Erinnerungen an den Spax-Cup

Als Buchwald derangiert zum Finale auflief

Der Unternehmer-Abend 2015 mit (v.l.) Werner Hansch, Wolfgang Overath, Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen.

Der Unternehmer-Abend 2015 mit (v.l.) Werner Hansch, Wolfgang Overath, Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen.

Foto: Hartmut Breyer

Ennepetal.   Ilona und Wilhelm Wiggenhagen begleiten das Turnier seit Jahrzehnten. Als Bürgermeister den Unternehmer-Abend mit initiiert.

Ja, es gab sie noch. Die Zeit, in der sich noch die spielenden A-Junioren höherklassiger Klubs volksnah gaben. Ilona Wiggenhagen hat dies erlebt, mit Guido Buchwald – dem Weltmeister von 1990. Damit verbindet sich eine von vielen Erinnerungen an die vielen Turniere zu Pfingsten im Ennepetaler Bremenstadion – zuletzt um den Spax-Cup. Wie auch ihr Gatte und Alt-Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen kann sie mit Freude zurück blicken, blickt aber auch mit Wehmut auf das letzte dieser Art von Fußball-Turnieren des TuS Ennepetal, dass Pfingsten stattfinden wird. „Wir hoffen, dass es eine Fortsetzung in anderer Form geben wird“, sagen die Wiggenhagens.

Bis tief in die Nacht gelacht

Wir schreiben das Jahr 1979. Es ist spät am Abend. Der Vorabend des Finales. Die Stuttgarter Kickers sind in der Gaststätte von Udo Zoller in Milspe. Es geht hoch her. Es wird viel erzählt, viel gelacht, aber auch getrunken. „Das war ein toller Abend, wie es ihn selten unter Nachwuchs-Fußballern gibt“, so Wilhelm Wiggenhagen. Er war dabei. Auch seine Ilona, die er zwei Monate später ehelichte. Ilona Wiggenhagen half Udo Zoller beim Kellnern aus. Personal zu diesem Anlass war seinerzeit knapp.

Und als es tiefe Nacht wurde, standen immer noch Leute an der Theke. Auch Ilona Wiggenhagen und Guido Buchwald. Zum Abschied gab es ein Küsschen auf die Wange. „Jetzt kann ich meinen Enkeln mal erzählen, dass ich einen Nationalspieler geküsst habe“,sagte sie damals – und lacht heute herzlich darüber. Seinerzeit hatte Buchwald abgewunken. Fernab jeglicher Fußballer-Karriere war er damals. „Er hatte sich Hoffnungen auf einen Profi-Vertrag beim VfB Stuttgart gemacht“, erinnert sich Wilhelm Wiggenhagen. Schließlich hat es geklappt – und Ilona Wiggenhagen hatte tatsächlich einen Nationalspieler geküsst.

In Erinnerung an diesem Abend ist ihr noch, dass dieser sehr, sehr lang war. „Wir verlieren morgen. Wir kriegen richtig Ärger“, hatte Guido Buchwald zum Abschied gesagt. Ilona Wiggenhagen:„Und am nächsten Tag, als die Spieler zum Endspiel aufliefen, sahen die Stuttgarter wirklich nicht gut aus.“. Dennoch: Die Schwaben besiegten Feyenoord Rotterdam, verteidigten so den in 1978 gegen Admira Wien gewonnen Titel. Zwei Jahre später übrigens kam der dritte und letzte Turniersieg für die Kickers hinzu – seinerzeit mit einem gewissen Jürgen Klinsmann als Stürmer und Torjäger des Turniers.

Im Laufe der Jahre hat es Ilona und Wilhelm Wiggenhagen jährlich zum Turnier ins Bremenstadion gezogen. Wilhelm Wiggenhagen, der Zeit seines fußballerischen Lebens beim RSV Altenvoerde kickte, ließ es sich nicht nehmen, bei Einlagespielen mitzuwirken. Die Ergebnisse? Das weiß wohl kaum einer mehr. Ist ja auch egal. Denn der Spaß steht im Vordergrund.

Sechs Turniere als Bürgermeister

Als Wiggenhagen im Jahre 2009 der zweite hauptamtliche Bürgermeister in der Geschichte der Stadt Ennepetal wurde, „musste“ er zum Turnier – als Schirmherr. Und seine Ilona war als „First Lady“ („Diesen Begriff kann ich überhaupt nicht leiden“, so Ilona Wiggenhagen) natürlich stets an seiner Seite. Rein ins VIP-Zelt, raus aus dem VIP-Zelt. Beide mischten sich – wie sie es gewohnt waren – unter die Leute im Stadion. Dennoch: Mit dem Amt kam es zu Begegnungen, die beide nicht missen möchte. Immerhin waren darunter Fußball-Berühmtheiten wie Otto Rehhagel, Rainer Bonhof oder Otto Addo, die sich im Bremenstadion haben blicken lassen - auch, um den Fußball-Nachwuchs zu begutachten.

Bürgermeister Wiggenhagen war es übrigens, der zusammen mit Ideengeber Theo Bicking und Michael Peiniger, als Vorsitzender des TuS Ennepetal, die Unternehmer-Gespräche initiiert hat. Einen Treffpunkt für Vertreter heimischer Unternehmen – mit einem Referat von Persönlichkeiten, die aus dem Sport beziehungsweise aus dem Fußball heraus in Unternehmen Fuß gefasst haben und auch so aus einem reichen Erfahrungsschatz sprechen konnten.

Der erste Freitagabend mit heimischen Unternehmen gab es zum Turnier im Jahre 2010. Und der erste Referent war Norbert Dickel – Pokalheld von Borussia Dortmund und heute für den Verein unter anderem als legendärer Stadionsprecher aktiv. Das kommt einem Wilhelm Wiggenhagen natürlich sehr entgegen – als Fan des BVB. Übrigens entgegen dem seiner Frau Ilona, die dem FC Schalke 04 den Daumen drückt. Eine Anspannung, die dieser Ehe nicht schadet, eher gut tut – so vermitteln es beide.

Blitz schlägt neben ihr ein

Einen der persönlichen Höhepunkte in der Geschichte des Pfingstturniers hatte Wilhelm Wiggenhagen als Bürgermeister mit dem Besuch von zum Unternehmeabend von Werner Hansch, als „Stimme des Ruhrgebietes“, sowie Wolfgang Overath, unter anderem Weltmeister von 1974 und eine Legende des 1. FC Köln. „Einfach klasse Typen, diese beiden. Der Abend hat richtig Spaß gemacht“, erinnert sich Wilhelm Wiggenhagen. Eine unangenehme Erinnerung hat indes Ilona Wiggenhagen an das Turnier 2017 – am Unternehmerabend. Es regnete, es donnerte und direkt neben ihr schlug der Blitz ein. „Das möchte ich nicht noch einmal erleben“, sagt sie. Dann denkt sie doch lieber an Guido Buchwald zurück . . .

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