Fußball

Scheune statt Oberliga-Kabine: Darum hört Tim Salzmann auf

Zwischen Dämmwolle und Schleifmaschine spielt sich derzeit ein Großteil ihres Lebens ab: Tim Salzmann, Ex-Spieler des Oberligisten TuS Ennepetal, mit seiner Freundin Alica Spelsberg in ihrem zukünftigen Zuhause.

Zwischen Dämmwolle und Schleifmaschine spielt sich derzeit ein Großteil ihres Lebens ab: Tim Salzmann, Ex-Spieler des Oberligisten TuS Ennepetal, mit seiner Freundin Alica Spelsberg in ihrem zukünftigen Zuhause.

Foto: Lukas Brechtefeld / WP

Ennepetal.  Tim Salzmann hat mit 20 Jahren aufgehört, für den TuS Ennepetal Fußball zu spielen. Sein neues Projekt kostet viel Zeit.

Hämmern, bohren, schrauben statt passen, schießen, grätschen. Tim Salzmann, der ehemalige Spieler des TuS Ennepetal, baut derzeit eine alte Scheune um. Ab Weihnachten soll sie das Zuhause für seine Freundin und ihn sein. Bei dem Umbau macht er fast alles aus eigener Hand, sogar die Möbel tischlert er selbst. Für das Großprojekt hat der 20-Jährige nun aufgehört, beim Oberligisten Fußball zu spielen.

Es hört sich an wie ein Märchen: Alica Spelsberg, Tim Salzmanns Freundin, hat bereits früh das Potenzial der alten Scheune erkannt. Schon als sie klein war, hat sie zu ihren Eltern gesagt, dass die Scheune einmal eine schöne Wohnung werden wird. Jetzt arbeiten ihr Freund Tim, ihr Vater und ihr Schwiegervater daran, diesen Kindheitstraum umzusetzen. Sie alle bauen die alte Scheune um, die auf dem Bauernhof der Familie Spelsberg liegt, so dass sie bald bewohnbar wird. Salzmann träumt: „Wir möchten gerne bis zum Jahresende fertig sein und Weihnachten in unserem eigenen Haus verbringen.“

Treppe ist noch provisorisch

Aktuell ist das ganze Haus noch eine Baustelle: Es fehlen Wände, Kabel hängen aus der Decke, Werkzeuge liegen herum und zur zweiten Etage gibt es nur eine provisorische Treppe. Unten gibt es zwei Badezimmer, zwei Kinderzimmer, ein Schlafzimmer und eine Ankleide. „Da kann Alica ihre ganzen Klamotten unterbringen“, lacht Tim.

Außerdem gibt es noch einen Balkon. Den hat Salzmann selbst gebaut. Es geht die steile Behelfstreppe hoch. Die komplette zweite Etage ist ein einziger Raum: Links die Küche, in der Mitte das Esszimmer und rechts das Wohnzimmer. Vorne und hinten die Dachschrägen. Weil das ganze früher eine Scheune war, gab es zuvor keine zwei Etage. Die Zwischendecke, wie soll es anders sein, hat Salzmann ebenfalls selbst gebaut.

Bis auf wenige Ausnahmen hat er mit seiner Familie alles selbst gemacht. Als die Bauarbeiten anfingen, stellten sie jedoch fest, dass das Dach schief war. Um das wieder zu begradigen, kam extra ein Zimmermann. „Wir haben fast alles aus eigener Hand gebaut. Das ist günstiger. Mein Schwiegervater, mein Papa und ich haben zusammen ungefähr 75 Prozent selbst gemacht. Nur um die Elektrik, das Dach und die Fußbodenheizung haben sich Profis gekümmert“, fasst Salzmann zusammen. Auch die Küchenmöbel und die Ankleide will er mit seinen eigenen Händen bauen.

405 Bilder von den Arbeiten

Tim Salzmann holt sein Handy raus: Er zeigt Bilder. Alles, was er selbst gemacht hat, hat er fotografiert. Insgesamt 405 Bilder hat er aufgenommen. Es ist kaum noch vorstellbar, dass die ersten Fotos hier entstanden sind. Früher lag in der Scheune noch Heu herum und sie wurde als Abstellkammer benutzt, jetzt ist bereits erkennbar, dass sie in wenigen Monaten bewohnt sein wird.

Salzmann erzählt, dass es für ihn ein schönes Gefühl ist, mit 20 Jahren bereits zu wissen, in welche Richtung es für ihn geht. Es war aber auch anstrengend. Für das Haus hat er die Fußball-Oberliga aufgegeben. Beim TuS Ennepetal wollte er höherklassig Fußball spielen. Das klappte aber nicht: „Ich habe mir Monate den Kopf zerbrochen und viel mit meinen Eltern und meinem Trainer Alexander Thamm gesprochen. Es wurde aber zu viel für mich.“

Jetzt spielt er nur noch sporadisch für die zweite Mannschaft. Er hat seine Ausbildung zum Tischler gemacht und ist seit Jahren glücklich mit Alica. Jetzt kommt das Haus. Die Kinderzimmer will er aber erstmal nur für Gäste nutzen...

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