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Mit Fernschuss beginnt das Wunder

Pfingstturnier 1976, TuS Ennepetal wird Sieger, Kapitän Ulrich Schmidt nimmt den Pokal entgegen.

Pfingstturnier 1976, TuS Ennepetal wird Sieger, Kapitän Ulrich Schmidt nimmt den Pokal entgegen.

Foto: Archiv / Haldenwang

Ennepetal.  ES war der größte Erfolg der Jugendfußballer des Tus Ennepetal: der Sieg zum Pfingstturnier 1976. Einige Akteure spielte bin zur Oberliga.

Gut 43 Jahre ist es her, als es einen der größten Triumphe in der Vereinsgeschichte des TuS Ennepetal gab – zumindest, was den Jugendfußball angeht. Und immer wieder wird dieses historische Ereignis bemüht, wenn es um erfolgreiche Chroniken geht. Wir schreiben das Jahr 1976, als zum ersten und einzigen mal der TuS Ennepetal mit den A-Junioren das eigene und damals schon hochkarätige Pfingstturnier gewann.

„Es entstand eine unglaublich gute Stimmung gepaart mit einer großen Euphorie“, erinnert sich Günter Kierstan, seinerzeit Jugendleiter und Turnierleiter sowie maßgeblicher Initiator des Turniers. Er erinnert sich, als ei es gestern gewesen. Die Tröten, der Jubel – irgendwie klingt es wieder in seinen Ohren, wenn er über diesen Sieg im Finale spricht. Dabei will er diesen Triumph nicht nur auf das Endspiel fokussiert wissen. „Es war bereits das erste Spiel, in dem wir überrascht haben, in dem wir eine eine echte Euphorie im Bremenstadion erzeugt haben“, so Günter Kierstan.

Erste Partie, erste Überraschung

Es war die erste Partie des Turniers, die erste Partie übrigens auf dem gerade neu geschaffenen Rasenplatz des Bremenstadions. Zuvor „durften“ die Ennepetaler und ihre Gäste auf der Asche ihre Fußballspiele austragen. Und der Gruppengegner war direkt eine großem Hausnummer. Vasa Budapest, der Favorit der dritten Turnierauflage. Das erste Turnier hatten die Ungarn gewonnen, beim zweiten wurden sie Dritter, jetzt wollten sie es erneut wissen. Doch ein Fernschuss, ein echter Hammer, sorgten für den Schock bei den Ungarn, sorgte für eine Welle der Euphorie bei den Ennepetalern. Thilo Ostermann hatte sich ein Herz gefasst und aus etwa 20 Metern abgezogen. „Der Schuss war wie eine Rakete. Unhaltbar“, so Günter Kierstan. Das Wunder, das Pfingstwunder nahm nun seinen Lauf. „Die Mannschaft wurde von einer Welle der Begeisterung getragen“, so Kierstan.

Ennepetal setzte sich in der Gruppe auch noch gegen FSV Frankfurt und ASSM Montpellier durch. In der anderen Gruppe hatte am Ende Voest Linz aus Österreich die Nase vorn. AS Paris wurde Gruppenzweiter. Arminia Bielefeld und der Spandauer SV komplettierten das Teilnehmerfeld. Und auch im Finale – damals gab es keine Halbfinalspiele – zeigten die Jungs von Trainer Klaus Schwickardi, dass in ihnen etwas Besonderes steckte. Torwart Richard Muzyka wuchs über sich hinaus, hielt was zu halten war. Erneut Thilo Ostermann dazu Mittelfeldmann Ralf Schulte mit einem abgefälschtem sorgten für die 2:0-Führung. Am Ende sicherten sich die Klutertstädter den Pokal mit dem 2:1-Sieg.

„In der Mannschaft steckte viel Potenzial, bereits in der B-Jugend“, so Günter Kierstan. Als jüngerer Jahrgang sorgte die Truppe bereits in Pokal und in der damaligen Leistungsklasse für Furore. Wolfgang Weuster hieß der Trainer, der die Jungs an Klaus Schwickardi übergab. Und mittlerweile verstorbene Schwickardi erinnerte sich anlässlich der Gala zum 100-jährigen Bestehen des TuS Ennepetal vor acht Jahren: „Wir haben nicht nur Fußball gespielt. Nach den Turniertagen sind die Spieler durch die Tribünen und haben den Müll weg geräumt. Das hat uns auch zusammen geschweißt und uns zu einer Einheit gemacht“, so der ehemalige Trainer.

Erst Spieler, dann Trainer und Funktionär

Dass sich die guten Spieler auch in den Senioren ihren Sporen verdienten, das ist klar. Viele blieben beim TuS Ennepetal, einige engagieren sich heute noch – wenngleich als „Funktionäre“. Norbert Kmiecik ist so einer, der erst gespielt hat, sich als Trainer, schließlich im Vorstand der Alte-Herren in die Pflicht nehmen ließ und lässt.

Bis in die Oberliga führte beispielsweise der Weg von Uli Müller und Ulrich Schmidt. Müller war der Denker und Lenker im Mittelfeld, hatte gute Jahre beim TuS Ennepetal, schließlich beim damaligen VfL Gevelsberg, als Spieler ließ er beim damaligen FC Schwelm 06 seine spielerische Karriere ausklinge. Es folgte erfolgreiche Trainer-Stationen. So mit den SE Gevelsberg, als es die noch als Fußballabteilung gab und noch nicht in den FSV übergangen war. Mit den SEG schaffte er den Aufstieg in die Bezirksliga – nach vielen Jahren waren die „Eintrachtler“, wie sie sich auch nannten, die Nummer eins in Gevelsberg. Auch, weil der sich auflösende VfL im tiefer in den Strudel nach unten geriet – sportlich und finanziell. Beim A-Ligisten BW Voerde ließ er vor sechs Jahren seine Karriere als Trainer ausklingen. „Klar, jetzt aufzuhören fällt mir schwer, weil mir das Training mit dieser jungen Truppe sehr viel Spaß bereitet hat“, gestand einst Müller.

Ulrich Schmidt spielte noch knapp zehn Jahre im Bremenstadion, ehe er 1985 zum VfL Gevelsberg ins Stefansbachtal wechselte. Er wurde seinem Ruf als gefährlicher Stürmer gerecht. Die Ansätze waren bereits in der Ennepetaler Jugend zu erkennen. „Als Kapitän hat er es verstanden, die Mannschaft zu führen. Außerdem war er stets anspielbar, war stark im Kopfball und war enorm wertvoll für die Mannschaft“, so Günter Kierstan.

Ein Wirbelwind im Mittelfeld gleich war Engin Üstün. Er hatte etwas ganz Besonderes. Ein feines Füßchen, super Technik, das Auge für seine Mitspieler. Und er war klein, drahtig und zäh. Das hat auch dazu geführt, dass er viele Jahre Fußball spielte – lange noch, als alle anderen die Stiefel bereits an den Nagel gehängt hatten. Er war einer der Initiatoren, der die dritte Mannschaft bei BW Voerde als nahezu reine türkische Mannschaft gründete – sie ging später in TürkGücü Ennepetal auf. „Ein super Techniker wie er im Buche steht“, sagt Günter Kierstan.

Viele weitere ehemalige Spieler engagierte sich weiter im Fußball. Beispielsweise war Thomas Oettinghaus lange Jahre einer der führenden Köpfe für das Pfingstturnier. Und auch Siegfried Flüshöh zählt zu denjenigen, die den Fußball neben dem Feld nach vorne gebracht haben – insbesondere als Fußballlehrer am Reichenbach-Gymnasium. Viele Jahre im Traineramt engagiert war auch Ralf Schulte.

Es geht nicht nur um Fußball

„Es ging nicht nur um Fußball damals wie heute. Es geht auch um eine Art Völkerverständigung“, sagt Günter Kierstan, der gerne gesehen hätte, dass das Pfingstturnier fortbestanden hätte. „Es gibt 28 Staaten in der Europäischen Union, da werden acht gute Mannschaften für ein Turnier zu finden sein“, sagt er. Doch er will nicht lamentieren. Er stehe schließlich nicht in der Verantwortung.

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