Handball

In Voerde lernt Hellwig für die Zukunft

Stephan Hellwig (Mitte) sorgt in seiner dritten Saison als Trainer der HSG Herdecke-Ende in der Landesliga für Furore.

Stephan Hellwig (Mitte) sorgt in seiner dritten Saison als Trainer der HSG Herdecke-Ende in der Landesliga für Furore.

Foto: Jens Pommerenke / AirPictures.de

Ennepetal.  Stephan Hellwig war Abteilungsleiter der TG Voerde. Was er aus seiner Zeit bei der TG mitgenommen hat, erzählt der Handballcoach im Interview:

Stephan Hellwig gehört in der hiesigen Handballszene zu den bekannteren Namen. der Trainer der HSG Herdecke-Ende hat schon zahlreiche Stationen als Übungsleiter hinter sich gebracht. Angefangen hat alles bei seinem Heimatverein, der TG Voerde. Im Interview erzählt Hellwig, wie er auf die Zeit in Ennepetal zurückblickt:


Herr Hellwig, bei der TG Voerde waren Sie nicht nur Spieler und Trainer, sondern auch über einige Jahre Abteilungsleiter der Handballabteilung. Wie kam Ihr Engagement zustande?
Stephan Hellwig: Ich komme aus Ennpeteal und wohne dort immer noch. Ich kann also sagen, dass die TG Voerde mein Heimatverein ist. Irgendwann habe ich in meiner Jugend durch Freunde Kontakt zum Handballsport bekommen. Mir hat Handball sofort extrem viel Spaß gemacht. Bei der TG Habe ich dann alle Jugendabteilungen durchlaufen und später auch selbst in der Herrenmannschaft gespielt.


Sie waren jedoch nicht nur Spieler der Voerder Seniorenmannschaft. Mit Anfang zwanzig haben Sie schon die Abteilungsleitung übernommen und die Damenmannschaft trainiert.
Das stimmt, der damalige Abteilungsleiter Manfred Henning ist damals auf mich zugekommen und hat mich gefragt, ob ich die Abteilungsleitung übernehmen will. Ich war natürlich auch etwas stolz darauf, dass ich für diese Position überhaupt in Betracht gezogen wurde. Und das in dem Alter. Ich habe dann früh die Verantwortung übernommen und war sehr ambitioniert, die Abteilung umzustrukturieren und weiter nach vorne zu bringen.


Sie haben aber nicht nur Verantwortung in Offizieller Position übernommen.
Das stimmt, fast parallel zu meiner Wahl zum Abteilungsleiter hatte die erste Damenmannschaft große Probleme, einen neuen Trainer zu finden. Der damalige Trainer hatte überraschend aufgehört und es stand die Frage im Raum, wer die Nachfolge antreten könnte. Die Trainersuche gestaltete sich aber sehr schwierig, so dass die Spielerinnen schon darüber nachdachten, entweder den Verein zu verlassen oder ganz mit dem Handball aufzuhören. In meiner Funktion als Abteilungsleiter habe ich mich dann auch etwas in der Pflicht gefühlt und habe die Damenmannschaft selbst übernommen.


Wie ging es dann weiter?
Das erste Jahr war sehr erfolgreich. Wir haben direkt den Aufstieg von der Kreisliga auf Bezirksebene geschafft. Nach meinem ersten Jahr hatten wir dann sogar viel zu viele Spielerinnen für eine Mannschaft. Wir haben dann eine zweite Damenmannschaft angemeldet. Dazu konnten wir im zweiten Jahr den Klassenerhalt in der Bezirksliga realisieren. Das war damals ein toller Erfolg, weil wir viel für den Klassenerhalt gearbeitet haben und als Underdog in die Spielzeit gegangen sind.


Im Anschluss sind Sie zur Damenmannschaft des TV Wanne in die Landesliga gewechselt. Was hat das für Ihre offizielle Funktion bei der TG bedeutet?
Das konnte ich dann natürlich aus zeitlichen Gründen nicht mehr machen. Ich habe mich damals aber frühzeitig um eine Nachfolge auf der Position des Abteilungsleiters gekümmert.


Mit welchen Gefühlen blicken Sie auf Ihre Zeit in Voerde zurück?
Das war schon eine extrem intensive Zeit. In der Zeit, in der ich Vorsitzender der Handballabteilung war, haben wir aus anfangs fünf Jugendmannschaften zum Ende 18 gemacht. Dazu war ich dann ja noch als Spieler in der Herrenmannschaft und als Trainer der Damenmannschaft aktiv. Das war schon ein Full-Time-Job. 40 Stunden in der Woche habe ich auf jeden Fall mit Handball verbracht. Trotzdem war es eine sehr schöne und lehrreiche Zeit.


Was würden Sie sagen, war Ihr größter Erfolg in der Zeit als Verantwortlicher der TG?
Da kann ich einen speziellen Erfolg gar nicht nennen. Die größte Leistung unseres damaligen Vorstandsteams war aber mich Sicherheit die Ausweitung und Vergrößerung der Jugendabteilung. Da haben wir alle toll zusammengearbeitet und waren mit viel Herzblut bei der Sache. Klar hat uns damals auch der Erfolg der deutschen Handball-Nationalmannschaft bei der Heim-WM 2007 in die Karten gespielt. Durch das mediale Aufsehen und den Rummel um den Handballsport haben viele Kinder den Weg zum Handball gefunden. Wir haben diesen Hype aber auch ideal für uns genutzt und die Stimmung richtig gut aufgegriffen. Das musste man dann dann auch erst mal so hinbekommen, wie wir es gemacht haben. Ich erinnere mich gerne an diese Zeit zurück. Selbst ein Fernsehteam des WDR war damals in unserer Halle, um eine Reportage über den großen Zulauf an Kindern und Jugendlichen zu drehen. Das war schon ein toller Erfolg und ein schönes Erlebnis.


Pflegen Sie heute noch Kontakt zu ehemaligen Weggefährten bei der TG Voerde?
Ich muss ehrlich sagen, dass durch meine aktuelle Arbeit in Herdecke der private Kontakt etwas eingeschlafen ist. Zu Kalla Paukstadt, Kai Henning oder Fabian Riebeling habe ich aber immer noch guten Kontakt. Wenn man sich in der Halle sieht, freut man sich immer, sich zu sehen. Fabian war zum Beispiel auch bei unserem Aufstiegsspiel zur Landesliga im vergangenen Juni und hat mir persönlich gratuliert. Das hat mich sehr gefreut.


Verfolgen Sie das aktuelle Geschehen bei der TG Voerde heute noch?
Klar, ich informiere mich im Internet oder in Zeitungsberichten immer noch über das aktuelle sportliche Geschehen bei der TG. Vor allem der vierte Platz der Herrenmannschaft im vergangenen Jahr als Aufsteiger in die Landesliga war sehr beeindruckend. Ich muss aber ehrlich sagen, dass man mich nicht mehr in der Voerder Halle trifft, dafür habe ich durch meinen Trainerjob in Herdecke schlichtweg nicht mehr die Zeit. In Herdecke habe ich an den Wochenenden auch teilweise mit Gegneranalyse zu tun oder schaue mit Spiele des kommenden Gegners an. Darauf liegt aktuell mein Fokus, deshalb ist es schwer, mal ein Spiel der TG zu sehen.


Was haben Sie aus Ihrer Zeit in Voerde für sich persönlich mitgenommen?
Vor allem, sich auf eine Sache und eine Funktion ganz speziell zu fokussieren. In Voerde habe ich damals neben meiner Trainertätigkeit als Abteilungsleiter viel organisieren müssen. Rückblickend muss ich sagen: Das war teilweise auch zu viel. Auf der anderen Seite habe ich das familiäre Miteinander in Voerde immer sehr zu schätzen gewusst. Das hat mir gefallen und danach habe ich auch in den folgenden Jahren immer meine nächsten Trainerstationen ausgesucht. Die Menschlichkeit und das ehrenamtliche Engagement standen bei der TG immer an erster Stelle, das war für den Gesamterfolg des auch immer wichtig und daraus habe ich eine Menge gelernt.

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