Gestern erfolgreich – und heute?

Und plötzlich kommt ein Anruf von Schalke

Die Westfalenliga-Meister, die als U19 für die TSG Sprockhövel im Mai 2015 den Aufstieg in die Bundesliga geschafft hat.

Die Westfalenliga-Meister, die als U19 für die TSG Sprockhövel im Mai 2015 den Aufstieg in die Bundesliga geschafft hat.

Foto: Michael Hilgenstock / Privat

Ennepe-Süd/Sprockhövel.  Vor vier Jahren hat die U19 der TSG Sprockhövel sensationell den Bundesliga-Aufstieg geschafft. Mit dieser Story beginnen wir unsere neuen Serie.

Vor vier Jahren stiegen die Nachwuchs-Fußballer der TSG Sprockhövel in die Bundesliga-West der A-Junioren auf. – und ging dort auf Abenteuerreise. „Das war eine Sensation“, erinnert sich Simon Bukowski. Dabei war schon allein der Aufstieg in die Westfalenliga im Jahr zuvor berauschend. Noch nie hatte eine Sprockhövler A-Jugend so hoch gespielt. Und dann die Überraschung mit dem Aufstieg in die Bundesliga.

Mack wird Video-Analyst des BVB

Niklas Mack war Innen- und rechter Verteidiger. Nach dem Aufstieg wechselte er zu den Oberliga-Senioren der TSG. Weil er dort selten zum Einsatz kam, wechselte er nach einem halben Jahr zum Landesligisten SC Obersprockhövel. Dort kreuzte sich sein Weg mit zwei weiteren ehemaliger Meisterspielern: Leon Tank und Moritz Schrepping, die ebenfalls am Schlagbaum angeheuert haben. Mack ist inzwischen Sportstudent. Mit Hilfe eines Dozenten erhielt er vor einiger Zeit ein Praktikum bei Borussia Dortmund. Nachdem er dort erst als Trainer in der Jugend tätig war, ist er für die anstehende Saison Videoanalyst bei der Borussia. Für ihn ist das doppelt schön, weil er Dortmund-Fan ist.

Heiserholt inzwischen in Lippstadt

Auch Finn Heiserholt wechselte direkt nach dem Aufstieg zu den Oberliga-Senioren. „Ich konnte nicht Bundesliga spielen“, sagt er – ohne es wirklich zu bedauern. Heiserholt spielte für die TSG zwei Jahre – einschließlich Aufstieg in die Regionalliga mit direkter Rückkehr in die Oberliga. In dieser Zeit wurde ein anderer Verein auf ihn aufmerksam. „Ich hätte Sprockhövel eigentlich nie für einen anderen Oberligisten verlassen“, sagt er. Das tat er aber dann schließlich doch. Denn: Während eines Urlaubes in Finnland bekam er einen besonderen Anruf. „Ich kann mich noch ganz genau daran erinnern“, meint Heiserholt. Onur Cinel, Trainer der U23 des FC Schalke 04, war am anderen Ende der Leitung. Cinel hatte ihn beobachten lassen und wollte Heiserfeld kennenlernen. Es folgten Gespräche mit 04-Manager Gerald Asamoah und dem Trainer. „Ich habe erst mit einigem Abstand gemerkt, wo ich gelandet bin“, sagt er. „Während andere um 10 Uhr zur Arbeit fuhren, stand ich auf dem Fußballplatz.“ Für ihn war es etwas Besonderes, für Schalke zu spielen. Auch weil er Schalke-Fan und seit seiner Geburt Mitglied ist. „Die Freude zu Hause war riesengroß“, erzählt Heiserholt, der in diesem Sommer Schalke verlies, weil er zu alt für die U23 wurde.

Leistungsträger Oberdorf

Künftig läuft Heiserholt für Lippstadt in der Regionalliga auf, wo er sich nach den ersten Wochen „pudelwohl“ fühlt. „Ich möchte auf dem höchstmöglichen Niveau spielen“, schildert er seine Ziele und den Grund, weshalb er sich für Lippstadt entschieden hat und nicht etwa zur TSG zurückging.

Tim Oberdorf ist ebenfalls nach dem Bundesliga-Aufstieg bei den Oberliga-Senioren unter gekommen. In seinem ersten Jahr durfte er dort fast jedes Spiel bestreiten. Auch in der darauffolgenden Regionalliga-Saison hatte er ähnlich hohe Einsatzzeiten. Er wuchs in die Rolle des Leistungsträgers und Kapitäns hinein. Ab kommender Saison spielt er für die Reserve von Fortuna Düsseldorf – in die Regionalliga.

Kwadwo ist Sprockhövel dankbar

Leroy Kwadwo wird künftig für die Würzburger Kickers in der Dritten Liga. Während Oberdorf nach Düsseldorf gewechselt ist, hat er die Düsseldorfer nach zwei Jahren verlassen. Die ersten Schritte im Seniorenbereich machte Kwadwo noch in Sprockhövel, wo er in seinem ersten (Oberliga)-Jahr durchgehend gespielt hat. „Diese Zeit war für mich ausschlaggebend. Ich bin dem Verein unendlich dankbar und habe von Raoul Meister und meinem Trainer sehr viel gelernt“, sagt er. Über Essen und Schalke, wo er jeweils nur selten zum Einsatz kam, war Düsseldorf seine nächste Station. Hier wollte er neu starten. Das gelang ihm. Er durfte zum Schluss drei Monate bei der Bundesliga-Mannschaft mittrainieren, in der Fortuna-Reserve avancierte er zum Vize-Kapitän. Danach war ihm klar, dass er gerne den nächsten Schritt machen möchte. Den versucht er jetzt in Würzburg in der dritten Liga.

Leon Tank verschlug es nach einem Jahr bei den Sprockhöveler Oberliga-Senioren deutlich weiter weg. Er spielte für eine Saison in den USA. Er wollte ins Ausland, aber weiter Fußball spielen. Über eine Sportagentur kam er nach Ohio und spielte am Wilmington College Fußball. Die Mannschaft habe aus Spielern aus vierzehn verschiedenen Nationen wie Polen, Brasilien, Norwegen, Mexiko und Ghana bestanden. „Fußballerisch war das dort ganz anders“, sagt Tank. Sie hätten dort mit mehr langen Bällen und deutlich körperlicher gespielt. Auch taktisch und technisch sei das Niveau nicht so hoch wie bei seiner ehemaligen A-Jugend gewesen. Tank studiert mittlerweile Wirtschaft in Bochum.

Meistertrainer Andrius Balaika

Andrius Balaika, der Trainer der damaligen Meister-Mannschaft, blieb ebenfalls ohne Bundesliga-Spiel, er übernahm nach der Aufstiegs-Saison die Oberliga-Mannschaft von Sprockhövel – bis heute. Dort zog er viele seiner ehemaligen Schützlinge hoch. Wie Sascha Weber, der aufgrund die Bundesliga-Saison für die U19 noch spielen konnte. Dann kam er als dritter Torwart zu den Senioren, hörte aber nach der Saison wegen seines Studiums auf.

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