Handball

Domagoj Golec: Sein Bett kostet so viel wie ein Kleinwagen

Beim Besuch in der Redaktion muss Domagoj Golec sich bücken – aber das kennt er von den meisten Türen, durch die er geht.

Beim Besuch in der Redaktion muss Domagoj Golec sich bücken – aber das kennt er von den meisten Türen, durch die er geht.

Foto: Tim Müller

Gevelsberg.  Der Handballer der HSG Gevelsberg-Silschede ist 2,10 Meter groß. Er erzählt von den Tücken eines Lebens in Übergröße.

Es ist bereits ein Reflex geworden, Domagoj Golec muss nicht mehr darüber nachdenken. Bevor er unsere Redaktionsräume betritt, duckt er sich, um unter dem Türrahmen hindurch zu passen. Der Handballspieler der HSG Gevelsberg-Silschede ist 2,10 Meter groß. Das ist für den Sport sehr praktisch, aber im Alltag kann es auch lästig sein, berichtet er im Gespräch.

Größer zu sein als alle um ihn herum, das ist Golec gewohnt. „Ich war schon immer einen Kopf größer als andere Kinder in meiner Generation“, erzählt der 23-Jährige. Aufgewachsen ist er in Kroatien, mit 17 kam er dann des Handballs wegen nach Deutschland und lebte in der Jugendakademie des TBV Lemgo. Damals hatte er lediglich rudimentäre Kenntnisse der deutschen Sprache. „Ich konnte fragen ‘Wie geht’s?’ und bis zehn zählen“, sagt er lachend. Die Zeit in einer Wohngemeinschaft mit anderen Jugendspielern hat ihm dabei geholfen, sich schnell einzufinden. Sechs Jahre später spricht Golec fließend deutsch.

Das Bücken hat er im Blut

Und so fällt es ihm leicht, von all den Problemen zu berichten, die ein Mann von 2,10 Metern Körpergröße im Alltag hat. An fast jeder Tür muss er aufpassen, sich nicht den Kopf zu stoßen. „Das Bücken habe ich schon im Blut“, sagt Golec. Er gehe zwar sehr gerne ins Kino, doch einfach habe er es in den meisten Sälen nicht. „Die Sitze sind fast überall sehr unbequem für mich“, erzählt er. Zudem kommt für ihn nur die letzte Reihe in Frage, sonst nimmt er Leuten hinter ihm die Sicht.

Auf Urlaubsreisen mit dem Flugzeug wählt Golec stets einen Platz am Gang, wo er seine Beine ausstrecken kann. Und um vernünftig schlafen zu können, benötigt er ein Bett mit Überlänge. Sein Schlafplatz ist genauso groß wie er, 2,10 Meter. „So ein Bett ist ganz schön teuer, dafür hätte man einen Kleinwagen kaufen können.“ Apropos Wagen: Golec fährt einen Fiat Punto, die Sitze muss er ganz nach hinten stellen. Da schaut er beim Schulterblick schon mal durch das hintere Fenster.

An all diese Dinge, die seinen Alltag beeinträchtigen, hat sich Golec aber inzwischen gewöhnt. Er verrät, wann er von einem großen zu einem außergewöhnlich großen Mann geworden ist: „Mit 14 hatte ich einen Wachstumsschub. Ich bin in den nächsten Jahren von 1,90 auf 2,10 Meter gewachsen. Anfangs hatte ich ganz schöne Probleme mit der Koordination“, erklärt er und muss beim Gedanken daran grinsen.

Durch diesen Wachstumsschub hat er übrigens auch seine Brüder überholt, die auch nicht gerade kleine Menschen sind und ist nun der größte in der Familie: „Ich habe zwei ältere Brüder, anfangs war ich kleiner als sie, aber das hat sich geändert. Einer ist 2,02 Meter groß und der andere genau zwei Meter.“

Die Körpergröße, die Golec manches Mal im Alltag beeinträchtigt, wird aber zu einem Vorteil für ihn, sobald er auf dem Handballfeld steht. So blockt er in der Verteidigung Würfe mit Leichtigkeit ab und ist im Angriff ein gefährlicher Shooter, auch aus größerer Distanz. „Ich brauche dafür aber natürlich auch die Hilfe meiner Mitspieler“, sagt der 23-Jährige.

Bescheidenheit zeichnet ihn ebenso aus wie seine Fähigkeiten auf dem Feld. HSG-Manager Christof Stippel ist voll des Lobes für den Sommer-Zugang von Unitas Haan: „Wir wollten Domagoj schon letzte Saison haben, aber da hat er uns mitgeteilt, dass er in Haan im Wort steht. Ich fand es cool, dass er sich daran gehalten hat, aber das macht ihn auch aus“, so Stippel. „Domagoj ist nicht nur ein super Handballer, sondern auch menschlich toll. Es wird unserem Team sehr gut tun. Er passt super rein und ist auf halblinks eine echte Waffe.“

Das Leben ist stressfreier geworden

Golec war sich nach eigenem Bekunden schon vor einem Jahr sicher, dass seine Zeit in Haan nur von kurzer Dauer sein würde. Denn mit dem Wechsel zur HSG Gevelsberg-Silschede ist sein Leben ein ganzes Stück stressfreier geworden. Er ist gelernter Bürokaufmann und arbeitet in Hagen. Sein Leben spielt sich aber im Südkreis ab. Gemeinsam mit seiner Freundin Julia Frielingsdorf, die bei RE Schwelm Volleyball spielt, lebt Golec in Schwelm. In Haan Handball zu spielen, hat ihm wenig Zeit für Freizeit gelassen. „Ich habe die Strecke unterschätzt und hatte einfach keine Zeit. Etwas musste sich ändern.“ Und etwas hat sich geändert, denn nun spart sich Golec durch den Wechsel von Haan nach Gevelsberg jede Woche viel Fahrtzeit. „Ich würde sagen, zur HSG zu wechseln, war meine beste Entscheidung der letzten Jahre. Gevelsberg ist für mich ein ‘All-in-Paket’. Da passt alles“, betont Golec.

Golec will gerne aufsteigen

Beim Verbandsligisten soll er nun ein zentraler Spieler werden, wenn er seinen Bänderriss im Sprunggelenk auskuriert hat. „Wir freuen uns alle auf den Saisonstart und wir hoffen, dass wir sie zu Ende spielen können“, sagt Golec. Er hat für die kommende Spielzeit Ziele, die ebenso groß sind wie er selbst: „Ich persönlich würde gerne aufsteigen. Und ich glaube auch, dass das unser Ziel sein muss.“

Klare Ansage vom 2,10-Meter-Mann. Dann verabschiedet sich Golec und verlässt die Redaktion. Natürlich gebückt, durch die zwei Meter hohe Tür.

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