Frauenfußball

Lena Oberdorf von der SGS Essen erlebt Jahr der Superlative

Lena Oberdorf erzielte beim letzten Heimspiel der SGS gegen Leverkusen zwei Tore (r. Karoline Heinze).

Lena Oberdorf erzielte beim letzten Heimspiel der SGS gegen Leverkusen zwei Tore (r. Karoline Heinze).

Foto: Michael Gohl

Essen.  Mit 16 Jahren kam Lena Oberdorf im Vorjahr nach Essen und startete durch. Zum Saisonauftakt gegen Leverkusen will sie eine Rechnung begleichen.

Mit gerade einmal 16 Jahren kam Lena Oberdorf im Vorjahr zur SGS Essen und betrat gewissermaßen Neuland. Denn bei der TSG Sprockhövel und vorher beim TuS Ennepetal hatte sie bis dato noch mit Jungs zusammengespielt. Nun aber folgte der Schritt zum Frauenfußball. Langsam sollte Oberdorf an die Bundesliga herangeführt werden. Doch dieser Plan scheiterte. Denn die Schülerin startete voll durch: Erst Stammkraft in Essen, dann Nationalspielerin, WM-Fahrerin und nun bekam sie auch noch die Fritz-Walter-Medaille der besten Talente in Silber verliehen.

„Ich habe das alles noch gar nicht richtig realisiert“, strahlt die Newcomerin. „Bei meinem Bundesliga-Debüt habe ich gegen Duisburg gleich zwei Tore gemacht. Danach ging irgendwie alles Schlag auf Schlag und die guten Nachrichten hörten gar nicht mehr auf.“

Als Bundestrainerin anrief, war Lena Oberdorf sprachlos

Eine aber ist in besonderer Erinnerung geblieben: Oberdorf saß im Mathe-Unterricht und sah auf ihr Handy. Zwei Anrufe von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg hatte sie verpasst. Beim Rückruf ahnte die Essenerin nichts von einer WM-Nominierung, sondern dachte, sie solle auf Abruf bereitstehen.

Als die Bundestrainerin dann aber trocken zur Berufung gratulierte, fiel Oberdorf aus allen Wolken. „Sie hat irgendwann gefragt, ob ich noch dran bin. Ich habe nur gesagt: Ja, aber ich habe keine Worte.“ Im Turnier wurde Oberdorf dann zur jüngsten deutschen Spielerin bei einer WM und löste die bisherige Rekordhalterin ab: Birgit Prinz. „Einfach krass.“

Dass sie sowohl beim DFB als auch bei der SGS stets die Jüngste ist, fällt allerdings kaum auf. Vielleicht gerade, weil sie so lange mit Jungs zusammengespielt hat. „Ich konnte viel lernen, was Robustheit und Zweikampfhärte angeht. Das ist heute ein Vorteil für mich.“ Dazu ist Oberdorf unglaublich flexibel: Bei der SGS lief sie in der Innenverteidigung, im Angriff sowie im defensiven und offensiven Mittelfeld auf. „Hauptsache, ich spiele zentral. Sonst schränkt mich die Außenlinie so ein“, sagt sie und lacht.

Nationalspielern baut im nächsten Jahr ihr Abitur

Beim DFB hat sie aber auch das gemeistert. Doch die WM bedeutete für Oberdorf auch, dass sie fast ein Jahr durchspielen musste. Dazu der schulische Stress: Denn die Nationalspielerin baut zusätzlich auch noch ihr Abi. Im kommenden Jahr soll es soweit sein. In Essen bekam sie deshalb Sonderurlaub, um die Akkus wieder aufzuladen. Die Zeit verbrachte sie gemeinsam mit den Eltern und ihren Geschwistern auf Texel.

Aber nicht ohne Ball. Anders geht es in einer so sportbegeisterten Familie gar nicht: Bruder Tim wechselte jüngst zu Fortuna Düsseldorf und spielt dort für die Zweiten. Schwester Julia kickt für den FC Silschede, den Heimatverein von Nationalspielerin Alexandra Popp. Mutter Bettina dagegen ist ehemalige Siebenkämpferin und gehörte einst zur nationalen Spitze. „Deshalb habe ich früher auch mit Leichtathletik angefangen. Aber Fußball fand ich besser, weil da immer was Neues passiert“, sagt das jüngste Familienmitglied.

Bodenhaftung hat die Essenerin trotz aller Superlative nicht verloren

An Bodenhaftung hat Oberdorf nach diesem von Superlativen geprägten Fußballjahr nicht verloren. Ziele formuliert sie voller Zurückhaltung. Sowohl die eigenen als auch die mit der SGS: „Ich möchte mich weiter etablieren und bin kein Fan von Karriereplänen. Ich konzentriere mich aufs Jetzt.“ Und da steht am kommenden Sonntag (14 Uhr, Hafenstr.) zum Liga-Auftakt das Heimspiel gegen Bayer Leverkusen an.

Da gibt es noch eine offene Rechnung. „Am letzten Spieltag der Vorsaison haben wir dort verloren und damit Platz drei verschenkt. Es wäre quatsch, wenn ich sage, dass ich mich darüber nicht noch ärgern würde“, erklärt Oberdorf. Aber an das Hinspiel im eigenen Stadion wird sie sich sicher auch noch erinnern. Das nämlich gewann die SGS mit 5:0 und Oberdorf schoss zwei ihrer neun Saisontore. Nur Lea Schüller war mit 14 Treffern erfolgreicher. Aber die durfte ja auch immer im Angriff spielen.

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