Fußball-Regionalliga

Gefühlter Sieg für die Rot-Weissen

köln.   Nach dem 0:0 schlichen die Spieler des Spitzenreiters Viktoria Köln wie Verlierer vom Platz. Dabei hat sich ihre Lage weiter verbessert.

Nach der Partie im Sportpark Höhenberg deutete Ostersonntag nichts auf einen souveränen Tabellenführer hin. Mike Wunderlich, den man vor einer Dekade noch als jungen dynamischen Mittelfeldmann bei RWE kannte, und Felix Backszat hockten nach dem 0:0 wie zwei Trauerklöße auf einer wackligen Ersatzbank und stierten vor sich hin. Auch der sportliche Leiter Franz Wunderlich war schon mal besserer Laune: „Na klar kann man sagen, es sind Profis, aber es sind auch nur Menschen. Nach dem 0:4-Halbzeitstand in Oberhausen wussten auch sie um die große Chance, sich auf sechs Punkte abzusetzen.”

Nur Vereinsmogul Josef Wernze stand wie immer im akkuraten Zweireiher auf dem Spielfeld und lächelte in sich hinein. Der Mann ist vermögender Finanzdienstleister und kennt sich mit Zahlen aus: Vier Punkte Vorsprung und das bessere Torverhältnis gegenüber RWO -- vier Spieltage vor Schluss. Wernzes Lebenstraum ist endlich zum Greifen nah.

Korczowski eilte Becker zur Hilfe

Außerdem, gab Wunderlich senior noch zu bedenken, habe man ja nicht gegen “irgendwen” gespielt. Und so konnte man das torlose Remis durchaus als Teilerfolg betrachten. Denn die Gäste machten es hinten heraus richtig gut, waren wachsam bis zur letzten Spielminute und hielten diszipliniert ihre Positionen. Für Fußballfreunde der gepflegten Abwehrkunst war es ein echter Feinschmecker. „Was Engagement, Einsatz und Leidenschaft anbetrifft bin ich mit der Mannschaft wirklich sehr zufrieden. Im Spiel gegen den Ball haben wir es sehr sehr gut gemacht”, hob Trainer Karsten Neitzel das Positive bei diesem ansehnlichen Torlos-Spiel hervor.

Dem RWE-Coach hat besonders gefallen, wie sich einzelne Spieler gegenseitig geholfen haben. Dabei muss ihm nach 53 Minuten wahrlich das Herz aufgegangen sein: Als der Ex-Rot-Weisse Sven Kreyer seinen Gegenspieler Timo Becker, der bekanntlich von höheren Aufgaben träumt, an der Außenlinie durch eine einfache Körpertäuschung wie einen blutigen Anfänger aussehen ließ, rauschte aus der Ferne Noah Korczowski heran und bügelte den Fauxpas seines Kollegen bei einer Wahnsinns-Grätsche mit meterlangem Anlauf wieder aus. Die Mannschaft präsentierte sich auch kurz vor Saisonschluss als echtes Team und ließ sich im Aufstiegsrennen der anderen nichts nachsagen – darauf allein kam es an diesem Spieltag noch für sie an.

Die Null steht – leider auch vorne

Gut, nicht alles, was Viktoria fabrizierte, war restlos zu löschen, dafür ist die Kreativität eines Kevin Holzweiler oder Albert Bunjaku dann doch zu herausragend für diese Liga. Aber die wenigen Chancen durch Wunderlich (19.), Backszat (23.) oder nach dem Wechsel durch Tim Golley (48.), als Torhüter Robin Heller ein einziges Mal nicht festhalten konnte und die Kugel für bange Sekunden durch den Torraum flipperte, sind dann wohl doch nicht zu verhindern.

Weiter vorne sieht die Sache schon anders aus. Bei den Rot-Weissen stand nun das vierte Mal in Folge -- rechnet man das Pokalspiel ein - die Null, leider auch im Angriff.

Gegen Wattenscheid mal wieder das Tor treffen

Ein Schüsschen von Jonas Erwig-Drüppel (41.) und ein Sololauf von Enzo Wirtz in der Schlussphase, dem im Abschluss dann doch ein paar Körner fehlten, war die einzig ernsthafte Ausbeute im Offensivbereich.

Schwer zu sagen, ob da noch für das sportliche Gespann Neitzel und seinen neuen Sportdirektor Jörn Nowak Handlungsbedarf besteht, immerhin schaut mit Kevin Freiberger, Florian Bichler und Max Wegner erstklassiges Offensivpotenzial momentan zu. Sturm-Legende Marcel Platzek rennt viel und bemüht sich, ist aber noch meilenweit von der alten Torgefährlichkeit von vor seiner Verletzung entfernt. „Wir kriegen es gut hin zu Null – aber jetzt sollten wir auch langsam mal wieder ein Tor machen”, so Neitzel. Beste Gelegenheit bietet sich nun nächsten Montag im live übertragenen Heimspiel gegen Wattenscheid 09.

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