Rot-Weiss Essen

Wegen Wechsel: RWE-Trainer Giannikis auf der Straße bepöbelt

Keine zwei Richtungen: Trainer Argirios Giannikis versichert, dass er sich weiterhin zu 100 Prozent für Rot-Weiss engagiere.

Foto: Thorsten Tillmann

Keine zwei Richtungen: Trainer Argirios Giannikis versichert, dass er sich weiterhin zu 100 Prozent für Rot-Weiss engagiere. Foto: Thorsten Tillmann

Essen.  Vor dem Spiel gegen Bonn berichtet RWE-Trainer Giannikis über anonyme Anrufe und Pöbeleien auf der Straße. Wechsel des Griechen steht fest.

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Noch einmal durchstarten, noch einmal einen guten Eindruck machen und erfolgreich sein, um die Fans halbwegs bei Laune zu halten. Das hat sich Fußball-Regionalligist Rot-Weiss Essen für den Rest der Rückrunde vorgenommen. Doch wenn am kommenden Freitag mit dem Heimspiel gegen den Bonner SC (19.30 Uhr, Hafenstraße) die Punktehatz wieder beginnt, wird es nicht leicht werden, auf Temperatur zu kommen, was nicht unbedingt am Winterwetter liegt.

Argirios Giannikis: Hoffnungsträger wird zum Buhmann

Die Rot-Weissen sind noch immer auf Trainersuche. Mitte Januar hatte Argirios Giannikis überraschend verkündet, dass er im kommenden Sommer nach nur drei Monaten schon wieder den Abflug machen werde zum Drittligisten VfR Aalen. Dabei hatte er sich gerade zum Hoffnungsträger aufgeschwungen, hatte das Team innerhalb kurzer Zeit stabilisiert und aus sechs Spielen 13 Punkte geholt.

RWE wollte mit diesem Fußballlehrer weitermachen, doch nun muss man sich schon wieder einen neuen Trainer suchen, der Giannikis umgehend ablösen soll. Nicht etwa, weil der Deutsch-Grieche das Kapitel Essen für sich bereits beendet hätte und sich hängen ließe. Dafür gibt es keinerlei Anzeichen. Nein, eher aus pragmatischen, vielleicht auch aus atmosphärischen Gründen. Die kommende Saison muss jedenfalls geplant werden, und das mit dem neuen Mann.

Giannikis auf der Pressekonferenz

Trainer Argirios Giannikis wird RWE im Sommer in Richtung Aalen verlassen. Auf der Straße wird er deshalb angepöbelt.
Giannikis auf der Pressekonferenz

Die Enttäuschung der Rot-Weissen über Giannikis’ Entscheidung ist verständlich. Gleichwohl haben die Verantwortlichen einen professionellen Umgang miteinander gelobt, was auch zu funktionieren scheint. Doch im Umfeld sind sie stinksauer. Was wird am Freitag im Stadion los sein? Ob sich Agi Giannikis Sorgen mache, angesichts der bevorstehenden Reaktionen auf den Rängen, wo ja schon häufiger mal die Grenzen des Anstands und der Würde gesprengt werden?

Trainer wurde an der Haustür beschimpft

Die Mannschaft, weicht der Coach zunächst aus, habe es verdient, bedingungslos unterstützt zu werden, damit sie das Spiel gegen Bonn gewinnt. „Wenn gegen mich im Stadion gerufen wird, ist das nicht schön, aber das ist mein Job, das gehört dazu, das kann ich ab.“ Es gab aber offenbar auch Anfeindungen im Privatleben: „Wenn du auf der Straße angepöbelt wirst, an der Haustür geklingelt wird und du wirst beschimpft, oder wenn du anonyme Anrufe bekommst, dann lässt mich das nicht kalt.“ Und noch einmal betont Giannikis: „Ich bin weiterhin zu 100 Prozent für Rot-Weiss Essen im Einsatz.“

Da überall bereits für die nächste Spielzeit geplant wird, müsste er doch auch an seinen neuen Arbeitgeber denken. „Bis zum 1.Juli sage ich nichts über Aalen“, entgegnet Giannikis und beteuert, dass seine Entscheidung für den Drittligisten die tägliche Arbeit in Essen absolut nicht tangieren werde. Und sollte bei RWE seine Meinung über mögliche Neuzugänge gefragt sein, werde er sich auch dazu äußern. „Mehr kann ich nicht machen.“

Die Antwort auf die Trainerfrage beschäftigt das rot-weisse Umfeld also derzeit fast mehr als der erste Regionalliga-Auftritt in diesem Jahr gegen Bonn. Am Dienstagabend tagte der Aufsichtsrat und man darf davon ausgehen, dass der Tagesordnungspunkt „Wer wird neuer Cheftrainer?“ ganz oben auf der Agenda stand. Nach der Flut von Bewerbungen gibt es nur noch einen engen Kandidatenkreis. Von drei Leuten war die Rede, Namen fielen natürlich keine. Offiziell. Joe Enochs, der noch bis 2020 beim VfL Osnabrück unter Vertrag steht, soll einer der Auserwählten sein.

Verhandlungen sind wohl zäher, als erhofft

Die Verhandlungen sind wohl zäher, als erhofft. Nehmen wir den Fall Enochs. Da er bereits bei einem Testspiel der Rot-Weissen gesichtet wurde, darf man ihm Interesse unterstellen. Doch er müsste seinen Vertrag in Osnabrück auflösen. Angesichts der langen Restlaufzeit von mehr als zwei Jahren wird es in diesem Fall wahrscheinlich finanzielle Hürden geben.

Die Essener wollen aber das Problem so schnell wie möglich aus der Welt schaffen, reinen Tisch machen und neu starten. Doch bei der ungewissen Sachlage, bleibt ihnen nichts anderes übrig, als geduldig zu sein, weiter zu verhandeln und sich notgedrungen vielleicht noch einmal anders zu orientieren. Die Trainersuche könnte womöglich noch ein Weilchen dauern.

Zu den Anfeindungen gegenüber Trainer Giannikis sagt RWE-Vorstand Marcus Uhlig. „Agi macht nach wie vor einen sehr guten Job. Ich kann nur appellieren, dass am Freitag gegen Bonn alle Emotionen positiv auf die Unterstützung unserer Mannschaft gelenkt werden. Alles andere schadet RWE nur.“

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