Fußball

Abenteuer früh wieder beendet

Moritz Reinhard jagt Marcel Appiah (rechts), der den Ball vor dem Offenbacher Stürmer geschickt abschirmt. Nun spielt er in der Regionalliga Südwest für den Drittliga-Absteiger VfR Aalen.

Moritz Reinhard jagt Marcel Appiah (rechts), der den Ball vor dem Offenbacher Stürmer geschickt abschirmt. Nun spielt er in der Regionalliga Südwest für den Drittliga-Absteiger VfR Aalen.

Foto: HMB Media/Muellervia / imago

Ennepetal/Aalen.  Nach sieben Monaten ist das Abenteuer in den USA für den Ennepetaler Marcel Appiah beendet. Die Erkenntnisse daraus nimmt ihm keiner mehr.

Er wirkt gelöst und das, obwohl gleich ein echtes Topspiel auf ihn wartet. Vor dem Regionalliga-Spiel gegen die Kickers Offenbach ist Marcel Appiah entspannt, der 31-Jährige hat in seiner Karriere als Fußballer einiges erlebt. Ein Spiel bei den traditionsreichen Kickers ist aber auch für ihn noch etwas Besonderes, schließlich herrscht auf dem Bieberer Berg immer eine elektrisierende Atmosphäre. Auch für jemanden wie den gebürtigen Ennepetaler Marcel Appiah, der nach sieben Monaten Fußball in den USA nun wieder nach Deutschland zurückgekehrt ist.

Aalen statt Birmingham, Baden-Württemberg statt Alabama heißt es seit einigen Wochen für Appiah. Das Abenteuer in Übersee ging für den Verteidiger etwas schneller zu Ende als ursprünglich geplant, nun ist er wieder zurück im deutschen Fußball. Sein neuer Arbeitgeber ist der VfR Aalen, der in den vergangenen beiden Jahren aus der zweiten Liga bis in die Regionalliga durchgereicht wurde. Appiah ist Teil des Neuaufbaus bei dem Absteiger, er soll helfen, dass der Erfolg bei den Schwarz-Weißen wieder einsetzt.

Teil einer Vereinsgründung

Vor wenigen Wochen war das noch in weiter Ferne, denn eigentlich hatte Appiah andere Pläne. Anfang des Jahres war der Ennepetaler nach seiner Zeit beim VfL Osnabrück und einigen Probetrainings beim VfB Lübeck seiner Abenteuerlust gefolgt und nahm ein Angebot aus der zweiten US-amerikanischen Liga an. Ab Februar war Appiah damit Teil eines Projekts, denn der Birmingham Legion FC war gerade erst gegründet worden und stand vor seiner ersten Spielzeit.

Nach einigen Wochen aber verletzt er sich, ein Muskelfaserriss in der Wade zwingt ihn zu einer Pause. Eigentlich eine Verletzung, die unter entsprechender medizinischer Beobachtung schnell ausgestanden ist. „Das hat dann aber viel länger gedauert als nötig. Die Verletzung ist wieder aufgebrochen, weil ich zu früh wieder einsteigen sollte“, berichtet Appiah. Der Verteidiger, der aufgrund seiner Erfahrung aus 300 Spielen für Sprockhövel, Arminia Bielefeld, den NEC Nijmegen in den Niederlanden sowie den VfL Osnabrück als Führungsspieler eingeplant war, fällt aus und soll nach seiner Verletzung eine neue Position im zentralen Mittelfeld bekleiden, um auf Spielzeit zu kommen. Doch Appiah ist eigentlich Verteidiger.

Zusätzlich passen die Ergebnisse nicht, nach anfänglichen Erfolgen stellt sich eine Negativserie ein – der erste Aufwind aus der Gründungszeit verfliegt ein wenig. „Da war auch ein wenig Druck hinter, es war schließlich die Premierensaison in einer für die Amerikaner eher unbekannten Sportart”, sagt Marcel Appiah in der Rückbetrachtung. Er selbst sieht keine Perspektive mehr für sich im Verein, es ergeben sich Alternativen, die für ihn mehr Sinn machen – es kommt zur einvernehmlichen Vertragsauflösung. „Der Verein hat dem zugestimmt und mir bei dem Wechsel nach Aalen sehr geholfen”, blickt der frühere Zweitliga-Profi zurück.

Fußball ist nicht mehr alles

Die Enttäuschung war da, denn Marcel Appiah ist sehr zielstrebig in das Projekt gegangen. „Ich konnte nicht das machen, was ich eigentlich vor hatte und kann”, sagt er. Außerdem sind für den 31-Jährigen inzwischen auch Dinge abseits des Spielfelds relevant geworden.

„Irgendwann fragt man sich, was man nach dem Fußball macht. Und damit setze ich mich jetzt intensiver auseinander”, so Appiah. Er möchte nicht erst nach seiner Karriere wissen, was er beruflich macht, die Vorbereitung für die Zeit nach dem Fußball nimmt inzwischen schon einen großen Raum in seinem Leben ein.

Auch deswegen schlug er, als sich andeutete, dass es für ihn in Birmingham nicht weitergeht, Angebote von anderen Teams in den USA aus. „Ich hätte auch da bleiben können”, sagt er. Blieb er aber nicht. Der Blick auf die Erfahrung in Übersee wirkt reflektiert, bereuen tut er sie in keinem Fall. Vor allem persönlich hat Appiah wichtige Dinge gelernt. Er ist einer, der auch einmal über den Tellerrand hinaus blickt, der auch abseits des Fußballs die Augen offen hält.

Eine ganz andere Fankultur

Die Eindrücke von endlosen Straßen, die er zuvor nur aus Filmen kannte, oder auch das normale Leben der US-Amerikaner nimmt ihn keiner mehr. Auch nicht die, der amerikanischen Fankultur. „Dort stehen die Leute während des Spiels auch mal 30 Minuten an, um sich einen Hot Dog zu holen”, berichtet er. Was nicht abwertend gemeint ist, es ist eben eine andere Fankultur als in Deutschland, eine, an die sich jemand der früher vor 20.000 Zuschauer gespielt hat, erst gewöhnen.

In Deutschland hingegen verfolgen die Zuschauer das Spiel, das Drumherum ist eher zweitrangig. An erster Stelle steht der Fußball -- wie auch bei Marcel Appiah, dem weit gereisten Fußballer aus Ennepetal.

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