Fußball

Von Essen aus in die weite Fußballwelt

Spielt in den Planungen des VfB Stuttgart schon eine zentrale Rolle: Der Ex-ETB-Spieler  Atakan Karazor (l.), hier gegen Innsbrucks Raphael Gallé.

Spielt in den Planungen des VfB Stuttgart schon eine zentrale Rolle: Der Ex-ETB-Spieler Atakan Karazor (l.), hier gegen Innsbrucks Raphael Gallé.

Foto: Maximilian Haupt / dpa

Essen.  Atakan Karazor, Timon Weiner und Oliver Steurer machen fernab der Heimat Fußballkarriere. Karazor spielt beim VfB Stuttgart zentrale Rolle.

Von Oliver Bierhoff bis Mesut Özil – viele Fußball-Promis haben eine Essener Vergangenheit. Der eine oder andere aus der Stadt könnte irgendwann in ihre Fußstapfen treten. Da wäre zum Beispiel der Altenessener Atakan Karazor, der in der U15 des ETB das Fußballspielen erlernte. Der 22jährige Shooting-Star von Zweitligist Holstein Kiel wechselte zusammen mit Trainer Tim Walter zum VfB Stuttgart. In den Vorbereitungsspielen des VfB Stuttgart nimmt er bereits eine zentrale Rolle ein und ist auch für die Spieler erster Ansprechpartner hinsichtlich der Taktik des neuen Trainers.

Als wir uns mit dem Mittelfeldspieler am Uhlenkrug treffen, fällt sein erster Blick sofort auf den Ascheplatz hinter der Haupttribüne. „Oh Mann, hier war ich seit fünf Jahren nicht mehr“, sagt er und denkt an seinen früheren Jugendtrainer: „Das Training unter Martin Annen war sehr wichtig für meine Entwicklung.“ Auch Annen, der ihn einst vom ESC Preußen Essen zum ETB holte, erinnert sich noch gut: „Er war nicht ganz so talentiert wie ein Jens Lehmann. Aber er stach mit der Zeit aufgrund seiner Spielintelligenz immer stärker hervor.“

Die Fortschritte bemerkte auch die Jugendabteilung des VfL Bochum, die ihn 2012 abwarb. Im System von Tim Walter ist „Ata“ nun für die zweiten Bälle zuständig. Doch wie der ehemalige RWE-Junior enge Situationen löst, lässt erahnen: Eigentlich ist er ein echter Straßenfußballer. Zusammen mit Bruder, Cousin und anderen Jungs aus der Nachbarschaft zog er früher los auf die Anlage des Vogelheimer SV. Sein Vater war meist im Schlepptau, selbst wenn der müde von der Arbeit kam: „Wir haben ihn nicht schlafen lassen und gesagt: ´Los, Fußball zocken!´“

Karazor ist ein Familienmensch durch und durch

Dem Vater ist Karazor heute noch dankbar. Der achtete stets darauf, dass sein Sohn den Weg der kleinen Schritte ging: „Viele meiner Kumpels, die sehr früh zu den ganz großen Vereinen gewechselt sind, wurden sehr schnell aussortiert.“Karazor ist „Familienmensch durch und durch“. Daher fielen ihm die Anfangsmonate schwer, als er 2017 von Dortmunds U23 nach Kiel wechselte und erstmals das Ruhrgebiet verließ. Geholfen haben ihm vor allem sein Berater Ersin Akan und sein älterer Bruder Kaan. Als „Ata“ sich im ersten Jahr sofort verletzte, verbrachte Kaan viele Tage in Kiel und sprach ihm Mut zu. Die Geduld zahlte sich aus: Über gute Auftritte in der U23-Mannschaft empfahl er sich für die Profis.

Beim Kieler Regionalliga-Nachwuchs machte auch sein Essener Kumpel Timon Weiner (20) auf sich aufmerksam, der als Stammtorhüter der Schalker A-Jugend vor einem Jahr zu den „Störchen“ wechselte. In der letzten Saison saß er bereits bei einigen Zweitliga-Spielen auf der Bank. Unter dem neuen Trainer Andre Schubert wird sich der U20-Nationalspieler, der alle DFB-Jugendteams durchlief, einen offenen Dreikampf mit Dominik Reimann und Ioannis Gelios liefern. „Mein Plan war, dass ich bei den Profis mittrainieren und Erfahrungen in der Regionalliga sammeln kann. Das habe ich geschafft“, sagt er. Auch er musste sich anfangs umstellen: „Das Training ist viel intensiver. Zudem gehen die Gegner körperlich härter zur Sache als in der A-Junioren-Bundesliga.“

Timon Weiner startete als Feldspieler in Holsterhausen

Ganz früher startete er übrigens als Feldspieler. 2003 begann er beim TuS Holsterhausen, weil sein drei Jahre älterer Bruder Jonas dort spielte. Erst in der U14 des MSV Duisburg wechselte er endgültig zwischen die Pfosten, nachdem er bereits in der U11 bei Rot-Weiss Essen immer wieder ausgeholfen hatte. Wenn er in Essen die Freundin besucht, schaut er immer noch regelmäßig beim TuS vorbei: „Hier habe ich vor zehn Jahren fast alle meine Freunde kennengelernt und freue mich immer, sie wiederzutreffen.“ Jonas ist dort bis heute mit Unterbrechungen aktiv und studiert Jura an der Ruhr-Universität Bochum. Auch Timon hat sich an einer Uni eingeschrieben, studiert Sportmanagement: „Mir wurde im Laufe der Zeit bewusst, wie viel Freizeit ich habe. Die wollte ich sinnvoll nutzen.“

Dass nicht immer alles nach Plan läuft, zeigt das Beispiel Oliver Steurer. Der frühere ETB- und RWE-Spieler wechselte 2018 von der U23 des BVB zum Zweitligisten 1. FC Heidenheim, kam jedoch nur selten zum Einsatz. „Die Mannschaft war erfolgreich. Da verstehe ich es auch, wenn der Trainer das Team nicht verändert“, beschreibt der 24-jährige Gelsenkirchener seine Situation unter Frank Schmidt.

Einst bei Rot-Weiss Essen aussortiert worden

Eine ähnliche Erfahrung machte der Verteidiger einst bei Rot-Weiss Essen, wo er sich als A-Junior nicht für die erste Mannschaft empfehlen konnte. „Solche Phasen machen dich im Endeffekt stärker“, sagt er. Wie sein Vorbild Mats Hummels bevorzugt Steurer auf dem Platz die elegante Lösung, aber er weiß auch: „Ich muss noch härter werden und es auch nach außen zeigen. Eigentlich ist das gar nicht meine Art.“ In jedem Fall möchte er „oberhalb der Regionalliga“ spielen. Momentan möchte Steurer in Heidenheim nicht mehr eingesetzt werden, er ist auch mit der Mannschaft nicht mit ins Trainingslager nach Österreich gefahren. Der Verteidiger möchte nach Auskunft des Vereins ausgeliehen werden, um mehr Spielpraxis zu bekommen.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben