Frauen-WM

Popps Auftrag an Oberdorf: „Hau alles weg!“

Lena Oberdorf hält sich die Chinesin Rui Zhang vom Leib. Im Hintergrund schaut Alexandra Popp zu.

Lena Oberdorf hält sich die Chinesin Rui Zhang vom Leib. Im Hintergrund schaut Alexandra Popp zu.

Foto: Richard Heathcote/Getty

Rennes.   Lena Oberdorf aus Gevelsberg ist die jüngste deutsche WM-Fußballerin. Die 17-jährige Schülerin beeindruckt Gegnerinnen und Teamkolleginnen.

Bei der Abreise aus Rennes musste sie die Kiste mit dem Obst tragen. „Ich verteile das gleich im Zug und sorge dafür, dass es den älteren Spielerinnen gut geht. Ich als Jüngste muss da ein bisschen Verantwortung übernehmen“, sagte Lena Oberdorf am Sonntagmoren mit einem verschmitzten Lächeln, bevor sie in den Schnellzug TGV stieg, der die deutsche Frauen-Nationalmannschaft bei der WM in Frankreich nach Lille brachte, wo es im benachbarten Valenciennes am Mittwoch gegen Spanien weitergeht (18 Uhr/ZDF).

Lena Oberdorf vom Bundesligisten SGS Essen, vorher schon jüngste Spielerin des WM-Aufgebots von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg, war am Vortag beim 1:0-Sieg gegen China auch offiziell zur Allerjüngsten geworden: zur jüngsten deutschen WM-Spielerin im Alter von 17 Jahren, fünf Monaten und 20 Tagen.

In der 46. Minute wurde die Mittelfeldspielerin für Carolin Simon eingewechselt. „Wirklich, jüngste DFB-Debütantin? Cool. Ich realisiere noch nicht einmal, dass ich wirklich bei der WM spiele“, sagte die Gevelsbergerin darauf angesprochen völlig überrascht in der Interviewzone des Stadions im nordwestfranzösischen Rennes. Zum Vergleich: Birgit Prinz war bei ihrem ersten Einsatz bei der Weltmeisterschaft 1995 ganze 17 Jahre, sieben Monate und elf Tage alt.

Mit einem Einsatz hatte Lena Oberdorf allerdings rechnen können, den hatte die Bundestrainerin ihr beim morgendlichen Team-Spaziergang bereits in Aussicht gestellt. Zwei Tage zuvor musste die Elftklässlerin des Gymnasiums Gevelsberg im Teamhotel noch eine Klausur schreiben: Das Thema war Muskelphysiologie im Leistungskurs Sport. „Auf Klausuren kann man sich vorbereiten. Bei einer Klausur weiß man ungefähr, was drankommt. Bei China wusste man das nicht so recht. Dieses Spiel war definitiv schwerer.“ Um dann noch lachend nachzuschieben: „Außerdem bin ich ganz gut in der Schule.“

Ritterschlag von Alexandra Popp

Das Trikot, Spielpaarung und Datum sind immer schon aufgedruckt, werde sie sich als Andenken wahrscheinlich ins Zimmer hängen. Mit welcher Präsenz und Ruhe die Jüngste in einem so schwierigen und hart geführten Spiel mitmischte, beeindruckte auch die gestandenen Kolleginnen. „Großes Kompliment an Obi“, sagte die ebenfalls aus Gevelsberg stammende Alexandra Popp: „Sie hat das wirklich sehr gut gemacht.“

Die Nationalmannschafts-Kapitänin hatte dem Toptalent für sein viertes Länderspiel noch höchstpersönlich den Auftrag erteilt: „Hau’ alles weg, was kommt! Sie meinte nur: ,Okay‘ - sie hat das wohl sehr wörtlich genommen...“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben