Agility

Die Fehler machen immer die Menschen

Lina Reißig lässt ihren Border Collie Tala über ein Hindernis springen.

Lina Reißig lässt ihren Border Collie Tala über ein Hindernis springen.

Foto: Kim Göbelsmann

Gevelsberg.  Den etwas anderen Sport bietet der PHV Gevelsberg – und das sogar sehr erfolgreich. Drei Aktive fahren nun zur Europameisterschaft in die Schweiz

„Sitz Donna“ hallt es über den Platz. Lange lässt sich Donna nicht bitten, ein zweiten Befehl gibt es von Lea Scheithauer nicht. Sie hat die Mischlingshündin im Griff, die Befehle sitzen. Und das müssen sie auch, schließlich ist das die Grundlage für eine gute Kooperation zwischen Tier und Mensch – denn Lea Scheithauer ist beim Polizeihundeverein (PHV) Gevelsberg als Trainerin und Aktive im Bereich Agility aktiv. Gemeinsam mit Lina Reißig und Finja Göbelsmann geht es am Wochenende zu den European Open, den inoffiziellen Europameisterschaften in ihrer Sportart, nach Kreuzlingen in die Schweiz.

Ein außergewöhnlicher Sport ist der Wettkampf mit den schnellen Hunden allemal. Da braucht es Geduld, Spaß mit den Tieren zu arbeiten und auch selbst muss der Trainer fix auf den Beinen sein. „Die Zusammenarbeit mit dem Hund macht besonders viel Spaß“, sagt Lina Reißig.

Sie ist beim PHV die verrückteste was die Arbeit und die Wettkämpfe mit den Hunden angeht, immer wieder probiert sie neue Techniken aus – und probiert diese dann auch in den Turnieren. An 45 Wochenenden des Jahres nimmt sie an Wettkämpfen in ganz Deutschland teil, je eins pro Tag. 90 Mal lässt sie ihren Border Collie Tala über Hindernisse springen. „Es gibt interessierte und es gibt Lina“, sagt Manfred Heppner, der Vorsitzende des Vereins.

Die Körpersprache ist wichtig

Doch damit in den Wettkämpfen nichts schief läuft, gilt es eine Menge zu trainieren. Drei bis vier Mal in der Woche für jeweils zwei Stunden stehen Lina, Finja und Lea auf dem Übungsplatz an der Westfelder Straße in Gevelsberg. Dort, mitten im Wald, stört sie niemand und sie stören niemanden. Ungestört läuft das Training in der Regal ab, was angesichts der Konzentration, die Tiere und Trainer an den Tag legen müssen, auch wichtig ist.

Am wichtigsten ist dabei die Körpersprache, denn die versteht der Hund direkt. „Wir sind uns der Bedeutung unserer Körpersprache nicht so bewusst, die Hunde nehmen diese aber ganz genau wahr“, weiß Heppner zu berichten. Und diese gilt es zu trainieren, denn über den Ausdruck des Körpers und Befehle werden die Impulse an den Hund weitergegeben, die dafür sorgen dass das Tier den Parcours so schnell wie es eben geht durchquert. Drei bis vier Einheiten pro Woche für gerade einmal zwei Minuten im Wettkampf – denn da muss alles sitzen.

Wie gut das manchmal gelingt, ist auch immer ein wenig von äußeren Faktoren abhängig – wie beim Menschen eben auch. Der Hundehalter muss sich bewusst sein, was welche Bewegung von ihm beim Hund auslöst – und das geht schon bei der richtigen Fußhaltung los. „Zeigt der Fuß in die falsche Richtung, kann das schon eine Menge ausmachen“, sagt Finja Göbelsmann.

465 Teilnehmer aus 25 Ländern

„Wenn was schief läuft, ist der Hund nie schuld, der Fehler liegt immer beim Trainer“, sagt Finjas große Schwester Kim. Sie ist die Jugendwartin im Verein. Gemeinsam mit ihrem Freund, den drei Mädchen und natürlich auch den Hunden fährt sie am Wochenende in die Schweiz, dann messen sich die Gevelsbergerinnen mit Aktiven aus allen Ecken Europas. 465 Teilnehmer sind es insgesamt aus 25 Ländern, in diesem Jahr sind sogar Starter aus den USA und Japan mit dabei.

Lea, Lina und Finja reisen mit verschiedenen Ambitionen an. „Ich hoffe, dass mein Hund freudig mitläuft und wir viel Spaß haben“, sagt Finja Göbelsmann. Bei der „Verrückten“ Lina Reißig sind die Ziele etwas höher gesteckt. „Im Einzel würde ich schon ganz gerne unter die besten 25“, sagt die 17-Jährige.

Auch Rollstuhlfahrer nehmen teil

Alle drei laufen den Parcours mit ihren Hunden ab – was nicht selbstverständlich ist, schließlich gibt es auch Trainer die „schicken“, also am Rand des Hindernisparcours stehen und ihren Hunden zutrauen, nur durch verbale Befehle schnell und fehlerfrei über und durch die verschiedenen Hindernisse kommen. „Es gibt auch Rollstuhlfahrer, die den Sport betreiben“, sagt Manfred Heppner.

Die besondere Freude, die alle an dem Sport mit den Tieren haben ist ihnen in jeder Situation anzumerken. Den Aufwand den sie dafür betreiben müssen, ist den drei jungen Mädchen egal. Die Ausbildung der Tiere, das gemeinsame Training und die vielen spannenden Wettkämpfe sorgen für eine ganz besondere Bindung zwischen Tier und Mensch.

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