Schiedsrichter

Was junge Schiedsrichter antreibt

Robert Starke (VfB Schwelm) Schiedsrichter Fußball

Robert Starke (VfB Schwelm) Schiedsrichter Fußball

Foto: Jan Kumpmann / WP

Ennepe-Süd.  Sport ist die schönste Nebensache der Welt. Doch ohne Schiri geht es nicht. Was mit dem besonderen Hobby verbunden ist, erzählen drei Referees.

Schiedsrichter hatten es noch nie leicht, egal aus welcher Sportart sie kommen. Bei den Amateuren gelten sie als erste und letzte Instanz auf dem Spielfeld. Eine große Verantwortung. Es ist durchaus normal, dass immer mehr junge Sportinteressierte in die Rolle des Schiedsrichters schlüpfen. Wir haben uns umgehört bei Robert Starke (VfB Schwelm; Fußball), Jonas Urban (RE Schwelm; Handball) und Tobias Eicker (Barmer TV; Basketball) warum sie dieses Amt ergriffen haben, was besonders viel Spaß macht, welche Anforderungen es gibt, was sie nervt.

Chance, zügig aufzusteigen

Der 19-Jährige Robert Starke hat bis zum Ende der Jugend für den VfB Schwelm gekickt, hat sich jedoch bereits vor sieben Jahren entschieden, den Weg als Referee zu gehen: „Aus gesundheitlichen Gründen, weil ich Knieprobleme hatte. Ich hatte mir überlegt, was ich sonst noch machen könnte, dass mit Fußball zu tun hat”, so Starke. „Das Schiedsrichtern ist eine gute Möglichkeit, weiterhin hautnah deinen Sport zu erleben.“ Ein weiterer Aspekt war, dass er etwas dazu verdienen konnte. Für einen Jugendlichen ist das Geld, dass er gut gebrauchen kannst. „Ich habe mir gedacht, dass ich dann, wenn ich früh genug anfange als Schiedsrichter, in den Ligen relativ zügig aufsteigen kann. Das hat sich bewahrheitet”, so Starke weiter.

Er pfeift mittlerweile in der Bezirksliga. Sein Ziel ist, in denen nächsten zwei Jahren den Aufstieg in die Landesliga zu schaffen. Zu Beginn wurde Robert Starke mit entsprechenden Lehrgängen auf seine Schiedsrichter-Karriere vorbereitet. Das ist in jeder Sportart so. „Es ist ein stetiger Lernprozess.”, beschreibt Starke. Mit zunehmender Erfahrung erfolgt Verbesserung und der Aufstieg in höhere Ligen. Der Schwelmer nutzte auch, dass viele Vereine vermehrt auf ihre Spieler zugehen und für dieses Amt werben. Oft, weil in vielen Sportarten ein Mangel an Schiedsrichtern besteht.

In vier Jahren bis zur Regionalliga

Einen steilen Aufstieg hat Tobias Eicker vom Barmer TV geschafft. Der 19-Jährige ist in nur vier Jahren in der Basketball-Bezirksliga sowie beim Rollstuhlbasketball in der Regionalliga – also unmittelbar unterhalb der Zweiten Bundesliga – gelandet. Für ihn war es die Leidenschaft, die ihn zum Unparteiischen brachte. „Wenn du einmal auf den Geschmack kommst, als Schiedsrichter zu agieren, dann kannst du das auch nicht ablehnen“, sagt er. „Dann gibt es auch solche Dinge, wie hin und wieder von Zuschauern beleidigt zu werden oder Spieler, die verbal gegeneinander angehen. Das kann zwar in dem Moment nervig sein, ist jedoch schnell wieder vergessen und macht das Ganze erst recht so reizvoll.“ Eicker hebt dabei hervor, dass mit dem Amt man unendlich viele Leute kennenlerne. Das erweitere den Horizont. Er vermittelt allerdings auch die Erkenntnis, dass „Du Dir als Schiedsrichter ein hartes Fell zulegen musst, um wirklich bestehen zu können. Das Schiedsrichtern formt entsprechend den Charakter“. Nur ein Nebeneffekt ist für Tobias Eicker, dass „du gleichzeitig Geld verdienst“.

Falsche Entscheidungen verarbeiten

Eine Herausforderung sieht Eicker darin, im Spiel stets hochkonzentriert zu sein. Dazu gehört auch, falsche Entscheidungen zu verarbeiten. „Du musst daraus lernen und vor allem darfst du dir das nicht zu nahe kommen lassen“, sagt der Basketball-Referee. „Wenn du Schwäche zeigst, dann nutzen das die Teams sofort aus. Du musst versuchen, dir deine Unsicherheit bei einzelnen Situationen nicht anmerken zu lassen.“ Der Punkt sei, dass der Schiedsrichter nicht ausgewechselt werden könne, sondern mental sowie körperlich durchhalten muss.

Stets das Neue annehmen, in kürzester Zeit Entscheidungen auf den Punkt bringen, so dass die Spieler es akzeptieren. So sieht es Robert Starke. Überdies die Chance, sich stets zu verbessern, sie der VfB-Schiedsrichter als positiv: „Du hast kein Spiel wo du sagst, dass es perfekt war. Du hast immer irgendwelche Sachen, die externen Leuten auffallen, die du verbessern kannst“, so der Schwelmer. „Das in den nächsten Spielen umzusetzen, ist der größte Reiz.“

Es wird hitziger und aggressiver

Jonas Urban ist Handballer bei RE Schwelm, auch der 17-Jährige ist mittlerweile an der Pfeife. Und er findet Spaß daran, Zeit in dieses Hobby zu investieren. Er fragt sich aber auch, „warum du als Schiedsrichter immer dermaßen angefeindet wirst. Die größer werdenden Aggressivität macht das das Spiel hitziger. Ist der Schiedsrichter angespannt, entstehen mehr Fehler, auch bei guten und erfahrenden Schiedsrichtern“, weiß Urban. Das sei ein Grund, warum immer häufiger Schiedsrichter fehlen. Urban: „Deswegen sehe ich Vereine, aber auch Zuschauer und Spieler sowie andere Schiedsrichter in der Verantwortung, mehr Werbung für Schiedsrichter-Ausbildungen zu machen.“ Der Schwelmer Handballer will weiter aufsteigen. Mittlerweile ist er in der zweiten Saison im Bezirkskader. Er sieht, dass mit dem Aufstieg auch die Anforderungen größer werden. „Man merkt, dass jede Entscheidung mehr Gewicht hat.

Viele Schwierigkeiten beziehungsweise die Herausforderungen sind es, die sich das Schiedsrichter-Trio stellt. Und jeder von ihnen will so lange wie möglich als Unparteiischer Spiele im Fußball, im Handball oder im Basketball leiten. Glück und Können sind die Sachen, die zum Aufstieg nötig sind. Das weiß Robert Starke. Das spornt aber auch an, um lange zu bleiben. „Ich glaube, in einer sehr hohen Liga zu pfeifen, das möchte jeder Schiedsrichter am Anfang“, so Starke. „Ich kann nur empfehlen, als Schiedsrichter früh anzufangen.“

Ein Ende ist nicht abzusehen

Seit vier Jahren ist Tobias Eicker dabei, ein Ende ist nicht abzusehen. „Solange ich körperlich dazu in der Lage bin, werde ich dabei bleiben“, sagt er. „Vor allem im Rollstuhlbasketball sehe ich meine Chancen, wenn ich weiterhin konstante Leistungen bringe, in höheren Ligen zu pfeifen. Mein Ziel ist die erste Bundesliga des Rollstuhlbasketballs.“

Grundsätzlich ist ein Schiedsrichter-Ende auch bei Jonas Urban nicht zu erkennen. Allerdings: „Es kommt darauf an, wo ich nach dem Abitur studieren werde und wie mein späterer Beruf aussieht. Davon hängt auch ab, wie viel Freizeit ich an Wochenenden haben werde.“ Bleibt er Handball-Schiedsrichter, sind die Ziele wie auch die seines Gespann-Partners ehrgeizig. Denn „irgendwann möchte ich in der 3. Liga oder noch höher pfeifen. Aber da muss man erst einmal hinkommen.“

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