2. Bundesliga

MSV-Trainer Lieberknecht: „Das Spiel wird leidenschaftlich“

Kriegsrat vor St. Pauli: MSV-Trainer Torsten Lieberknecht (Mitte) im Gespräch mit „Co“ Darius Scholtysik (links) und Individualcoach Branimir Bajic.

Kriegsrat vor St. Pauli: MSV-Trainer Torsten Lieberknecht (Mitte) im Gespräch mit „Co“ Darius Scholtysik (links) und Individualcoach Branimir Bajic.

Foto: firo/Volker Nagraszus

Duisburg.   Der MSV Duisburg nimmt vor dem Gastspiel beim Zweitliga-Vierten FC St. Pauli die Außenseiterrolle ein. Der Trainer will Unerwartetes erreichen.

Torsten Lieberknecht sagt manchmal Sätze, die auch gut in einem Tageshoroskop stehen könnten. Sie sind nämlich immer richtig. Vor der Partie beim FC St. Pauli (Freitag, 18.30 Uhr) ist der Coach des Fußball-Zweitligisten MSV Duisburg davon überzeugt: „Das Spiel wird leidenschaftlich.“ Wie auch anders? Die Hausherren haben zuletzt zweimal verloren und drohen, den Relegationsplatz zu verspielen. Der MSV kann sowieso nur, wenn er will.

Und dann sagt Lieberknecht: „Ich glaube, dass beide Teams taktisch gut vorbereitet werden.“ Na, hoffentlich! Für einen Moment lugt der Schalk im Nacken hervor. Lieberknecht erklärt: „Ich verrate meine Taktik nicht.“ Von einem Zauberer möchte man ja auch nicht hören, wie er so trickst. Was das Publikum sehen will: wie er den Hasen aus dem Hut holt!

Letzter Sieg am Millerntor im Jahr 1997

Um nicht viel weniger geht es am Freitagabend auch auf der Bühne am Millerntor. Denn Lieberknecht sagt, dass man „da vielleicht auch mal macht, womit keiner rechnet: drei Punkte mitzunehmen.“ Die Statistik bestätigt den Coach. Den letzten Sieg am Millerntor fuhr der MSV im Mai 1997 am 34. Bundesliga-Spieltag mit einem 2:0 ein. Seit 1977 sieht man sich in den Ligen. Insgesamt glückten dem MSV nur zwei Erfolge auf dem Kiez. Dagegen stehen sechs Niederlagen und vier Unentschieden. Da kann man schon mal auf den Gedanken kommen: Beim Vergleich zwischen einer Mannschaft mit Hoffnung und einem Team in hoher Not rechnet niemand mit einem MSV-Sieg.

Lieberknecht hat freilich weniger das Zahlenwerk als die Seelenlage seiner Spieler im Sinn. Deshalb beschreibt er seine Mannschaft als krassen Außenseiter. Der FC St. Pauli sei in der „Beweispflicht“ erklärt Lieberknecht und erinnert an die beiden 0:4-Niederlagen, die das Team von Trainer Markus Kauczinski erst im Derby gegen den HSV und dann beim Mitbewerber der Zebras, dem SV Sandhausen, eingefahren hat. Der Coach wird nicht müde, die Hausherren als Aufstiegsaspiranten zu beschreiben, und vermutet, dass die Hamburger über den Kampf zum Selbstvertrauen finden wollen.

Diese Einstellung treibt dann auch schon mal Blüten: Er sei überzeugt, „dass der Gegner nicht unterschätzt wird“, meint der Coach. Weil da ein leises Prusten durch den Presseraum in Meiderich geht, schiebt Lieberknecht nach: wegen des Tabellenstandes. St. Pauli ist Vierter. Freilich, welche Mannschaft könnte ein Tabellensiebzehnter schon unterschätzen?

Erfolgsdruck soll bei Gastgebern liegen

Der Zweck der Übung lässt sich kaum übersehen. Nachdem die Partie gegen Köln ausgefallen ist und Sandhausen den Dreier einfuhr, steht der MSV auf dem vorletzten Rang. Trotz der drei Spiele ohne Niederlage. Punkte braucht die Mannschaft neun Spieltage vor Schluss so dringend wie Luft. Da will der oberste Übungsleiter seinem Personal das Atmen so leicht wie möglich machen. Den Gastgebern will er den Erfolgsdruck in den Stutzen stecken.

Die Belastung für die Meidericher ist hoch genug: Nach dem Kiez-Kick kommt dann die Partie gegen Ingolstadt. Die muss gewonnen werden. Gleich am Mittwoch darauf schaut Köln vorbei. Das ist ein Gegner, den der MSV ebenfalls mit Sicherheit nicht unterschätzt. Am Freitag was mitzunehmen, würde den Blutdruck lebenserhaltend senken.

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