Erfolgreiche Leute – und heute?

Youngster begründen neue Epoche

Einst erfolgreicher Spieler der SE Gevelsberg, dann Westfalenpokalsieger als Trainer mit der JSG Gevelsberg-Silschede: Michael Pasch

Einst erfolgreicher Spieler der SE Gevelsberg, dann Westfalenpokalsieger als Trainer mit der JSG Gevelsberg-Silschede: Michael Pasch

Foto: Archiv / Ralf Sichelschmidt

Gevelsberg.  In unserer zweiten Folge der Serie „ein erfolgreiche junge Leute – und heute? blicken wir auf den Westfalenpokal-Sieger JSG Gevelsberg-Silschede.

Es ist schon ein wenig her, dass so viele Zuschauer bei einem Handballspiel in Gevelsberg waren. Und schon gar bei einem Jugendspiel waren wohl noch nie so viele Besucher in der Halle West. Doch im März 2000 ändert sich das, nach langen Jahren des Stillstands tut sich wieder etwas im Gevelsberger Handball. Es sind damals aber nicht die ersten Herren in der Bezirksliga, die für ein fast ausverkauftes Haus sorgen. Auf dem Parkett steht eine Schar an jungen Sportlern, die mit ihren Erfolgen die erfolgreichste Epoche im Hallenhandball einläuten.

Schlechter Start

„Das war schon eine große Nummer“, sagt Moritz Vogel, seinerzeit Torwart der A-Jugend, die sich erst selbst zum Südwestfalenmeister kürt und dann auch noch den damals noch ausgespielten Westfalenpokal gewinnt. Womit damals keiner so wirklich gerechnet hat, schließlich starteten die Gevelsberger denkbar schlecht in die Spielzeit in der Bezirksliga. Zwei Niederlagen setzte es direkt zum Start in die Saison.

Doch das Team um den damaligen Trainer Michael Pasch berappelt sich und bleibt in der Folge bis zum Saisonfinale ungeschlagen. „Wir waren handballerisch nicht die beste Truppe, dafür waren wir eingespielt und hatten einen großen Zusammenhalt”, erinnert sich Moritz Vogel an diesen besonderen Teamgeist. Familie und Freunde werden nach dem überraschenden Titel in der Bezirksliga Südwestfalen mobilisiert, um bei den K.o.-Spielen gegen die Sieger der anderen Bezirksliga-Staffeln für einen Hexenkessel zu sorgen.

Hexenkessel Gevelsberg West

Auch dank des Hexenkessels setzen sich die Gevelsberger damals durch, schlagen den klar favorisierten TV Jahn Dellwig im Finale und krönen sich selbst zum Westfalenpokalsieger. Das Team damals war gespickt mit Talenten, die es Jahre zuvor in Gevelsberg so nicht gegeben hat -- entsprechend groß war damals auch die Hoffnung, mit diesem Team wieder an die erfolgreichen Zeiten aus der Vergangenheit anknüpfen zu können. Einige Spieler von damals wie Jan Lindemann, Nikolai Quabeck oder Florian Schlabach wagen nach den Titeln direkt den Sprung in die erste Mannschaft der neugegründeten HSG. Diese wird damals noch von Willi Vitte trainiert.

Die Guten für die Erste

„Die sehr guten sind in die Erste gegangen, die Normalsterblichen haben in der Zweiten Erfahrungen gesammelt”, erinnert sich Frank Rösner an die Aufteilung damals. Doch es dauert gerade einmal eine Spielzeit, bis im Gevelsberger Handball die Weichen für den Erfolg gestellt werden. Auf Vitte folgt Wolfhard Lache als neuer Übungsleiter, er legt damals beide Mannschaften in der Vorbereitung zusammen und bildet aus den besten Spielern das neue Aushängeschild des Vereins.

Mit Spielern wie Jan Maenz, Christian Pottkämper oder Jens Wiegand gelingt 2004 der Sprung in die Landesliga, einige dieser Spieler sind auch noch 2008 bei dem Aufstieg in die Verbandsliga mit am Ball. Danach übernehmen andere das Zepter, der Verein schafft, unter anderem noch mit Pottkämper als wichtige Stütze, den Aufstieg bis in die Oberliga.

Familie steht mehr im Fokus

Doch selbst „Potti” tritt inzwischen kürzer, seine Mitspieler von damals sind bereits seit einigen Jahren nicht mehr aktiv. „Ne, ich habe nicht vor, nochmal anzufangen”, sagt beispielsweise Jan Maenz, über lange Jahre der beste Torschütze im Gevelsberger Handball. Inzwischen stehen andere Dinge im Fokus. Beruf, Familie und Hobby sind für alle unterschiedlich wichtig geworden, fast alle sind heute selbst glückliche Eltern. Gespräche mit Frank Rösner oder Jan Lindemann werden immer wieder durch die Geräusche der Kinder im Hintergrund unterbrochen.

Nachdem für viele der Handball lange im Mittelpunkt der Freizeitgestaltung stand, sind es eben nun die Termine mit den Kindern oder berufliche Verpflichtungen, die einige Zeit einnehmen. Einige spielen noch zusammen in der ersten Mannschaft, andere steigen zwei Mal mit der Reserve in die Bezirksliga auf. Niki Quabeck zog es zum CVJM Gevelsberg, auch Jan Lindemann ist für ein paar Jahre für den „Cevi” aktiv. Wiederum andere wie Benjamin Lorch oder Jan Maenz hängen die Schuhe schon etwas früher an den Nagel und widmen sich anderen Verpflichtungen.

Aus den Augen verloren hat sich das damalige Erfolgsteam aber keineswegs. Einige wie Jens Wiegand oder Moritz Vogel sind immer noch aktiv, spielen aber nur „just for fun”, nur noch weil die Leidenschaft nie so wirklich verfliegt. Vor neun Jahren, als sich die beiden Titel aus dem Jahr 2000 zum zehnten Mal jährten, trafen sich die Spieler gemeinsam im „Rhodos” und ließen die guten alten Zeiten noch einmal aufleben. Samt Bildern und Zeitungsberichten von damals – aus der Zeit, als die Renaissance des Gevelsberger Handball begann.

Mama Lindemann stellt den Strom ab

In diesem Rahmen kommen natürlich auch die Geschichten rund um die Feierlichkeiten noch einmal auf den Tisch. Bei Familie Lindemann im Keller wird unweit der Halle die Nacht zum Tag gemacht, als die ersten Sonnenstrahlen auftauchen, stellt Mutter Lindemann den Strom aus – für sie wurde es schlichtweg zu laut. Auch diverse Abende aus den Jahren danach sorgen für Lacher, denn kaum einer der damals aktiven Spieler stand nicht einmal auf dem Dach der Garage von Familie Wiegand und zeigte sein mehr oder minder vorhandenes musikalisches Talent.

Treffe nach 20 Jahren möglich

Ein weiteres Treffen zum 20-jährigen Jubiläum wünschen sich alle Spieler. Ob es dann noch einmal zu gemeinsamer Zeit auf dem Spielfeld kommt, ist höchst fraglich – auch wenn die Ideen dafür tatsächlich bestehen. „Damals kam die Idee auf, eine Alteherren-Mannschaft aufzumachen. Mit allen Spielern von früher“, sagt Quabeck. „Vielleicht kommt die Idee dann wieder auf.”

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