Turnen

Renaissance im Gevelsberger Turnen

Sportlich: Die Turner des VfL Gevelsberg zeigen ihre ganze Körperbeherrschung.

Sportlich: Die Turner des VfL Gevelsberg zeigen ihre ganze Körperbeherrschung.

Foto: Isabelle Rust

Gevelsberg.  Wieder schwer was los ist seit einigen Jahren in der Turnabteilung des VfL Gevelsberg – weil sich junge Menschen engagieren.

Wild wirbeln Körper durch die Gegend, die Flugeinlagen sind beeindruckend und lassen den neutralen Beobachter staunend zurück. So recht weiß dieser nicht, wohin er genau schauen soll, schließlich steht auf der einen Seite einer der Aktiven im Handstand auf dem Barren während ein paar Meter weiter jemand einen Salto steht. Bei der Turnabteilung des VfL Gevelsberg ist ordentlich was los – die Abteilung erlebt aktuell eine kleine Renaissance.

Das Vater-Sohn-Gespann aus Martin Hirscher und Robin Wienert hält die Turner in Gevelsberg ordentlich auf Trab. In der Sporthalle in der Körnerstraße wird sich dreimal wöchentlich getroffen, um mit den acht- bis 15-jährigen Jungen und den erwachsenen Turnern für die Gau- und die Landesliga zu trainieren. Martin, der zu früheren Zeiten selbst in der Landesliga zu Wettkämpfen angetreten ist, bleibt dem Verein treu und hat nach seiner sportlichen Karriere die Position des Übungsleiters übernommen.

Das war vor etwa zehn Jahren, als das Turn-Angebot für Kinder erst noch Bekanntheit in Gevelsberg erlangen musste. „Es muss sich erstmal rumsprechen, dass ein Verein so etwas macht“, erklärt Hirscher. In den letzten Jahren wurde dann mehr Zulauf von Turninteressierten verzeichnet, viele davon hatten Talent im Gepäck. Der Verein freut sich stets über neue Gesichter. „Schließlich braucht man auch genug Leute, mit denen man eine Mannschaft bilden kann und die man für zwei bis drei Geräte einsetzen kann, auch für die höheren Ligen“, erklärt er.

Unterschiedliche Niveaus

Dabei ist es von Vorteil, wenn Mannschaften vorhanden sind, die in unterschiedlichen Klassen antreten. „Da können die Kleinen gucken und bei Wettkämpfen zuschauen. Wenn man das nicht hat, ist es auch schwierig zu vermitteln, wo man hinkommen kann“, so Hirscher. „Das ist alles Hobby, aber schon ein Niveau, das man sich angucken kann.“ Aktuell sind zwei Trainer für die Jungen, drei für die Mädchen verantwortlich, die in unterschiedlichen Leistungsklassen aufgeteilt sind. Mittlerweile gibt es auch Kooperationen mit anderen Vereinen.

Vor allem Sohn Robin ist mit Trainerkollege Thorben Seeland bei den Kids sehr eingespannt, nachdem er vor fünf Jahren den Trainerschein gemacht hat und die alten Trainer wie Vater Martin abgelöst hat, der berufsbedingt beim coachen kürzergetreten ist. Am Anfang kamen bis zu 14 Kinder zu den Trainingseinheiten.

Der Kontakt hierfür wurde vor allem über die Website des Vereins als auch über die sozialen Netzwerke Facebook und Instagram hergestellt. Aufgrund der Großen Zahl an Kindern wurde zunächst nach Leistung selektiert und die Kinder in zwei Leistungsgruppen aufgeteilt. Bei den Anfängern gibt es dann erst einmal einen Check von Trainer Seeland, der die Kids einige Wochen beobachtet und ihr Potenzial einschätzt.

Wenn Talent vorhanden ist, übergibt er diejenigen an Wienert, der die fortgeschrittenen Kids betreut und mit ihnen intensiv für die Gauliga, die Amateurliga für Kinder, trainiert. Mit den drei bis vier Wettkämpfen in der Saison haben sie ein Ziel vor Augen, auf das sich vorbereitet werden muss. „Da haben sie ein Ziel, eine Motivation, die manchmal fehlt, wenn man keine Wettkämpfe hat“, hat Wienert festgestellt. Für die ganz Kleinen veranstaltet der VfL auch eine alljährige Vereinsmeisterschaft, um einen Ansporn zu schaffen und damit die Kinder Wettkampferfahrungen sammeln können. Die nächste Vereinsmeisterschaft soll zwischen Ende Oktober und Mitte November stattfinden.

Sechs Wettkämpfe pro Saison

Wienert turnt bereits seit er sechs Jahre alt ist, was dem Einfluss seines Vaters geschuldet ist. Damals hat sein Vater in der Regionalliga geturnt und er ist immer mitgekommen. „Am Anfang war es noch Spiel und Spaß, aber auf Dauer sehr amateurhaft. Ab zwölf wurde es dann leistungsintensiver“, erinnert er sich an seinen turnerischen Start. Mit 14 Jahren hat er schließlich an seinem ersten offiziellen Wettkampf in der Regionalliga teilgenommen. Bis zu seinen Auftritten in der Landesliga hatte er stets die volle Unterstützung von Jörg, der aktuell die Mädcheneinheiten betreut, und Hirscher. Mit diesem Gespann hatte er zwei Trainer an der Hand, die ihn so sehr gefördert haben, dass Wienert mittlerweile in der Landesliga konkurriert.

Hierfür wird sich mit den Männern im Anschluss des Kindertrainings darauf vorbereitet, da in der Saison bis zu sechs Wettkämpfe anstehen. Zusammen mit seinen Mannschaftskameraden Nico Lobermeier und Alex Fischer wird der Sechskampf anvisiert. „Da wollen wir Gas geben und da haben wir richtig Bock drauf.“ Dreimal die Woche wird sich auf Wettkämpfe vorbereitet. Während der Winterferien findet die intensive Saisonvorbereitung statt, da ab Februar für drei Monate die Wettkämpfe starten.

Einzige Anlaufstelle für Jungs

Dabei legen die Nachwuchsturner Entfernungen bis nach Kierspe oder Paderborn zurück. In den Ferien bietet sich das Training besonders an, da die Geräte wie Reck, Barren & Co. stehen gelassen werden können, was den zeitaufwendigen Auf- und Abbau erübrigt. Insbesondere während der Sommermonate kommen die Sportler an ihre Grenzen. „In den Sommerferien trainieren wir ordentlich, es ist zwar warm, aber wir ziehen dann durch“, so Wienert.

Die Wichtigkeit der Weiterführung des Jungentrainings beim VfL ist besonders dadurch gestärkt worden, da der Verein die einzige Anlaufstelle für männliche Turninteressierte in der Nähe ist. Mädchenturnen ist in der Umgebung sehr verbreitet, beispielsweise in Voerde, Büttenberg oder Schwelm. Für die Jungen befindet sich der nächste Verein erst in Bochum. „Das ist auch schön, dass es das weiterhin konstant in Gevelsberg gibt“, findet Hirscher – wofür er ja einer der Gründe ist.

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