Handball

Tusem Essen startet mit Traditionsduell beim VfL Gummersbach

Kapitän Jonas Ellwanger (l.) ist nach einer Ellbogen-OP wieder an Bord.

Kapitän Jonas Ellwanger (l.) ist nach einer Ellbogen-OP wieder an Bord.

Foto: Michael Gohl

Essen.  Die Essener Zweitliga-Handballer haben sich viel vorgenommen. Wenn das Team funktioniert, hat es das Zeug, um den Aufstieg mitzuspielen.

Die Saison in der 2. Handball-Bundesliga beginnt an diesem Wochenende gleich mit einem Kracher. Tusem Essen tritt am Samstag beim VfL Gummersbach an (18.30 Uhr, Schwalbe-Arena). Was für ein Duell. Die älteren unter den Handball-Fans werden sich ganz sicher erinnern: Diese beiden Traditionsvereine haben sich manch heißen Kampf geliefert. In der 1. Bundesliga versteht sich, dort waren sie über Jahre dominant. Lange Zeit war Gummersbach sogar Deutscher Rekordmeister (jetzt THW Kiel), die Essener holten Ende der 80er Jahre immerhin drei Meistertitel.

Doch die Realität ist 2. Bundesliga. Wir haben das Team von der Margarethenhöhe vor dem Ligastart unter die Lupe genommen.

Vorbereitung: Kein Testspiel verloren

„Die Vorbereitung war sehr knackig“, sagt Torhüter Sebastian Bliß, der auf intensive und vollgepackte sechseinhalb Wochen zurückschaut. Trainer Jaron Siewert legte einen Schwerpunkt auf die Abwehrarbeit, aber natürlich auch auf die konditionelle Verfassung seiner Mannschaft. Beim Trainingslager im schwäbischen Abstatt standen unter anderem mehrere Ausdauerläufe und Krafteinheiten an.

Mit dabei war auch Jonas Ellwanger, der nach seiner Ellbogen-Operation wieder voll einsteigen konnte. Der Kapitän kam auch schon bei einigen Testspielen zum Einsatz und durfte sogar beim DHB-Pokal-Duell gegen Erstligist TSV Hannover-Burgdorf (25:34) ran. Diese Niederlage war die einzige, die der Tusem in der Vorbereitung kassierte. Alle anderen sieben Testspiele wurden gewonnen, darunter klare Erfolge gegen die Ligakonkurrenten Dormagen und Krefeld.

Die Stärken: Die Offensive war das Paradestück

In der vergangenen Saison hatte der Tusem die beste Offensive der Liga. Diesen Schwung scheint er mitgenommen zu haben, denn bislang kamen die Jungs von der Margarethenhöhe in den Tests auf 37,7 Tore pro Spiel. Dabei zeigte sich unter anderem Noah Beyer in guter Frühform. Der Linksaußen wurde zum Beispiel beim Riva-Handball-Cup als bester Schütze ausgezeichnet.

Der Tusem profitiert davon, dass das Team seit einigen Jahren eingespielt ist und nur wenige Spieler den Verein verlassen haben. Das Gerüst ist stabil und viele Abläufe sind gut aufeinander abgestimmt.

Die Schwächen: Die Abwehrarbeit muss sich verbessern

Zuletzt war die Abwehrarbeit der Knackpunkt. Denn mit im Schnitt 29,4 Gegentoren pro Spiel gehörte das Team zu einem der anfälligsten der Liga. Das machte sich gegen Ende der Hinrunde bemerkbar, als die Essener in einen Negativstrudel gerieten. Auch die Torhüter agierten oft unglücklich, weshalb nun intensiv an der Defensive gearbeitet wurde.

Ein Faktor wird zudem die Leistungskonstanz sein, da haperte es in den vergangenen Spielzeiten häufiger.

Die Neuzugänge: Kein Fremdkörper im Team

Vier Neuzugänge galt es zu integrieren. Laut Torwart Bliß hat das ohne Probleme funktioniert, „es war kein Fremdkörper dabei“. Frederik Genz (22, Füchse Berlin) zeigte bereits gute Ansätze im Tor, Rolando Urios (20, Füchse Berlin) ist ein Kraftpaket am Kreis und Nils Conrad (18, HC Rhein Vikings) wird ebenfalls das Torhütergespann ergänzen. Nachwuchshoffnung Laurenz Kluth (16, Bayer Dormagen) darf aus Altersgründen erst ab der Rückrunde zum Einsatz kommen.

Das Ziel: Bereit, oben anzugreifen

Die Verantwortlichen haben deutliche Worte gefunden: „Wir sind bereit, oben anzugreifen. Vielleicht gelingt es uns, den ganz großen Wurf zu landen“, sagt der Sportliche Leiter Herbert Stauber. Und auch Geschäftsführer Niels Ellwanger würde im Falle eines Aufstieges die Teilnahme an der 1. Liga nicht verneinen: „Darauf schielen wir.“

Ob dieses Vorhaben realistisch ist, wird sich zeigen. Mit dem Kader und den Voraussetzungen ist es auf alle Fälle möglich, in der Tabelle oben mit dabei zu sein.

Der erste Gegner: Gleich eine Standortbestimmung

Für den Tusem geht es zum Auftakt gegen den VfL Gummersbach, der sein erstes Zweitligaspiel der Vereinsgeschichte nach Einführung der Bundesliga 1966 absolviert. Der Bundesliga-Dino des Handballs beschritt zum ersten Mal den Weg in das Unterhaus, ist aber ambitioniert und motiviert, die unmittelbare Rückreise anzutreten.

Dafür haben sich die Gummersbacher prominent verstärkt. Unter anderem kam Torwart Filip Ilic vom polnischen Rekordmeister und Champions-League-Teilnehmer KS Kielce. Das Duell mit den Essenern ist eines zweier Traditionsmannschaften, die in den 1980er-Jahren zu den besten Deutschlands zählten. Chancenlos ist der Tusem gewiss nicht, die Partie dürfte eine gute Standortbestimmung für den Saisonverlauf sein.

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