Fußball

Ein Familientreffen beim Bezirksligaspiel in Duisburg

In den Farben vereint: Michael (links) und Willi Will präsentieren Fanschal und Trikot ihrer beiden Herzensvereine.

In den Farben vereint: Michael (links) und Willi Will präsentieren Fanschal und Trikot ihrer beiden Herzensvereine.

Foto: Tamara Ramos / FUNKE Foto Services

Duisburg/Hamminkeln.  Willi Will drückt seit vielen Jahren dem Hamminkelner SV die Daumen, Sohn Michael ist Fan des Duisburger FV 08. Am Sonntag kommt es zum Duell.

Wenn Willi Will über seine aktive Karriere als Fußballer erzählt, fallen große Namen. Beim Ex-Verein von Weltmeister Toni Turek, Duisburg 48/99, verbrachte Will den Großteil seiner Laufbahn, spielte dabei vor rund 100.000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion, war Mannschaftskamerad von Otto Rehhagel in der Niederrheinauswahl und wurde von Trainerlegende Jupp Heynckes (damals Borussia Mönchengladbach) unsportlich mit einem Fußtritt im Gesicht verletzt.

Ereignisse, die fest in Wills Gedächtnis verankert sind. „Doch nun“, erklärt der heute 84-Jährige, „kommt ein weiteres, historisches Ereignis dazu.“ Dabei meint Will kein weiteres Aufeinandertreffen mit einer Fußballikone, sondern das Bezirksligaspiel zwischen dem Duisburger FV 08 und dem Hamminkelner SV (Sonntag, 15 Uhr). Aus familiären Gründen ist die Partie für Willi Will von großer Bedeutung. Während er als langjähriger Spieler, Funktionär und Träger der goldenen Ehrennadel dem Sportverein aus Hamminkeln die Treue hält, ist sein Sohn Michael (53) Anhänger des DFV 08. „Endlich kommt es zum Familientreffen an der Seitenlinie. Darauf haben wir lange gewartet“, freut sich Michael Will, der mit Stolz auf die sportlichen Errungenschaften seines Vaters blickt: „Er könnte tagelang erzählen. Das ist schon beeindruckend.“

Nun treffen sich beide – dank des Aufstiegs des DFV 08, der nach 16 Jahren wieder den Sprung in die Bezirksliga packte – endlich bei einem Spiel ihrer Herzensklubs. Beim Vergleich ähneln sich die Aussagen der Fußballliebhaber. „Die Atmosphäre ist in beiden Vereinen sehr familiär“, fasst Michael Will zusammen.

Für beide soll es ein Mittelfeldplatz sein

Auch die sportliche Lage der Klubs schätzt Familie Will ähnlich ein. „Erstmal geht es um den Klassenerhalt. Am Ende landen beide auf einem Mittelfeldplatz“, hofft Vater Willi, der nicht nur für Hamminkeln, sondern in den 50er-Jahren auch eine Saison für Duisburg 08 am Ball war: „Ich bin in Hochfeld geboren und habe dort die ganz großen Jahre des Vereins hautnah miterlebt“, berichtet der 84-Jährige.

Neben dem Amateurfußball verfolgen die fußballbegeisterten Hochfelder auch die Geschehnisse rund um den MSV Duisburg. Ins Stadion gehen beide jedoch getrennt. Sohn Michael hat seinen Stammplatz im Stehbereich, während Vater Willi einen Sitzplatz bevorzugt. „Wenn 08 parallel mit dem MSV spielt, entscheide ich meist spontan, wo ich hingehe“, sagt Michael Will, der sich an der Heimspielstätte des Duisburger FV 08 aus bestimmten Gründen sehr wohl fühlt: „Im Verein arbeiten alle gemeinsam. Es interessiert nicht, welche Herkunft jemand hat oder welche Sprache gesprochen wird. Alle ziehen an einem Strang.“

Der Wunsch: kein Unentschieden

Für das Spiel am Sonntag hat Familie Will einen Wunsch. „Es soll kein Unentschieden geben“, sagt Michael Will. Gemeinsam mit seinem Vater hat er das Beste für beide Klubs errechnet: „Wenn beide Mannschaften ihr Heimspiel gewinnen, haben beide Teams drei Punkte geholt. Gehen beide Spiele unentschieden aus, holen beide nur zwei Punkte.“

Dabei scheint der Spielausgang keine Auswirkungen auf das Vater-Sohn-Verhältnis zu haben. „Wir freuen uns einfach, dass wir unsere Mannschaften mal zusammen angucken können“, fasst Michael Will zusammen und legt seinem Vater schmunzelnd einen Duisburg-08-Schal um.

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