Fußball

Ein Sieg der Taktik für den MSV Duisburg beim 1. FC Köln

Ein ungewohntes Bild in dieser Saison: Die Zebras feierten in Köln mit ihren Fans den ersten Saisonsieg.

Ein ungewohntes Bild in dieser Saison: Die Zebras feierten in Köln mit ihren Fans den ersten Saisonsieg.

Foto: firo/Christopher Neundorf

Duisburg.   Torsten Lieberknecht griff in die Trickkiste und überraschte damit den Gegner. Für den Trainer war der Erfolg ein „erster, schöner Schritt“.

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Am Spielfeldrand hatte Torsten Lieberknecht noch die Faust geballt und seiner Freude freien Lauf gelassen, bei der Pressekonferenz gab sich der neue Trainer des Fußball-Zweitligisten MSV Duisburg nach dem überraschenden 2:1-erfolg beim Spitzenreiter 1.FC Köln am späten Montagabend nüchtern und sachlich: „Der MSV hat ein gutes Bild abgegeben. Es war ein ordentlicher Einstand.“

Der 45-Jährige bediente sich dann aber doch noch eines martialischen Vokabulars. „Das war eine Taktik-Schlacht“, gab der frühere Braunschweiger zu Protokoll. Am Ende glückte der Einstand des neuen Trainers tatsächlich vor allem deshalb, weil er seinen Kölner Kollegen Markus Anfang mit einigen taktischen Finessen überrumpeln konnte.

Lieberknecht hat die Hebel angefasst, die sein Vorgänger Ilia Gruev zuletzt nicht mehr angepackt hatte. Der Ex-Trainer hatte bis zuletzt seinem 4-4-2-System vertraut, Lieberknecht brach nun am Montagabend mit seiner Mittelfeldraute aus dem gewohnten Muster aus. Er habe das System der Kölner Spielweise angepasst und deshalb im Spielverlauf mehrfach umgestellt. „Und am Ende haben wir auch wieder die gute alte Fünferkette rausgekramt“, beschrieb der Trainer die Schlussphase, die dann weniger eine Taktik-, sondern mehr eine Abwehrschlacht war.

Nach der Länderspielpause feiert Torsten Lieberknecht am 22. Oktober gegen den FC St. Pauli sein Heimdebüt als MSV-Trainer – dann kann die taktische Ausrichtung schon wieder eine andere sein. „Wir sollten so flexibel sein, dass wir zwei bis drei Systeme spielen können“, sagte Sportdirektor Ivica Grlic.

Neue Rolle für Tashchy

Lieberknecht setzte den in den letzten Wochen oft gescholtenen Fabian Schnellhardt, weil dieser seiner Rolle als Mittelfeldregisseur nicht gerecht wurde, auf dem linken Flügel ein. Borys Tashchy, der sich in den letzten Spielen als Spitze häufig zurückfallen ließ und in den Zweikämpfen aufrieb, war als zentraler, offensiver Mittelfeldmann viel wirkungsvoller, als er es als Stürmer war.

Die Variante mit den beiden Sturmspitzen Joe Gyau und Stanislav Iljutcenko zündete hingegen nur bedingt. Beide Spieler konnten sich nur selten in Szene setzen, was allerdings in Köln zu verschmerzen war, weil das Mittelfeld mehr Druck machte und den Kölnern damit den Schneid abkauften.

Und weil Flügelspieler Cauly Oliveira Souza einen Sahnetag erwischt hatte: Das erste Tor der Zebras erzielte er selbst, das zweite hätte der kleine Brasilianer vermutlich auch für sich verbuchen können, wenn ihm der Kölner Matthias Bader die Arbeit mit seinem Eigentor nicht abgenommen hätte.

Erfolgreich trotz Schlafmangels

Cauly Oliveira Souza, der trotz Schlafmangels, für den sein gerade erst geborener Sohn verantwortlich war, hellwach präsentierte, genoss den ersten Saisonsieg auch, weil er ausgerechnet gegen den 1. FC Köln zustande kam. Als ehemaliger Spieler des Lokalrivalen Fortuna Köln machte ihm der Erfolg in Müngersdorf besonders viel Spaß.

„Wir haben uns sehr gut auf dieses Spiel vorbereitet. Wir sind selbstbewusst aufgetreten und hatten die Kölner lange Zeit unter Kontrolle“, sagte der 23-Jährige, der auch einräumte, dass diesmal auch das Glück auf Seiten der Duisburger war. Köln lag am Montag in vielen Statistiken vorne: Ballbesitz, Passquote, Torschüsse, Flanken.

Mit dem ersten Saisonsieg kletterten die Zebras auf Platz 16. „Es war ein erster, schöner Schritt“, verwies Torsten Lieberknecht auf viel Arbeit, die dem Team noch bevorsteht. Am Donnerstag steht die Leistungsdiagnostik an. Der Trainer bittet zum Laktattest. Für die kommende Woche will der MSV noch ein Testspiel abschließen.

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