Leichtathletik

Wadsworth im Sprinter-Maracanã

Henry Wadsworth am Start bei der DM in Berlin für ABC Ludwigsburg (vorne; Rotes Trikot)

Henry Wadsworth am Start bei der DM in Berlin für ABC Ludwigsburg (vorne; Rotes Trikot)

Foto: Verein

Gevelsberg.  Einst zusammen bei den SE Gevelsberg, dann trennten sich die Wege. In Berlin trafen sich Wadsworth, Görlich und Oberlies wieder.

Wulf-Dieter Scheer jagt die Gruppe von jungen Athleten über die Laufbahn, der erfahrene Leichtathletik-Trainer fordert viel vom eifrigen Nachwuchs. Für was diese Förderung gut ist, sehen die Athleten Pascal Görlich, Florian Oberlies und Henry Wadsworth heute, denn alle drei trafen sich nun im Rahmen der Deutschen Meisterschaften wieder – und das an einer für Leichtathleten legendären Stelle.

Der Zufall wollte es einfach so. Henry Wadsworth und Florian Oberlies treffen, obwohl schon lange nicht mehr im gleichen Verein, auf der blauen Bahn des Berliner Olympiastadions aufeinander. Als Gegner, nicht wie lange Jahre zuvor gemeinsam bei den SE Gevelsberg. „Das wir uns hier wiedersehen, ist schon eine tolle Sache“, freut sich Henry Wadsworth, der aufgrund seines Studiums von Gevelsberg nach Mannheim zog.

Der Dank geht an den alten Trainer

Die Leichtathletik hatte in seinem Leben, neben der Musik, schon immer einen besonderen Stellenwert. Gemeinsam mit seinen Freunden von der SEG ist er auch in der Schule. Nach dem Unterricht am Gevelsberger Gymnasium geht es oft direkt in das nahe gelegene Stadion Stefansbachtal oder die Sporthalle West. Einer ist dabei immer da und treibt die jungen Sportler immer wieder aufs Neue zu neuen Höchstleistungen. „Das ist kein Zufall, das kann man ihm mit Sicherheit zuschreiben“, sagt Wadsworth über seinen ehemaligen Trainer Scheer.

In der Tat, waren bei den Deutschen Meisterschaften mit Oberlies, Görlich und Wadsworth mehrere Athleten, die früher für die SEG aktiv waren, vertreten. Görlich hatte sich wie Oberlies mit der Staffel vom LAZ Wuppertal für die 4x100-Meter-Staffel qualifiziert – doch wenige Tage vor dem bisherigen Höhepunkt seiner Karriere verletzt er sich, fällt aus und ist in Berlin zum Zuschauen verdammt.

Wadsworth hat sich nach dem studienbedingten Umzug nach Mannheim dem ABC Ludwigshafen angeschlossen, dort hat er sich in den vergangenen zwei Jahren auf die Sprintdistanzen fokussiert. In Berlin startet er mit der Staffel in einem Lauf gegen die Abordnung aus Wuppertal. Wadsworth sorgt mit seinen schnellen Beinen dafür, dass die Ludwigshafener gut aus den Blöcken kommen, als er den Stab an seinen Vereinskollegen weitergibt, hat er auch das Rennen seines Freundes Florian Oberlies im Blick.

Wiedersehen im Call-Room

„Wir haben uns aber auf der Bahn dann nicht mehr gesehen, erst nach dem Rennen im Call-Room“, schildert Henry Wadsworth. Direkt gegeneinander liefen die beiden Freunde in Berlin nicht, denn Oberlies war Schlussläufer der Wuppertaler Staffel – die am Ende den letzten Platz belegt. Wadsworth wird mit der Ludwigshafener Staffel respektabler 21., so ganz zufrieden ist er mit diesem Ergebnis aber nicht wirklich. „Wir haben zwei Wechsel ein wenig versaut, da hätten wir noch etwas mehr rausholen können“, sagt er.

Doch zu sehr möchte er den Blick zurück auf den Start in Berlin nicht trüben. „Das ist eine Ehre und ein Traum für jeden Athleten“, sagt der 21-Jährige. Was für Fußballer das Maracanã-Stadion ist, ist für deutsche Leichtathleten das Berliner Olympiastadion. Bei der ersten Teilnahme an einer Deutschen Meisterschaft und dann direkt auf der blauen Bahn. „Ein echter Glücksfall“, sagt Wadsworth – und damit hat er Recht. Denn die letzten deutschen Titelkämpfe im Olympiastadion lagen 33 Jahre zurück.

Ein Andenken an die Bahn hat sich der Student der Politikwissenschaften eher zufällig gesichert. „Unter den Schuhen ist noch ein bisschen blaues Granulat“, so Wadsworth. Ein Erinnerungsstück, dass der gebürtige Gevelsberger gut aufbewahren wird, auch wenn es nach dem Ende seines Studiums eventuell wieder in eine andere Stadt geht. Denn neben der Leichtathletik ist die Musik eine große Leidenschaft. Eine, die in den Überlegungen bezüglich seiner beruflichen Perspektive durchaus eine Rolle spielt. Klare Pläne für die Zukunft hat er im Zusammenhang mit der Leichtathletik: „Ich will noch einmal zu einer Deutschen Meisterschaft“, sagt Henry Wadsworth – auch wenn die dann nicht in Berlin stattfindet.

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