Reitsport

Darum turnen im EN-Kreis Kinder gerne auf Pferderücken

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Zwei Voltigiererinnen führen ihre Figuren auf einem Pferd aus (Symbolbild).

Zwei Voltigiererinnen führen ihre Figuren auf einem Pferd aus (Symbolbild).

Foto: Gerd Hermann

Schwelm.  Die Schwelmerin Heike Hundt macht sich für das Voltigieren stark. Das bewegt sie und darum stößt der Reitsport im EN-Kreis auf großes Interesse.

Einen Handstand machen klingt für einen Sportler mit durchschnittlichem Fitnesslevel und etwas Körpergefühl erst einmal nicht nach der größten Herausforderung. Aber das ganze auf einem Pferderücken, im Galopp, mit bis zu zwei anderen Personen gemeinsam umzusetzen, klingt nach einer ganz anderen Nummer. Voltigierer haben diese und ähnliche Nummern drauf. Bis zu drei Personen turnen in akrobatisch-gymnastischen Übungen auf den Pferden, die im hohen Tempo durch die Reithalle laufen. Voltigierer performen Leistungen, die für viele nicht einmal unter „normalen“ Umständen möglich wären.

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Die Schwelmerin Heike Hundt war eine dieser besagten Voltigiererinnen und trat bis in der Leistungsklasse M, also der zweithöchsten, an. Sie war außerdem als Trainerin mit A-Lizenz und als Voltigier-Richterin aktiv und hat eine berufliche Zusatzqualifikation im heilpädagogischen Reiten und Voltigieren erlangt. Doch mittlerweile hat sich die 53-Jährige aus physischen Gründen von der Arbeit mit den Huftieren verabschiedet. Figuren wie die sogenannten Mühlen, Stützschwünge und ähnliches macht Heike Hundt mittlerweile nicht mehr. „Man braucht einfach einen fitten Körper. Irgendwann kommt man eben an seine Grenzen“, meint sie und verweist auf ihr Alter.

Höchste Form von Kunstturnen

Heute macht sie sich dennoch in ganz unterschiedlichen Funktionen für diese besondere Pferdesport-Disziplin stark: Sie gibt im Auftrag des Pferdesportverbands Westfalen verschiedene Seminare und ist ehrenamtliche Ausbildungsbeauftragte im westfälischen Voltigiersport. Vor allem für die adäquate Trainerausbildung setzt sie sich leidenschaftlich ein. Im Gegensatz zu anderen Reitdisziplinen sei der Auftrag des Pferdes beim Voltigieren ganz anders. „Natürlich muss das Pferd sehr leistungsstark sein, also eine gute Ausdauer haben, aber es muss auch alle äußeren Reize kompensieren können“, so Expertin Heike Hundt.

Das ist sonst noch los im Lokalsport

Nicht nur eine, sondern gleich bis zu drei Personen bewegen sich mit, auf und um das Pferd herum. „Voltigieren ist die höchste Form von Kunstturnen auf einem beweglichen Untergrund. Es ist koordinativ und konditionell sehr herausfordernd“, macht sie die hohen Anforderungen an die Sportler im Doppelpack mit dem Pferd deutlich. „In den höheren Leistungsklassen ist das schon eine sehr sportliche Angelegenheit!“

Nähe zum Pferd

Da das enge Verhältnis zwischen Tier und Mensch auf einer großen Vertrauensbasis beruht, wird Voltigieren ebenfalls als erster Schritt zur Einführung von Kindern in den Reitsport genutzt. So soll ihnen gleich zu Beginn ein gutes Gefühl für die Tiere vermittelt werden. Sie lernen bei der Einführung die Nähe zum Pferd kennen und sammeln erste gemeinsame Bewegungserfahrungen. „Voltigieren ist eine wunderbare Art für die Einführung in den Reitsport“, denkt Heike Hundt darüber.

Beim Voltigieren kontrolliert außerdem noch eine weitere Person das Pferd, nämlich der Longenführer. Der- oder diejenige steht am Ende der Longe, also dem langen Seil, an dem der Vierbeiner befestigt ist und in einem großen Kreis geführt wird. „Mit dem Longenführer hat der Voltigierer einen verlässlichen Partner, der mit aufpasst“, erklärt die Fachfrau.

Großes Interesse im Kreis

Neben der leistungsorientierten Ausübung des Sports charakterisiert die Reit-Disziplin Voltigieren aber vor allem auch eine Besonderheit der anderen Art. „Das Thema Inklusion spielt auch eine wichtige Rolle“, so Heike Hundt, die aus ihren Erfahrungen aus der Kinder- und Jugendarbeit spricht. Gerade bei körperlich eingeschränkten Personen sei meist das sogenannte Raum-Lage-Gefühl ein Problem, was durch die Arbeit mit dem Pferd verbessert werden könne. „Pferde haben einen pädagogischen Einfluss und wirken als Sportpartner mit ihrer Wärme und den Bewegungen auch auf die Psyche ein“, ist sich Hundt sicher.

Im südlichen Ennepe-Ruhr-Kreis sei das Interesse am Sport seitens der Kinder groß. Das würde sich in Ennepetal, Gevelsberg und Haßlinghausen auch in der Anzahl der Voltigiergruppen für Kinder widerspiegeln. Im Voltigier- und Reitzentrum Sunderholze in Gevelsberg springt der Nachwuchs in insgesamt zehn Gruppen auf die Rücken der speziell dafür trainierten Pferde. Dennoch ist nicht zu vergessen, dass Voltigieren im Pferdesport-Kosmos eher eine Randsportart ist. Primär werde Reiten auf den Anlagen angeboten.

Enge Verbindung

Anders als bei den anderen Disziplinen im Reitsport ist jedoch auch die Option gegeben, als Mannschaft an Turnieren teilzunehmen und dort Gruppenleistungen abzulegen. Bei diesem Thema schweift Heike Hundt in Erinnerungen an ihre aktive Zeit ab. Freudig erzählt sie: „Wir waren in unserer Mannschaft meist acht Leute und sind trotz unserer Auflösung noch immer so sehr verbunden, dass die anderen mich und unser letztes Voltigierpferd regelmäßig am Stall besuchen kommen.“ So kann der Reitsport also auch ein enges Mannschafts-Band flechten.

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