Lieberknecht

Lieberknecht hat „wahnsinnigen Bock“ auf den MSV Duisburg

Der erste Eindruck: Der neue Coach Torsten Lieberknecht schaute beim ersten Training genau hin.

Der erste Eindruck: Der neue Coach Torsten Lieberknecht schaute beim ersten Training genau hin.

Foto: Tanja Pickartz

Duisburg.   Torsten Lieberknecht liebt die Traditionsvereine. Nach zehn Jahren in Braunschweig ist der 45-Jährige nun bereit für eine neue Aufgabe beim MSV.

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In Braunschweig lebte Torsten Lieberknecht außerhalb der Stadt. Das Mobilfunk-Netz ist dort schwach, der Internet-Empfang kompliziert. Deshalb freut sich vor allem sein 14-Jähriger Sohn, dass der Vater nun Trainer beim MSV Duisburg ist, wie Lieberknecht, dreifacher Familienvater, am Dienstag bei seiner Vorstellung als neuer Coach des Fußball-Zweitligisten verriet. Und überhaupt: In Duisburg sei mehr los als in Niedersachsen auf dem Land.

Mehr los als sonst war am Dienstag-Nachmittag auch in Meiderich. Rund 150 Zuschauer verfolgten die erste Trainingseinheit mit Torsten Lieberknecht, die nach gut zwei Stunden um 17.39 Uhr endete. Am Mittwoch bittet der neue Coach um 10 und um 15.30 Uhr an der Westender Straße zum Training.

Die Defensive im Fokus

Lieberknechts Fußball-Philosophie wird der Fan nun in den nächsten Wochen kennenlernen. Seinen Spielern sagte der neue Übungsleiters gestern auf dem Trainingsplatz, in welche Richtung es gehen soll: „Kein Firlefanz, sauber spielen.“ Zur schnellen Hilfe gehört für ihn die Stärkung der Abwehr: „Stabilität fängt mit der Defensive an.“

Mit Daniel Davari arbeitete Lieberknecht schon in Braunschweig – das macht die Torwartfrage bei den Zebras wieder spannend. Das übrige Personal kennt der neue Trainer aber auch „in- und auswendig“, wie er unterstrich. Beim Training fehlte nur Stürmer Richard Sukuta-Pasu, der zwar auf der Anlage weilte, aber noch infektgeschwächt war. Die hartnäckige Knöchelverletzung von Enis Hajri hat sich hingegen über Nacht in Wohlgefallen aufgelöst. Der Routinier war mit vollem Einsatz am Ball.

Erst die zweite Station

Der MSV Duisburg ist erst Lieberknechts zweite Trainerstation. Nach zehn Jahren Braunschweig, die im Mai mit dem unerwarteten Abstieg der Löwen endeten, ist er bereit für seine neue Aufgabe. Der Absturz mit den Löwen war schmerzlich, aber das will ihn jetzt nicht weiter beschäftigen. Zu den aktuellen Problemen seines Ex-Klubs in der 3. Liga – auch die Eintracht ist derzeit Letzter – will er sich nicht äußern.

Ab jetzt zählt nur noch der MSV: „Ich habe wahnsinnigen Bock auf diesen Klub. Dieser Verein passt zu mir.“ Lieberknecht – das wurde schon am ersten Tag deutlich – liebt den Fußball so, wie ein Beatles-Fan die Abbey Road am liebsten auf Vinyl hört. Der neue Mann gab erste Einblicke in seine Fußball-Welt: „Ich mag die Traditions- und Arbeiter-Vereine.“ Er sei eben ein Romantiker. Auch hier gilt: bloß kein Firlefanz. Alte Schule eben.

Ein emotionaler Trainer

Lieberknecht, der – wie MSV-Sportdirektor Ivica Grlic am Dienstag dann doch verriet – in Duisburg einen Vertrag bis 2021 erhielt, hat sich in den letzten Jahren nicht nur als ein erfolgreicher, sondern auch als ein emotionaler Trainer einen Namen gemacht. Als er mit der Eintracht 2014 in Sinsheim aus der 1. Bundesliga abstieg, nahm er im Stadion aus den Händen eines vierjährigen Mädchens eine Rose als Trost entgegen.

Nach dem Abstieg mit der Eintracht aus der 2. Liga im Mai weinte er in Kiel bitterlich am Fan-Zaun. Holstein-Trainer Markus Anfang tröstete den Kollegen. Dass der Zufall es so will, dass Lieberknecht am Montag ein Wiedersehen mit Markus Anfang als Trainer des 1. FC Köln feiern wird, will er am Dienstag nicht auf dem Schirm gehabt haben. Darauf angesprochen sagte er: „Oh. Das tut jetzt weh.“

Der sofortige Impuls

Der frühere Mittelfeldspieler (Kaiserslautern, Waldhof Mannheim, Mainz, Saarbrücken und natürlich Braunschweig) sprach gestern auch über seinen Vorgänger und über ein freundschaftliches Verhältnis zu Ilia Gruev. Er hätte lieber jemand anders abgelöst. Er berichtete, dass Gruev ihm nach seiner Verpflichtung eine Nachricht geschickt habe. „Das zeigt seinen starken Charakter“, so Lieberknecht, der auch künftig den Kontakt mit seinem Vorgänger pflegen will: „Ilia ist ein fantastischer Mensch. Fantastische Menschen werden immer von mir hören.“

Lieberknecht will nun einen „sofortigen Impuls“ liefern. Dass er am Montag ausgerechnet beim Spitzenreiter 1. FC Köln – am Donnerstag sind im Fanshop in der Arena noch 800 Sitzplatzkarten zu 28 und 31 Euro erhältlich – mit seinem neuen Team antreten muss, sieht er nicht als Nachteil an. Nach der Premiere wird die Länderspielpause zum perfekten Zeitpunkt kommen. Dann kann der gebürtige Pfälzer an Details arbeiten.

Seinen neuen Job in Duisburg bezeichnete Lieberknecht als eine „außergewöhnliche Aufgabe“. Weil die Mission Klassenerhalt mit einem schwierigen Weg verbunden sei. Der neue MSV-Trainer geht davon aus, dass es auch in dieser Saison so eng zugehen wird wie im letzten Spieljahr, weil es andauernd überraschende Ergebnisse gebe.

So ein Ergebnis will Torsten Lieberknecht auch in Köln abliefern.

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