Frauenfußball

SGS Essen will es ohne die Männer schaffen

Schaffte auch ohne Männerprofi-Unterstützung den Weg in die A-Nationalmannschaft:  Lena Oberdorf (rechts) beeindruckte bei Fußball-WM.

Schaffte auch ohne Männerprofi-Unterstützung den Weg in die A-Nationalmannschaft: Lena Oberdorf (rechts) beeindruckte bei Fußball-WM.

Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Essen.  Nur vier Vereine in der Frauenfußball-Bundesliga sind nicht dem Männerprofibetrieb angeschlossen. Essenerinnen hegen keine Abwanderungsgedanken.

Turbine Potsdam, SC Sand, USV Jena und die SGS Essen sind die großen Ausnahmen. Nur noch diese vier kämpfen ab der kommenden Saison ohne Unterstützung eines Männerprofibetriebs im Rücken in der Frauenfußball-Bundesliga um Punkte. Zuletzt schloss auch der Rekordmeister 1. FFC Frankfurt den Deal mit der Eintracht ab und wird ab 2020 dann auch offiziell den Adler tragen. Es zeichnet sich ein Trend ab, über den man in Essen nicht besonders glücklich sein kann.

Die Vorteile eines Zusammenschlusses mit männlichen Profi-Teams liegen auf der Hand: Die Infrastruktur ist besser ausgebaut und mit vergleichsweise geringem finanziellen Aufwand kann im Frauenfußball ein großer sportlicher Ertrag erreicht werden. Bayern München und der VfL Wolfsburg haben das längst erkannt und dominieren seit Jahren die weibliche Eliteliga. In Essen verspürt man zwar aktuell keine Zukunftsängste. Schließlich erreichte der Klub von der Ardelhütte zuletzt mit dem zweitniedrigsten Etat, so Aufsichtsratschef Dirk Rehage, den vierten Platz.

Und auch sonst leistet der Klub beachtliche Arbeit: So stellte Schönebeck bei der zurückliegenden WM in Marina Hegering, Lea Schüller, Turid Knaak, Lena Oberdorf und der mittlerweile nach München gewechselten Linda Dallmann fünf Spielerinnen für das DFB-Aufgebot in Frankreich ab. Nur der FCB war stärker vertreten. „Wir trauen uns weiter zu, da mitzumischen“, sagt er. Aber das dürfte künftig immer schwieriger werden.

Die finanzielle Kluft wird weiter steigen

Natürlich muss man langfristig um die Wettbewerbsfähigkeit fürchten, wenn die finanzielle Kluft noch weiter steigt. Der Druck von unten ist schon jetzt spürbar: Aktuelles Beispiel ist RB Leipzig, das den Frauenfußball für sich entdeckt hat und langfristig in die Eliteliga vorrücken möchte. Der Regionalligist verstärkte sich dafür prominent mit der Ex-Nationalspielerin Anja Mittag und der früheren Champions-League-Siegerin Anna-Felicitas Sarholz. Die SGS muss also mit Weitsicht planen.

Der DFB will dem englischen Vorbild folgen

Erst recht, wenn der DFB nach englischem Vorbild per Lizenzauflage beschließt, dass sich alle männlichen Profivereine auch der Förderung des Frauenfußballs verpflichten müssen. Spätestens dann dürfte die sportliche Existenz in der Eliteliga für die SGS zu einer Herkulesaufgabe werden. „Wenn es so kommt, haben wir einen Plan B in der Tasche“, beruhigt Rehage, der aber „keine Details“ nennen möchte. Dass der Verein zuletzt im Rahmen einer möglichen Eingliederung mit Borussia Dortmund und Schalke 04 in Verbindung gebracht wurde, entbehre hingegen jeglicher Grundlage.

„Wir stehen voll zu Essen und hegen keinerlei Abwanderungsgedanken“, bekräftigt der Aufsichtsratschef. Gespräche mit Schalke habe es jedoch gegeben. Allerdings bereits vor zwölf Jahren. Die SGS war damals frischgebackener Erstligist. „Es ging lediglich darum, wie sich in einem Verein die Gemeinnützigkeit mit einem wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb vereinbaren lässt, ohne dass das eine das andere gefährdet“, so Rehage. Aktuell gebe es keine Gespräche, sondern den Wunsch, auch auf lange Sicht konkurrenzfähig zu bleiben. Das aber bedürfe der Unterstützung der Stadt bei der Optimierung der Infrastruktur.

Die Raumerstraße soll die sportliche Heimat der SGS werden. Dafür seien allerdings Um- und Ausbaumaßnahmen der hiesigen Räumlichkeiten zu treffen. Denn neben dem höheren Etat verfügt die sportliche Konkurrenz der Essenerinnen auch hier bereits über bessere Voraussetzungen.

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