Das Leben ist (k)ein Ponyhof

Nach 22 Jahren lösen sich Freizeitreiter auf

Ungewöhnliche, aber lustig Übungen – das sind die Angebote der Freizeitreiter Königsfeld während der Freizeittreffen. Diese finden nicht mehr statt, der Verein hat sich aufgelöst.

Ungewöhnliche, aber lustig Übungen – das sind die Angebote der Freizeitreiter Königsfeld während der Freizeittreffen. Diese finden nicht mehr statt, der Verein hat sich aufgelöst.

Foto: Heinz-G. Lützenberger

Ennepetal.  Fast zwei Jahrzehnte hatten die Freizeitreiter Königsfeld ein reges Vereinsleben. Jetzt hat sich der Verein jetzt aufgelöst.

Es ging nicht mehr. Der Verein hatte kaum mehr engagierte Mitglieder, kein Vereinsleben, geschweige denn Veranstaltungen. Jetzt haben sich die Freizeitreiter Königsfeld (FRK) aus Ennepetal als Verein aufgelöst. Mit den Unterschriften des Vorsitzenden und Liquidators Markus Luthe sowie dem Notar Achim Dahlmann aus Gevelsberg auf der Auflösungsurkunde endet die 22-jährige Vereinsgeschichte.

„Es war eine schöne Zeit. Aber irgendwann macht es keinen Sinn mehr, einen Verein aufrecht zu erhalten“, sagt Markus Luthe. Er erläutert auch, dass diese Entscheidung zur Auflösung des Vereins aus einem Prozess innerhalb der Freizeitreiter entstanden ist.

Abwechslungsreiches Vereinsleben

Dabei können die Reitsportlerinnen und -sportler auf ein durchaus abwechslungsreiches Vereinsleben der vergangenen zwei Jahrzehnte zurückblicken. Vor allem die vielen Freizeitreitertreffen auf dem Hof am Holte waren mehr als ein Jahreshöhepunkt. Der Verein hatte vielseitige Übungen für Pferd und Reiter im Angebot, der Spaß sollte an erster Stelle stehen. Die Resonanz, das Lob nach den Treffen von den vielen Teilnehmern war stetst überwältigend.

Dass es manchmal dennoch ernst wurde, liegt in der Natur einiger Teilnehmer. Immerhin war das Treffen ein Wettstreit, es ging stets um Platzierungen, um Preise und Pokale. Also mussten die Freizeitreiter nicht nur als Ausrichter, sondern auch als Richter auf den Plan treten. „Wir konnten alle Missverständnisse ausräumen, konnten immer schlichten“, erinnert sich Markus Luthe.

Manches Pferd bockte vor Aufgabe

Neben den Prüfungen auf dem Platz – vergleichbar einer Dressurprüfung – ging es meist ins Gelände rund um den Luthe-Hof. Eine Art Schnitzeljagd gab es. Dazu verschiedene Trail-Übungen, die den Gehorsam der Pferde abrief. Durch einen Wassergraben reiten. Nicht jedes Pferd war begeistert, manches Tier bockte. Durch ein mit Bändern verhangenes Tor zu gehen – auch das ist nicht mit jedem Pferd machbar. Das sind nur einige Übungen. Dazu Spielerisches wie Wäsche aufhängen, Ringe von einem Ort zum anderen tragen. Nicht zu Fuß, nein, auf den Rücken der Pferde bitteschön.

„Am Vorabend der Treffen kamen wir als Veranstalter mit den Helfern sowie vielen Teilnehmer gemütlich zusammen“, so Markus Luthe. In gemütlicher Runde wurde viel erzähl, gelacht – und viel gesungen. Zur Gitarre. Und einmal war gar ein elektronisches Piano dabei. Musik ohne Ende. Keine Frage, der Spaß fing vor dem Turnier an. Und er hörte mit der Siegerehrung lange nicht auf.

Immer weniger Ehrenamtlich

„Und hier hat sich nach und nach der Knackpunkt herausgebildet“, analysiert Markus Luthe. Schließlich sei es immer schwieriger geworden, Vereinsmitglieder als Helferinnen und Helfer vor, während und nach dem Turnier zu finden. „Dass die meiste Arbeit und die Verantwortung auf wenigen Schulter lastet, ist ja fast normal in jedem Verein“, so Luthe. Doch die Schar derer, die Brötchen schmierte, Croissants und Kuchen buk, Getränke zapfte, bei den Übungen Anweisungen und Hilfestellungen gab, die das Bierzelt auf- und abbaute, die für gute Laune sorgte – sie wurde deutlich kleiner.

Von 50.000 auf 35.000

Eine ähnliche Entwicklung beobachtet auch Peter Thamm, Vorsitzender des Kreisreiterverbandes. „Zwar ist die Zahl der Vereine stabil geblieben“, sagt er. „Aber wir haben erheblich an Mitgliedern verloren.“ So waren es vor einer Dekade etwa 50.000 Mitglieder in den Vereinen, mittlerweile sind es gerade mal etwa 35.000. „Natürlich spielt auch die längere Schulzeit an den Tagen eine Rolle“, so Thamm

Es waren pro Freizeitreitertreffen etwa 25 bis 30 Personen, die das Treffen vor- und nachbereitet haben. Nicht nur Essen und Trinken mussten organisiert sein. Der Hof wurde gefegt, geschmückt und schön hergerichtet. Die Stationen aufgebaut. Genehmigungen mussten organisiert, Vertreter des DRK eingeladen werden. Sponsoren für das Füllhorn an Preisen waren notwendig. Schließlich die Nachbarn. Denn hier waren Gespräche nötig, damit die Wege genutzt werden konnten. Nie gab es Probleme – das Verhältnis der Freizeitreiter zu den Nachbarn war gut.

Übrigens nicht nur bei Freizeitreitertreffen. Denn die Freizeitreiter Königsfeld hatten schließlich nicht nur diesen Jahreshöhepunkt im Programm. Es gab eine florierende Jugendabteilung, mit eigener Jugendwartin und vielen Angeboten. Geländeritte mit Übernachtungen, Ausbildungen – wie sich Reiterin und Pferd zueinander zu verhalten haben, wie die Erste Hilfe mit dem Pferd aussieht. Dazu gab es in Turnhallen wie im Reichenbach-Gymnasium immer wieder die Möglichkeit, auf dem Seitpferd fürs Voltigieren zu trainieren. Mit Andrea Luthe und Birgit Hinz hatten die Freizeitreiter auch zwei Mitglieder mit dem C-Schein für Übungsleiter. Doch dann kam die Ganztagsschule, dann kam das Gymnasium mit dem Abitur bereits nach dem 12. Schuljahr.

„Diese Entwicklung in den Schulen hat uns getroffen“, weiß Markus Luthe. Denn der Reitunterricht, den seine Frau Andrea Luthe leidenschaftlich durchgeführt hatte, konnte so nicht mehr stattfinden. Meist gegen 17 Uhr waren die ersten Reitstunden möglich. Und im Herbst und Winter damit unmöglich. Denn die Freizeitreiter verfügen über keine Halle. Ein Reitplatz, ein Longierplatz. Das hat gereicht für den Unterricht im Sommer, hat gereicht für den Unterricht im Herbst und Winter an den frühen Nachmittagen. Doch mit den neuen „Schul-Angeboten“ war damit Schluss.

Einen weiteren Grund des mangelnden Engagements im Verein sieht Markus Luthe auch darin, dass „viele Eltern die Vereine auch als Dienstleister sehen. Sie sehen gar nicht die Notwenigkeit, sich im Vereinsleben zu engagieren“.

Eine Folge: Kaum mehr Kinder und Jugendliche fanden sich auf Königsfeld ein. Das hatte auch zur Folge, dass die finanzielle Lage sich verschlechterte. „Auch das war ein Aspekt in den folgenden Diskussionen“, so Markus Luthe. Schließlich wurden die Stimmen innerhalb des Vereins immer lauter, die den Bestand der Freizeitreiter als Verein in Frage stellte. Irgendwann, zu irgendeiner Jahreshauptversammlung wurde die ersten ernsthaften Diskussionen über eine Auflösung geführt.

Mitglieder beschließen Auflösung

Im Frühjahr 2018 schließlich die entscheidende Hauptversammlung, in der die Mitglieder die Auflösung beschlossen. Der Vorsitzende und sein Vize wurden qua Amt zu den Liquidatoren bestimmt. Als Notar wurde Achim Dahlmann aus Gevelsberg gewonnen. Der leitete die notwendigen Schritte in die Wege. Unter anderem, dass die Absicht der Vereinsauflösung für ein Jahr öffentlich gemacht wird. Schließlich kann es Personen geben, die Forderungen an den sich auflösenden Verein haben könnten. Die gab es nicht. So konnte Anfang August der finale juristische Schritt gemacht werden. Luthe und Dahlmann setzten ihre Unterschriften auf das Papier, das die Auflösung der Freizeitreiter Königsfeld besiegelte.

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