Leichathletik

Ennepetal: Merve Petruck kommt ihrem Traum ein Stück näher

Merve Petruck ist Paraleichtathletin und trainiert u.a. beim TSV Bayer Leverkusen, der einmal im Jahr den größten Wettkampftag für Parasportler in Deutschland austrägt.

Merve Petruck ist Paraleichtathletin und trainiert u.a. beim TSV Bayer Leverkusen, der einmal im Jahr den größten Wettkampftag für Parasportler in Deutschland austrägt.

Foto: Mika Volkmann/Henri Beichler / TSV Bayer Leverkusen

Ennepetal.  Merve Petruck wurde in den nationalen Nachwuchskader der Paraleichtathletik aufgenommen. Jetzt hofft sie auf die Teilnahme an den Paralympics.

Sie ist ambitioniert, hat riesiges Potenzial und ein klares Ziel. Das junge Leichtathletiktalent Merve Petruck möchte in vier Jahren gegen die internationale Konkurrenz bei den Paralympics in Paris antreten. Nun kommt sie ihrem Traum immer näher.

Im August stellte Petruck trotz eingerosteter Wettkampfpraxis eine neue persönliche Bestzeit auf der 100-Meter-Strecke auf und rutschte in den nationalen Paraleichtathletik-Nachwuchskader. Um sich ihren Weg in Richtung Paralympics zu ebnen, entschied sie sich, den DJK Grün-Weiss Ennepetal, wo sie sportlich aufgewachsen ist, zu verlassen und zum TuS Breckerfeld zu wechseln. Eine wichtige Entscheidung, denn in Breckerfeld erwartete sie ein intensiveres und leistungsorientiertes Training.

Petruck, deren rechter Arm teilweise gelähmt ist (ein Symptom der Plexusparese), weist enormes Potenzial auf, was auch ihrem Trainer in Breckerfeld, Dr. Florian Hanakam, nicht entgangen ist. Hanakam, der an der Fakultät für Sportwissenschaften der Ruhr-Universität in Bochum lehrt und sich als erfolgreicher Triathlet und Trainer einen Namen gemacht hat, widmet sich nun Merve und ihrem schlummernden Potential. Mit der Samstagseinheit in ihrem zweiten Verein, dem TSV Bayer Leverkusen, der eng mit dem TuS zusammenarbeitet, erwartet sie somit an vier Tagen pro Woche ein umfassendes Trainingsprogramm.

In Breckerfeld schnell eingefunden

Nun strebt die 14-Jährige dem Ausbau ihrer guten Leistungen zielstrebig entgegen. „Das Training ist sehr effektiv, ich muss jetzt auch mal meine eigene Technik entwickeln“, so Petruck. In Breckerfeld sei sie bisher sehr zufrieden und habe sich schnell eingefunden. Mit der großen Gruppe ihrer Teamkolleginnen besteht unterdessen auch die Möglichkeit sich als Staffel auf Wettkämpfen zu behaupten.

Was die Wettkämpfe anbelangt, hat Petruck eine wahre Durststrecke erleben müssen. Von sonst rund 15 Wettkampftagen konnte sie lediglich an vier Tagen ihr Können unter Beweis stellen. Dabei trat sie in den Disziplinen Kurz- und Mittelstrecke sowie Weitsprung an. Ein Highlight war das Trainingslager in der Schweiz in der letzten Woche der Sommerferien. Dort verbrachten sie und drei ihrer Teamkolleginnen gemeinsam mit der Trainerin des TSV eine anspruchsvolle Zeit. „Meine Beine waren schon sehr schwer und ich war echt kaputt“, so die 14-Jährige, die starke Belastungen während einer Saison ohne Corona eigentlich gewöhnt ist.

Zwei Wochen später folge der alljährig vom TSV Bayer Leverkusen ausgetragene Wettkampftag, der in diesem Jahr unter dem Namen „Heimspiel“ unter Hygiene-Auflagen von den Organisatoren umgesetzt werden durfte. Das „Heimspiel“, sonst unter dem Namen „Integratives Sportfest“ bekannt, ist einer der größten Wettkämpfe für Parasportler in ganz Deutschland. Hier gelang Petruck ein Coup, denn mit einer Zeit von 14,37 Sekunden markierte sie ihre persönliche Bestleistung im 100-Meter-Lauf. Gleichzeitig erfüllte sie die Norm des nationalen Nachwuchskaders des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS). „Das war echt schön, weil ich wusste, dass ich dann im Nachwuchskader bin. Ich habe erreicht, was ich in dem Jahr erreichen wollte“, resümiert die Athletin zufrieden.

Fokus auf die Wettkämpfe 2021

Zwei Tage nach diesem glücklichen Erlebnis stand sie im Rahmen des nächsten Wettkampfes auf der Bahn. Dort haben sie und ihre Trainerin jedoch beschlossen, dass es ihr letzter Wettkampf für die Saison sein sollte. In Anbetracht ihres umgesetzten Ziels, in den Nachwuchskader aufgenommen zu werden, wolle sie sich nun auf die Wettkämpfe in 2021 fokussieren. Für die Aufnahme in den Nachwuchskader hat sie bereits eine Einladung der Bundestrainerin Helena Pietsch erhalten. Im November wird sie dann erstmals mit den anderen Nachwuchsathletinnen und -Athleten im Olympischen und Paralympischen Trainingszentrum für Deutschland in Kienbaum, östlich von Berlin, für einen Lehrgang auflaufen.

Was ihr Training in Breckerfeld und Leverkusen betrifft, will sich Petruck nun im Herbst intensiver mit den 100-Meter-Distanzen auseinandersetzen. Ihre Trainingseinheiten werden daher mit dem Schwerpunkt auf Technik und Geschwindigkeit ausgelegt. Auf der Kurzstrecke soll ihre Geschwindigkeit hochgeschraubt werden, um das Tempo auf die längeren Strecken mitzunehmen. „Ich weiß, dass ich mit dem jetzigen Training weitere Bestzeiten laufen kann, wenn ich mich weiterhin so anstrenge“, sagt die junge Ennepetalerin. „Ich freue mich auf die nächste Saison, aber ich hoffe, dass sie etwas normaler wird und wieder mehr Wettkämpfe stattfinden.“

Im nächsten Jahr soll sie auch international klassifiziert werden, was bedeutet, dass der Grad ihrer körperlichen Einschränkung anhand einer internationalen Skala eingeordnet wird und sie daraufhin auch auf der Weltrangliste aufgeführt werden darf. Mit diesem Schritt in Verbindung mit ihrem Ansporn steht Petrucks internationalen Erfolgen nichts mehr im Weg.

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