Das Leben ist (k)ein Ponyhof

Die erste Fohlen-Geburt rührt immer noch

Andrea Luthe aus Ennepetal (Königsfeld) mit dem 27-jährigen „Pollux", dem erste Ausbildungspferd

Andrea Luthe aus Ennepetal (Königsfeld) mit dem 27-jährigen „Pollux", dem erste Ausbildungspferd

Foto: Heinz-G. Lützenberger

Ennepetal.  Die Geburt eines Fohlen rührt sie immer noch: Andrea Luthe aus Ennepetal hat viele Jahre Pferde und Reiter ausgebildet.

Die Augen glänzen wieder, als sie von der Geburt eines Fohlens berichtet. Nicht eines Fohlens. Das erste Mal, dass Andrea Luthe dabei war, als das Fohlen „Caro“ geboren wurde. „Das hat mich damals schon sehr gerührt“, erinnert sich die Ennepetalerin an das schöne Ereignis aus dem Jahre 2007.

Dabei war es nicht die erste Geburt eines Fohlens auf dem Hof, den sie mit ihrem Mann Markus in Königsfeld betreibt. Zweimal schon. Allerdings jeweils des Nachts – ohne die Hilfe von Menschen. Plötzlich waren die Fohlen da.

Harztropfen kündigen Geburt an

Somit ist es ein besonderes Erlebnis, bei der Fohlen-Geburt dabei gewesen zu sein. „Grundsätzlich war ich sehr ruhig“, so Andrea Luthe. „Das Umfeld war schon nervös, auch weil die Geburt etwa zwei Stunde gedauert hat.“ Dann kam der Rumpf heraus, zu sehen war eine Maserung, die an ein doppeltes Herz erinnert. „Da war ich schon gerührt, da musste ich heulen“, gesteht Andrea Luthe. Schließlich rieb Andrea Luthe zusammen mit den weiteren Beteiligten das Fohlen mit Stroh ab, dann hat sich die Stute „Maggy“ um ihr Fohlen gekümmert. Irgendwann kam auch der Tierarzt – wie es eine Vorschrift besagt.

Dass sie bei den ersten beiden Fohlen-Geburten nicht unmittelbar dabei war, liegt an den ungenauen Vorhersagen einer Geburt. „Wir hatten die Harztropfen gesehen, klar“, erläutert Luthe. „Aber das zeigt nur, dass irgendwann demnächst ein Fohlen geboren wird.“ Am Rande: Als Harztropfen wird die Milch bezeichnet, die vor der Geburt des Fohlens meist nur tropfenweise aus dem Euter der Stute sickert. Sie ist gelblich, erinnert an Baumharz und wird daher als Harztropfen bezeichnet.

Kein Kind, wie ein Kumpel

Keine Frage, dass die Fohlen-Geburten für eine besondere Beziehung zu den Pferden, die Andrea Luthe im Laufe der vergangenen Jahrzehnte groß gezogen und ausgebildet hat, sorgen. Allerdings sei das nicht wie zu Kindern, sagt die dreifache Mutter. „Es ist eher eine Beziehung wie zu einem guten Kumpel“, sagt sie. Und diese Kumpel haben ihr und vielen Reitschülern viel Freude bereitet. Überdies genießen es die auf dem Hof geborenen Pferde, dass sie ihren Lebensabend auch dort verbringen.

„Pollux“ erstes Ausbildungspferd

Eines davon ist „Pollux“, der seit 27 Jahren zum Hof gehört und quasi als lebendes Inventar bezeichnet werden kann. Etliche Generationen von Schülerinnen und Schülern haben auf dem geduldigem Pferd das Reiten gelernt. „Western Reiten“ ist das Metier, das Andrea Luthe liebt und beherrscht. Und so hat sie auch ihre Pferde wie „Pollux“ angelernt. Insgesamt waren es etwa 30 Pferde. „Das birgt allerdings auch Vorurteile“, weiß Luthe zu berichten. So hatte sie an einem Longierkurs teilgenommen. Sie war die einzige Western-Reiterin. Das restliche Seminarfeld beziehungsweise der Seminarleiter kamen aus dem klassischen Reitsport – wie Dressur oder Springen. Mit Beharrlichkeit und dem Können ihrer Pferde konnte Andrea Luthe den Rest überzeugen, dass mit den sogenannten „Quarter Horses“ auch gut zu arbeiten ist.

Umgang mit dem Pferd

Als Andrea Luthe – sie hat den Übungsleiterschein C, dazu einen Longier-Lehrgang absolviert – noch Reiterinnen und Reiter im Unterricht hatte, gehörte eine komplexe „Ausbildung“ zu ihrem Angebot. Das Reiten – ganz klar, das stand im Mittelpunkt. Aber auch der Umgang mit dem Pferd an sich, dem Putzen, dem Füttern, aber auch wie der Stall mit der Box für das Tier auszusehen hat, gehört zu den theoretischen und praktischen Inhalten. Wie gehe ich mit der Bürste um? Welche Gefahren kann das Putzen der Hufe mit sich bringen? Überdies gab sie Erste-Hilfe-Kurse für Pferd und Reiter – zusammen mit dem hiesigen Deutschen Roten Kreuz, DRK. Die ersten Schritte auf dem Pferd werden auf dem Platz gemacht -- ähnlich wie bei der Dressur. Schritt, Trab und Galopp zählen genauso zu den Elementen wie das Rückwärts-Gehen mit dem Pferde oder den Drehungen. Je nach Ausbildungsstand geht es irgendwann ins freie Feld beziehungsweise in den Wald in und um Königsfeld.

Interesse wird weniger

Dabei gibt es spezielle Prüfungen, bei denen Reiter und Pferde gefordert werden. Es ist eine Art Schnitzeljagd, die der Orientierung helfen. Übungen gibt es dazu, die als Gehorsamkeits-Prüfungen angesehen werden. „Es ist schon vielfältig, was wir gemacht haben“, sagt Andrea Luthe. Insbesondere das Zusammenspiel von Mensch und Tier lag und liegt ihr am Herzen. „Das Video Stimmen der Pferde zeigt dies eindrucksvoll“, so Andrea Luthe. „Jeder Reiter sollte sich den Film zu Gemüte führen.“

Sie hat mit der Ausbildung aufgehört, weil das Interesse weniger wurde. Mit der Ganztagsschule und dem Abitur nach acht Jahren hatten die Kinder und Jugendlichen weniger Zeit. Da der Hof Luthe keine Halle hat, kam im Herbst und Winter der Reit-Unterricht völlig zum Erliegen. Immer weniger Schülerinnen und Schüler, weniger Reitbeteiligungen, finanziell war der Unterricht nicht mehr tragbar. Nach knapp 20 Jahren war’s das.

Finanzielles nicht im Vordergrund

Das Finanzielle stand ohnehin nicht im Vordergrund. Sicher, Andrea Luthe hat schon darauf geachtet, dass die Pferdehaltung und der Unterricht kein Minusgeschäft wird. Leben konnte sie davon nicht – geschweige denn fürs Alter vorsorgen. Dazu musste die gelernte Krankenschwester nebenbei arbeiten. Der anfänglich angenehme Stress wurde schließlich zu viel, so dass es sich unterm Strich nicht mehr lohnte, den Unterricht in Königsfeld anzubieten.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben