EICKERSHOFF

Duisburg.  Der Erfolgstrainer verabschiedet sich nach insgesamt zehn Jahren am Beckenrand. Der Rückblick enthält auch manchen bittersüßen Moment.

So wirklich hat sich das neue Lebensgefühl bei Arno Troost noch nicht eingestellt. Seit einer Woche ist die Saison in der Deutschen Wasserball-Liga für den ASC Duisburg beendet und damit auch sein Engagement bei den Amateuren. Am Donnerstag setzte bei Troost erstmals die Erkenntnis ein: „Ich habe ja Zeit.“ Arno Troost muss lachen, wenn er davon erzählt. „Ich bin ins Auto gestiegen und habe gedacht: So, jetzt zum Training. Und dann fiel mir ein, dass ich ja jetzt gleich zu Hause bin.“

Viele Jahre war es für den Architekten ein gewohnter Tagesablauf: Nach der Arbeit ab ins Auto und dann über die chronisch verstopften Autobahnen des Ruhrgebiets zum Training. Rückkehr in die heimischen vier Wände in Bochum gegen 21.45 Uhr. „Da bleibt dann nicht mehr viel vom Abend übrig. Meine Frau ist auch berufstätig, steht morgens früher auf“ , sagt Troost. Konkrete Pläne, was er mit der neuen Freizeit anfangen will, hat der 56-Jährige noch nicht. „Einfach mal auf der Terrasse sitzen, den Feierabend genießen. Wobei es ja auch immer irgendetwas gibt, das lackiert, gestrichen oder repariert werden muss“, erzählt Troost mit einem Schmunzeln.

„Hier wird Familie gelebt“

Zehn Jahre stand Troost seit 2007 – mit einer kurzen Unterbrechung – insgesamt bei den Amateuren am Beckenrand. „Die Zeit war sehr intensiv. Aber ich schätze mich sehr glücklich, dass mich der richtige Verein damals gefunden hat“, sagt Troost und fügt hinzu: „Besser hätte es mich nicht treffen können.“ Der Meistertrainer hat den Traditionsverein „mit all seinen Strukturen“ fest in sein Herz geschlossen. „Hier wird Familie gelebt und auch immer auf die Befindlichkeiten geschaut. Das ist etwas ganz Besonderes“, weiß Troost.

Im Rückblick auf seine Zeit beim ASCD sticht naturgemäß das Double 2013 – drei Jahre zuvor hatten die Duisburger schon den Pokal gewonnen – hervor. „Das war eine unglaubliche Situation. Den Pokal und die Meisterschaft zu holen, und das innerhalb von zwei Wochen – da sind wir kurzzeitig mal von der Bahn abgehoben“, erinnert sich Troost. Für den Familienvater sind die Erinnerungen an diesen Erfolg jedoch bittersüß. „Der Titel, so sehr wir ihn auch angestrebt haben, war ja doch nur eine Momentaufnahme. Plötzlich wurden Mechanismen geschaffen, die alles, was wir uns erarbeitet hatten und das auch nachhaltig sein sollte, kaputt gemacht haben.“

Wenige Monate, nachdem den Duisburgern damals der berauschende Doppelerfolg gelungen war, schaffte die Deutsche Wasserball-Liga die bis dahin übliche Selbstbeschränkung beim Einsatz von ausländischen Spielern ab. Kurz darauf gingen Klubs wie Spandau und Hannover auf Einkaufstour und gruben den Amateuren, die weiterhin auf Talentförderung und die eigene Jugend setzten, nach und nach das Wasser ab. Troost: „Wir haben damals alle eine Menge investiert. Hier hatte sich alles in die richtige Richtung entwickelt. Plötzlich war das alles futsch. Wir wollten nicht das One-Hit-Wonder sein. Aber da wurde uns gezielt wehgetan und das war damals nicht in Ordnung.“ Das Erlebnis hat der scheidende Trainer auch sechs Jahre später noch nicht verdaut: „Wir haben immer alles emotional gemacht. Wir haben jeden Sieg und auch jede Niederlage emotional gelebt. Da ist es klar, dass so etwas einem in der Jacke hängen bleibt.“

Schöne Momente überwiegen

Trotzdem werden für Troost in der Rückschau die schönen Momente überwiegen. Man wird ihn, so verspricht er, auch in der kommenden Saison das eine oder andere Mal in Schwimmstadion oder auf der Vereinsanlage sichten. „Ich werde weiterhin eng dran sein. Die Menschen sind mir hier einfach zu wichtig“, sagt Troost, der auch häufig den Kontakt zu Paul Schüler, seinem langjährigen Schützling und Nachfolger am Beckenrand, suchen will. „Stefan Popovic hat mich auch schon gefragt, ob ich mich nicht bei der Jugend einbringen möchte. Vielleicht werde ich da häufiger etwas machen.“ Auch ein neues Engagement als Trainer schließt Troost nicht komplett aus: „Wenn ein reizvolles Angebot kommt, dann würde ich darüber nachdenken. Das Kapitel Herren-Bundesliga ist jetzt aber erst einmal vorbei.“

Jetzt aber wird Arno Troost die neuen Freiheiten genießen. Das neue Lebensgefühl hat sich auch bei den anderen Mitgliedern der Familie noch nicht eingestellt. „Am Sonntag habe ich versucht, meine Frau und meine Söhne dazu zu motivieren, gemeinsam ins Schwimmbad zu gehen. Da hatten alle aber schon andere Pläne. So musste ich letztlich alleine gehen“, erzählt Troost. Und lacht.

Die verlorene Serie gegen den OSC Potsdam in den Play-offs und die damit verpasste Bronzemedaille, trübt den Saisoneindruck beim ASCD übrigens kaum. „Wir sind nicht Dritter geworden – damit kann ich aber ganz gut leben. Natürlich verliert man ungern das letzte Spiel der Saison, wir haben aber trotzdem nachhaltig gearbeitet. Zwei Mal Bronze und ein vierter Platz – wir dürfen trotzdem sehr zufrieden sein“, resümiert Arno Troost.

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