Handball-Verbandsliga

„Haben zu selten wirklich gut gespielt“

Seit dem Sommer 2018 eine fest Größe, ein wichtiger Leistungsträger bei RE Schwelm: Tobias Fleischhauer.

Seit dem Sommer 2018 eine fest Größe, ein wichtiger Leistungsträger bei RE Schwelm: Tobias Fleischhauer.

Foto: Jens Pommerenke / AirPictures.de

Schwelm.  Nach der Trennung von RE Schwelm und Meistertrainer Jörg Rode äußert sich Tobias Fleischhauer, Spieler des Verbandsligisten.

Die Nachricht von der Trennung von Handball-Verbandsligist RE Schwelm und Meister-Trainer Jörg Rode hat hohe Wellen geschlagen. Tobias Fleischhauer, er ist einer der routinierten Spieler im Kader der Kreisstädter, legt dabei besonderen Wert auf die Feststellung, dass die Entscheidung aus der gesamten Mannschaft heraus gekommen ist. Damit tritt er dem Eindruck entgegen, dass nur wenige Akteure diese Trennung betrieben haben.

Vier Wochen vor dem Start in die neue Saison sich vom Trainer zu trennen ist ein ungünstiger Zeitpunkt. Wie kam es dazu?

Tobias Fleischhauer: Klar, ist das ein ungünstiger Zeitpunkt. Aber ich muss grundsätzlich sagen, dass es keinen günstigen Zeitpunkt für eine Trennung gibt. Das wäre gegen Ende der vergangenen, erfolgreichen Saison so gewesen. Das wäre aber auch nach einigen Spieltagen in der neuen Saison so gewesen. Es war ein Konflikt zwischen dem Trainer und der Mannschaft, der sich bereits im Laufe der vergangenen Saison aufgebaut und sich in der Vorbereitung fortgesetzt hat. Schließlich musste es zu dieser Entscheidung der Mannschaft in Absprache mit dem Vorstand kommen.

Von welchem Konflikt reden Sie?

Auch wenn wir unbesiegt bei nur zwei Unentschieden in der Landesliga souverän Meister geworden sind, aber taktisch haben wir zu selten wirklich gut gespielt. Bis auf eine Ausnahme. Es gab kaum eine Ansprache des Trainers, der hat uns selten zur Seite oder zur Brust genommen und uns dann nicht wieder in die richtige Spur geführt.

Musste das der Trainer Jörg Rode denn überhaupt machen? Immerhin standen nach der Saison 24 Siege und zwei Remis zu Buche. Spricht das nicht für sich selbst?

Das hat für die Landesliga gereicht. Natürlich. Dabei war unser großer Vorteil, dass wir als Mannschaft prima funktioniert haben. Beispielsweise haben wir im Laufe der Spiele gegen Voerde und gegen Villigst-Ergste zurück gelegen. Wir Spieler als Mannschaft haben uns wieder hoch gezogen, von der Bank kam nichts, so dass es in diesen beiden Begegnungen wenigstens noch zur Punkteteilung gekommen ist.

Das heißt also, dass die Mannschaft taktisch nicht besonders gut auf- und eingestellt war?

Hier haben die Spieler in Absprache mit dem Vorstand jedenfalls ein Manko gesehen. Das wollten wir mit der Vorbereitung für die Verbandsliga korrigieren. Denn eines war uns klar, dass wir mit dieser Leistung aus der Landesliga in der Verbandsliga nicht bestehen können.

Es war die Rede von einer Unterforderung. War das Training in der Vorbereitung nicht hart genug?

Für die Kondition haben wir genug getan. Da stimmte die Arbeit von Jörg Rode ganz bestimmt. Wir sind genügend gelaufen und haben auch genügend Krafttraining gemacht.

Bezieht sich die Unterforderung also rein auf den taktischen und technischen Bereich?

Ja, das kann man so sagen. Jörg Rode und einige Mannschaftsteile hatten sich nach der Saison zusammen gesetzt. Die Problematik der abgelaufenen Saison haben wir dabei genauso besprochen wie die neue Saison samt der Vorbereitung. Vor allem, dass wir taktisch mehr gefordert werden müssen. Auch, dass der Trainer die Spieler während der Begegnungen mal zur Seite nehmen muss und sich die Spieler zur Brust nimmt. Da gab es gute Gespräche. Nur haben wir in der Vorbereitung davon nichts umgesetzt.

Also die Unterforderung, wie man sie landläufig interpretiert, ist so nicht richtig?

Für mich persönlich ist auch die Darstellung, dass wir unterfordert sind, nicht richtig. Sondern eher, dass wir Sachen, die wir als Mannschaft in verschiedenen Gesprächen, meist Einzelgesprächen, gefordert haben, nicht umgesetzt sehen. Und daher den Schritt gehen wollten, uns erst einmal selbst zu trainieren.

Wie ist es zu dem Entscheidungsprozess gekommen?

Wie gesagt hat sich schon etwas in der vergangenen Saison zusammen gebraut. Das hat sich in der Vorbereitung fortgesetzt. Das war allerdings zunächst nicht wirklich greifbar, so dass es halt bis zur vergangenen Wochen gedauert hat, ehe die endgültige Entscheidung gefällt werden konnte. Wir haben uns als Mannschaft zusammen gesetzt und und schließlich als solche auch für diese Trennung ausgesprochen.

Das hört sich ganz schon hart an?

Menschlich tut mir das ausgesprochen leid, denn Jörg Rode ist ein feiner Kerl, ein toller Mensch. Aber in jüngster Zeit hat es auf dem Feld nicht so gut geklappt. Und das war schließlich entscheidend.

Und tatsächlich haben alle Spieler mitgezogen, waren an der Entscheidung beteiligt?

Noch einmal: Ich möchte ganz klar sagen, dass man das nicht an einzelnen Spielern festmachen kann, sondern es ein Wunsch der ganzen Mannschaft war. Natürlich gibt es innerhalb der Mannschaft auch Stimmen die sagen, dass es ihnen egal sei. Allerdings haben wir uns im Endeffekt als komplette Mannschaft für dieses Schritt entschieden haben.

Gibt es einen neuen Trainer?

Nein, wir werden uns selbst trainieren. Dazu haben wir genügend Spieler mit der nötigen Erfahrung. Das war teilweise in der Vergangenheit auch schon so.

Und wie sieht es mit dem ersten Spiel aus, wenn am 15. September, einem Sonntagabend, der PSV Recklinghausen in die Dreifachhalle kommt? Wer hat dann das Sagen auf der Bank?

Das kann ich zu diesem Zeitpunkt nicht sagen. Aber wir werden bis dahin eine Lösung haben, wer auf der Bank das Sagen haben wird. Wir hoffen und gehen davon aus, dass der Vorstand bis dahin auch einen neuen Trainer gefunden hat.

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