Mädchen-Fußball

Lehrgeld vermindert Spaß nicht

Keziban Bozkurt (Mitte) war mit drei Treffern die beste Torschützin der B-Juniorinnen des FC Silschede in der Westfalenliga.

Keziban Bozkurt (Mitte) war mit drei Treffern die beste Torschützin der B-Juniorinnen des FC Silschede in der Westfalenliga.

Foto: Archiv

Gevelsberg.  Souverän ging es nach oben, abgeschlagen wieder nach unten. Spaß hat es trotzdem gemacht: die B-Juniorinnen des FC Silschede

Aufsteigen in Jugendklassen ist schwer, das ist ein unumstößlicher Fakt. Oft steigt nur eine Mannschaft auf, nur ein Team kann am Saisonende jubeln. Ist der Aufstieg dann unter Dach und Fach, stehen die Planungen für die gestiegenen Herausforderungen an. Dass diese Anforderungen auch schon einmal zu hoch sein können, zeigt das Beispiel der B-Juniorinnen des FC SW Silschede.

Als souveräner Meister der Bezirksliga stiegen sie am Ende der Saison 2016/2017 auf, ein Jahr später erwies sich die Verbandsliga für sie dann als zu hohe Bürde. Doch aus einem Jahr mit vielen Niederlagen können manchmal mindestens genauso wichtige Lerneffekte eintreten, wie aus einer Spielzeit die fast ausschließlich aus Siegen bestand.

Für Iris Kuhnt ist die Situation klar. „Die Westfalenliga war einfach zu viel für die Mädchen”, sagt die damalige Trainerin der zweiten B-Jugend aus Silschede. Diese spielte damals eine Klasse tiefer – in der Bezirksliga. Damals herrscht im Mädchenfußball im Waldstadion reger Betrieb – im Gegensatz zu heute. „Aktuell gibt es keine weibliche Jugendmannschaft mehr in Silschede”, weiß Kuhnt.

Kuhnt wechselte mit den letzten sechs Mädchen, die nach Abwerbungen des SV Hohenlimburg noch beim FCS verblieben waren, zum SV Bommern. Die Mädchen von damals aber sind dem Verein zu großen Teilen treu geblieben, insgesamt zwölf Spielerinnen aus der Saison in der dritthöchsten Jugendspielklasse sind heute noch in der Damenmannschaft der Silschederinnen in der Bezirksliga am Ball.

Eingeschworene Gemeinschaft

„Wir waren damals einfach eine eingeschworene Mannschaft, die durch dick und dünn gegangen ist”, sagt die Trainerin. Nach 16 Siegen aus 18 Spielen steigt der Nachwuchs aus dem Höhendorf am Ende der Saison 2016/2017 in die Westfalenliga auf, der Anfang in der neuen Spielklasse macht dann auch Mut. Am ersten Spieltag gelingt direkt wieder ein Sieg – es sollte der letzte in dieser Spielzeit bleiben.

„Wir kamen damals aus einer Liga, aus der wir total unterfordert waren. Das war dann schlagartig anders”, erinnert sich Augusto Goncalves, der das Team damals betreute. Für ihn war die Situation damals sehr unbefriedigend, denn die Hälfte der Mannschaft, die seinerzeit den Aufstieg in die Westfalenliga souverän erreichte, wechselte in dem darauffolgenden Jahr altersbedingt in die Damen-Abteilung. „Da die andere Hälfte auch mit ihren Freundinnen weiter spielen wollte, musste ich mit einer sehr jungen Mannschaft spielen”, erinnert sich Goncalves.

Spielerinnen, die sich bei ihm für ein Spiel abmeldeten – oder eben nicht – fehlten vormittags bei den Spielen der Juniorinnen. Doch am Nachmittag liefen sie mit den Damen auf. „Da ist auch von Vereinsseite vielleicht einiges schief gelaufen”, erinnert er sich. Großen Ärger empfindet er rückbetrachtend nicht, vor allem auf die Spielerinnen, die die Saison dann durchzogen ist er noch heute stolz. Denn durch eine Saison mit solchen Tiefen zu gehen, ist alles andere als einfach.

Alles schlecht war dabei keineswegs, oft halten die jungen Silschederinnen gegen die deutlich besseren Gegnerinnen lange mit. „Irgendwann so ab der 60. Minute sind wir aber oft eingebrochen und die Ergebnisse wurden deutlich”, schaut Goncalves zurück. So setzt es gegen den FSV Gütersloh II gleich zwei deutliche Pleiten, das direkte Duell mit den Kickerinnen aus Ostwestfalen endete mit 0:24 Toren. Doch hohe Pleiten bleiben die Seltenheit, auch gegen den späteren Meister Arminia Bielefeld schlägt sich der Silscheder Nachwuchs wacker.

Am Ende der Saison steht dennoch die ernüchternde Bilanz von einem Sieg, drei Remis und 14 Niederlagen, das Team steigt am Saisonende mit sechs Punkten und einem Torverhältnis von 12:80 Toren ab.

Was für viele Sportler ein Grund sein kann, den Kopf in den Sand zu stecken, gilt aber nicht für gleich zehn Spielerinnen von damals. Sie sind heute immer noch aktiv und konnten mit den Damen in der abgelaufenen Spielzeit den Klassenerhalt in der Bezirksliga erreichen. „Ich verfolge das immer noch, auch wenn ich leider nicht mehr in Silschede als Trainer bleiben konnte”, sagt Augusto Goncalves. Seine Tochter wechselte nämlich zum VfL Bochum. Er ist nun dort in der Nachwuchsabteilung engagiert. Die vielen Fahrten zu Trainingseinheiten und Spielen machen es dem Übungsleiter heute unmöglich, selbst noch ein Team zu betreuen. „Einige Spielerinnen haben aber auch aufgehört oder den Verein verlassen”, weiß auch Iris Kuhnt.

Vorteil durch Erfahrung

Doch die, die damals die Erfahrung in der Westfalenliga gemacht haben, haben sicherlich einen kleinen Vorteil. „Sie haben diese Saison durchgehalten, das zeugt von einer guten charakterlichen Stärke”, sagt Augusto Goncalves voller Respekt. Sie haben Erfahrungen gemacht wie es ist, sich mit deutlich stärkeren Spielerinnen zu messen, sich gegen teilweise ältere Gegenspielerinnen körperlich zu behaupten. Attribute, die sie mit Blick auf den Fußball im Seniorinnenbereich sicher gut gebrauchen konnten.

Warum die Spielerinnen den Kopf nicht in den Sand steckten und die Saison bis zum Ende durchzogen, weiß ihr damaliger Trainer auch. „Sie hatten einfach Spaß am Fußball – und das ist schließlich das wichtigste”, sagt Augusto Goncalves. Dadurch können Ergebnisse auch schnell in Vergessenheit geraten.

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