Fußball

Sein besonderer Akzent verstummt

Knut Kaiser in seiner Sprecherkabine. Für ihn war das Spiel des FSV Gevelsberg das letzte Mal als Stadionsprecher im Stefansbachtal.

Knut Kaiser in seiner Sprecherkabine. Für ihn war das Spiel des FSV Gevelsberg das letzte Mal als Stadionsprecher im Stefansbachtal.

Foto: Ulrich Mittag

Gevelsberg.   Knut Kaiser ist die Stimme im Stadion Stefansbachtal gewesen. Nach 30 Jahren müssen noch andere für die besonderen Akzente am Mikrofon sorgen.

Fast 30 Jahre war er „die Stimme im Stadion Stefansbachtal“: Knut Kaiser. Am Sonntag, exakt um 17.05 Uhr, schallten seine Worte zum letzten Mal aus den Lautsprechern: „Tschau, tschau – der FSV“.

„Einmal muss es gut sein“, meinte Kaiser, bevor er das Mikrofon nach dem Spiel seiner Gevelsberger gegen Rot-Weiß Lüdenscheid aus der Hand legte, „jetzt sollen mal Jüngere ‘ran.“ Wer seine Aufgabe in der nächsten Saison übernimmt, konnte Kaiser jedoch nicht sagen. Dass „die Jüngeren“ nicht Schlange stehen, bestätigte er gegenüber unserer Zeitung.

Kaiser selbst, der sich nicht genau erinnert, wann er zum ersten Mal als Stadionsprecher agierte, wurde seinerzeit von seinem Vorgänger, dem früheren Fußball-Chef der SEG, Axel Fastenrath, zu seiner neuen Aufgabe im Glaskasten hoch über den Spielfeldern überredet. Erst bei den Spielen „seiner“ Sportfreunde Eintracht Gevelsberg (SEG), dann bei denen des FSV Gevelsberg sorgte der heute 65-Jährige für den besonderen Akzent. Vor allem bei der Bekanntgabe der Torschützen, deren Namen er fast „ewig“ dehnte – so wie es der legendäre Michael Buffer bei den großen Box-Events machte.

Viel Aufwand für die DFB-Junioren

Der FSV Gevelsberg, heute dominierender Fußballklub in der Stadt, ist ein „Kind“ Kaisers. Der leitete bis zur Fusion mit dem VfL Gevelsberg Fußball 2004 die Geschicke der SEG-Fußballabteilung. Die Vereinigung der beiden im Stefansbachtal beheimateten Vereine hatte er maßgeblich mit in die Wege geleitet und wurde zum ersten 2. Vorsitzender des neu gegründeten Klubs gewählt. 2012 dann übernahm er den Vorsitz, amtierte bis 2014 und leitet heute den Geschäftsbereich Finanzen. Aber auch diesen Posten will er demnächst abgeben.

Auf das nachhaltigste Erlebnis in seiner Sprecher-Funktion nennt Kaiser die DFB-Jugendländerspiele in Gevelsberg. „Das war sehr interessant zu sehen, mit welchem Stab der DFB anreist und wie die Jungs unterwegs sind – Allüren wie die Großen“, erinnert sich Kaiser und beschreibt in diesem Zusammenhang eine unvergessliche Szene. „Die Jungen brauchten ein Eisbad, so dass wir sämtliche Tankstellen in Gevelsberg abgefahren sind, um „Crushed Ice“ zu besorgen. Am Ende passte dann aber die vom DFB mitgebrachte Wanne gar nicht durch die Tür in die Kabine, so dass aller Einsatz vergeblich war.“

Und jetzt nur noch Zuschauer

Was ihm gar nicht gefallen hat, war, wenn Spieler während einer Partie ausrasteten und kaum noch „einzufangen“ waren. „Da habe ich dann versucht, mit dem Mikrofon beruhigend auf sie einzuwirken.“

Nicht bei jedem Spiel im Stefansbachtal war Knut Kaisers Stimme zu hören. Seine zweite Liebe galt und gilt nämlich den Kickern von Fortuna Düsseldorf. Wenn die zeitgleich mit dem FSV ein Heimspiel hatten, blieb die „Stimme im Stadion Stefansbachtal“ auch schon einmal stumm. Eine kleine Verlängerung wird es für Knut Kaiser allerdings noch geben: Bei zwei Relegationsspielen auf neutralem Platz, die im Stefansbachtal ausgetragen werden, greift er dann doch noch einmal zum Mikrofon. Bis zur neuen Saison soll aber die Neubesetzung erfolgt sein.

„Dann will ich mir Fußballspiele in unserem Stadion nur noch gemeinsam mit Freunden und Bekannten ansehen“, sagt Kaiser. Die fast 30 Jahre Einsamkeit in der kleinen Hütte habe dann ein Ende.

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