DFB-Frauen

Mehr Verantwortung für Oberdorf

Als Defensivspielerin auch im Angriff stark: Lena Oberdorf.

Als Defensivspielerin auch im Angriff stark: Lena Oberdorf.

Foto: Karina Hessland

Gevelsberg/Lwiw/Hamburg.Für die Frauen-Nationalmannschaft war es ein Jahr, das nicht so gut lief. Mit dem Aus im WM-Viertelfinale sind unsere Elite-Fußballerinnen auch das Ticket für die Olympischen Spiele 2020 los geworden. Doch es gibt auch Gewinnerinnen. Eine davon ist Lena Oberdorf aus Gevelsberg. Mit nur 17 Lenzen zählte sie zu den jüngsten Kickerinnen im WM-Kader. Sie hinterließ einen klasse Eindruck, sie wird für die Zukunft im DFB-Dress aufgebaut. Sie soll mehr Verantwortung tragen, soll in der Defensive für mehr Stabilität sorgen.

Diese Pläne ließ der Deutsche Fußballbund vor dem heutigen zweiten Qualifikationsspiel der Mannschaft durchblicken. In der Ukraine werden Oberdorf & Co antreten. Hoffen auf den zweiten Sieg im zweiten Spiel der Runde. Und das ZDF überträgt die Partie live ab 16 Uhr. Dann wird auch Jürgen Homberg versuchen, sich und seine Arbeit so organisiert zu haben, dass er die Partie mit Lena Oberdorf verfolgen kann. Der Jugendleiter der TSG Sprockhövel hat, was wenig wundert, ein besonderes Interesse an dem Werdegang der einstigen Spielerin vom Baumhof.

Im Sommer Wechsel in Bundesliga

Die Gevelsbergerin ist erst im Sommer 2018 von Sprockhövel in die Frauen-Bundesliga gewechselt. Bis dahin spielte sie bei den B-Junioren. „Auch ein Vorteil, dass sie mit den Jungs gespielt hat. Das bringt mehr Robustheit mit sich, was Lena zu ihrem Vorteil auch anwendet“, so Jürgen Homberg. Oberdorf gehört beim SGS Essen mit zu den Leistungsträgerinnen. „Es ist einfach schön zu beobachten, wie sich Lena entwickelt“, so Homberg. So oft es geht, schaut er die Spiele mit ihr. Und wenn es in der Nähe ist, auch direkt im Stadion vor Ort. „Leider klappt das nicht immer so, wie ich mir das wünsche“, sagt Homberg. Dennoch: Aus den Augen hat er Lena Oberdorf das vergangene Jahr nie verloren.

Überdies gibt es die Bestätigung der Ausbildung, wie es der DFB formuliert, durch die TSG Sprockhövel. Die Fritz-Walter-Medaille in Silber bekommt Lena Oberdorf verliehen. Damit verbunden ist auch ein Obolus für die ausbildenden Vereine. Neben der TSG Sprockhövel ist das auch der TuS Ennepetal. Und Vertreter beider Vereine dürfen dabei sein, wenn die Medaille tatsächlich übergeben wird.

Homberg und Teuber zur Elbe

Das geschieht übrigens am kommenden Freitag – bevor die DFB-Herren ihr QM-Qualifikationsspiel gegen die Niederlande spielen. In Hamburg wird Jürgen Homberg dabei sein. Für Ennepetal fährt Andreas Teuber an die Elbe. Dass er einen gewissen Stolz dabei fühlen wird, dürfte keine Frage sein. Wenngleich Jürgen Homberg dies eher nüchtern, zurückhaltend, aber durchaus fröhlich betrachtet. „Stolz kann vor allem Lena sein auf das, was sie bisher erreicht hat“, unterstreicht der Sprockhöveler. Er weiß auch, dass die Ehrung durchaus ohne Lena Oberdorf stattfinden kann. Denn: „Der Sport geht für Lena über alles. Das ist auch der Grund, warum sie bereits so weit ist“, weiß Homberg. Schließlich wäre es nicht ungewöhnlich – und nicht das erste Mal – für die Kickerin aus Gevelsberg, dass ihr eine Trainingseinheit wichtiger ist als eine Ehrungs-Zeremonie.

Ihr ersten defensiven Meriten hat sich Lena Oberdorf im ersten Qualifikationsspiel erworben. Allerdings war sie in der Abwehr beim 10:0 gegen Montenegro kaum bis gar nicht gefordert. Die Gevelsbergerin hatte erstmals diese defensive Position inne. Immerhin sagt Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg: „Wir glauben, dass das eine Zukunftsposition für sie sein kann.“ Neben Sara Doorsoun präsentierte sich die athletische Schülerin wie schon bei ihren vier WM-Einsätzen abgeklärt, zweikampfstark und passsicher. „Die Rolle gefällt mir sehr gut“, sagte die bislang vorwiegend auf der Sechs eingesetzte Oberdorf.

Vorteil Oberdorf. Sie hat Zeit, sich zu entwickeln. Zeit, die ihr auch gegeben wird. Neben den Qualifikationsspielen dauert es schließlich ein Weilchen, bis es für das DFB-Team tatsächlich ernst wird. Die Olympischen Spiele in Tokio 2020 fallen für die Adlerträgerinnen aus. Für die DFB-Auswahl wird es erst bei der EM 2021 in England wieder so richtig ernst. Die neun Gruppensieger sowie die drei besten Zweiten qualifizieren sich direkt für die EM. Mit dem Duell gegen die Ukraine sollen drei weitere Punkte her in Richtung EM 21 – daran lässt die Bundestrainerin keinen Zweifel.

Nächstes steht das Abitur an

Auf deutlich mehr Arbeit wird sich dann auch eine Spielerin im Team einstellen dürfen, die zu den wenigen Gewinnerinnen der verkorksten WM zählte und noch immer zählt. Die 17 Jahre alte Lena Oberdorf von der SGS Essen wurde gegen Montenegro von Voss-Tecklenburg in die Innenverteidigung beordert – und erhielt für ihre unaufgeregte Vorstellung sogar ein Sonderlob.„Sie ist eine absolute Perspektivspielerin und ein Talent, das wir in allen Bereichen unterstützen wollen“, sagte Voss-Tecklenburg über die Gymnasiastin aus Gevelsberg

Ernst wird es für Lena Oberdorf, die im Dezember volljährig wird, noch neben dem Fußballplatz. Denn die Zwölftklässlerin vom Gymnasium Gevelsberg macht nächstes Jahr ihr Abitur. Umso mehr beeindruckt ihre Stabilität. „Sie bringt schon sehr viel mit. Wir werden noch viel Freude an ihr haben. Mit ihrer Art ist sie eine wertvolle Spielerin“, sagte die Bundestrainerin.

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