Sporthintergrund – Fußball

Aus Uellendahl über Bayer Wuppertal nach Schwelm

Deniz-Tugca Temel, Kapitän und Führungsspieler des Bezirksligisten VfB Schwelm, hat in seiner Karriere rassistische Äußerungen oder Handlungen nicht erlebt.

Deniz-Tugca Temel, Kapitän und Führungsspieler des Bezirksligisten VfB Schwelm, hat in seiner Karriere rassistische Äußerungen oder Handlungen nicht erlebt.

Foto: Michael Scheuermann / WP

Schwelm.  Türkische Wurzeln, in Deutschland geboren: VfB-Kapitän Deniz Temel ist voll integriert hat rassistische Äußerungen oder Handlungen nicht erlebt.

In Deutschland geboren, deutscher Pass und ein zumindest zunächst einmal deutsch klingender Name: Deniz Temel kann als voll integriert gelten. Seine türkischen Wurzeln haben dem 28-jährigen Kapitän des VfB Schwelm bisher keine Schwierigkeiten bereitet. Rassistische Äußerungen oder Handlungen hat er in seiner Karriere nicht erlebt.

Student der Wirtschaftswissenschaften

Die begann im Kindesalter beim SC Uellendahl – einem Wuppertaler Verein, dessen Einzugsgebiet ein weit gefächertes Angebot an Wohnquartieren, von den Ausläufern der Arbeitersiedlungen der Elberfelder Nordstadt bis zu den Einfamilienhäusern an den Nordhängen unterhalb des Westfalenweges umfasst. Hier hat Deniz Temel seine ersten Gehversuche als Fußballer gemacht, ehe er als A-Jugendlicher zum SV Bayer Wuppertal wechselte und, nach drei Jahren bei den Senioren in der Landesliga-Mannschaft weiter zum VfB Schwelm.

Hier spielt der Student der Wirtschaftswissenschaften an der Fern-Universität Hagen bereits seit 2013, hat das mehrfache Scheitern am Bezirksliga-Aufstieg ebenso miterlebt, wie schließlich den ersehnten Sprung in die höhere Klasse 2018.

In der gesamten Zeit seiner Sportlerkarriere ist Temel von Anfeindungen verschont geblieben. „Wenn da mal etwas Krasses vorgefallen wäre, würde es mir schon einfallen. Nein, davon habe ich nichts mitbekommen“, berichtet er. Mehr als die „üblichen Beleidigungen“, die jeder Spieler schon einmal erlebt hat, wie „Dummkopf“, „Spinner“ oder „Halt dein Maul“ sei da nicht gewesen. „Wenn ich so etwas mitbekomme ist das für mich schon ein Grund zu sagen: Ey, das geht gar nicht.“

Nicht ausschließen will Temel, dass er solche Sachen vergessen., überhört oder ausgeblendet hat. „Ich würde niemals so blauäugig sein und behaupten, dass so etwas auf gar keinen Fall vorkommt“, sagt Temel, der sicher ist, dass rassistische Anfeindungen im Fußball vorkommen.

Und wie sieht es mit Provokationen aus, um beispielsweise eine Rote Karte gegen ihn herauszufordern? „Das kommt doch schon relativ oft vor“, so der VfB-Kapitän, der durchaus schon das eine oder andere Mal verbale Provokationen, aber auch tätliche, wie auf die Füße treten oder Anrempler erlebt hat. „Das kommt schon vor, um den Gegner ein bisschen aus der Fassung zu bringen“, kennt Temel die Tricks der gegnerischen Spieler. Erfolg hätte das bei ihm aber nicht gehabt. Deniz Temel: „Ich bin da eher etwas ruhiger und mittlerweile habe ich ja auch schon ein paar Jährchen gespielt. Außerdem will ich mich auch gar nicht auf diese Schiene einlassen. Und nach den 90 Minuten sieht man ja die Gegner eh’ wieder und gibt sich die Hand.“

Seine Maxime lautet: Die Herausforderung annehmen und dann fußballerisch die Antwort geben. Und im täglichen Leben? Da kann sich Temel vorstellen, dass es hier durchaus, wie er es formuliert, „unentdeckte Arten von Rassismus“ gibt. Das könnte sich darin zeigen, dass man nicht bevorzugt wird. „Aber“, so der WiWi-Student, „das lässt sich ja nie feststellen.“

Konflikte erst gar nicht aufkommen lassen

Tatsächlich war er noch nie von diesen Dingen betroffen. „Vielleicht, weil ich ein Mensch bin, der dem aktiv aus dem Wege geht und versucht, Konflikte gar nicht erst aufkommen zu lassen“, sagt Deniz Temel abschließend.

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