Coronavirus

Gelsenkirchen: Sportvereine werden um 22.000 Euro entlastet

Gelsensport-Präsident Jürgen Deimel (rechts) und -Geschäftsführer Marco Baron haben entschieden, den 190 Mitgliedsvereinen die Beitragszahlungen für das laufende Jahr wegen der Corona-Pandemie zu erlassen.

Gelsensport-Präsident Jürgen Deimel (rechts) und -Geschäftsführer Marco Baron haben entschieden, den 190 Mitgliedsvereinen die Beitragszahlungen für das laufende Jahr wegen der Corona-Pandemie zu erlassen.

Foto: Lutz von Staegmann

Gelsenkirchen.  Gelsensport-Präsident Deimel: „Wir wollen mit unserer Hilfe dazu beizutragen, dass unsere Vereine die Krise möglichst unbeschadet überstehen.“

Die Verbote der nordrhein-westfälischen Landesregierung wegen der Corona-Pandemie sorgen dafür, dass im Gelsenkirchener Vereinssport seit dem 15. März nichts mehr geht. „Dass ich eine solch dramatische Situation am Ende meiner 45-jährigen Amtszeit erlebe, hätte ich mir in meinen schlimmsten Alpträumen nicht vorstellen können“, sagt Jürgen Deimel, der in diesem Jahr sein Amt als Gelsensport-Präsident niederlegen will. „Wir wollen mit unserer finanziellen Hilfe dazu beizutragen, dass unsere Sportvereine die Krise möglichst unbeschadet überstehen und wir danach weiterhin 190 Mitgliedsvereine zählen werden.“

Im Klartext: Für das laufende Jahr verzichtet der Gelsenkirchener Stadtsportbund auf die Beitragszahlungen. Durch diese Entscheidung von Gelsensport werden die Sportvereine mit Beträgen zwischen 38 und 900 Euro entlastet. „Auch wenn viele kleine Klubs nur den Mindestbeitrag von 38 Euro zahlen, können wir in Summe trotzdem alle Vereine um 22.000 Euro entlasten“, sagt Gelsensport-Geschäftsführer Marco Baron, und er hofft, dass zumindest kurzfristig die finanzielle Not nicht zu groß ausfällt. „Bei uns haben sich bisher vor allem die Vereine gemeldet, die wegen Mieten und anderer Zahlungsverpflichtungen für vereinseigene Sportstätten große Sorgen haben. Der überwiegende Teil unserer Mitgliedsvereine betreibt seinen Sport aber in städtischen Sporthallen, Schwimmbädern und auf städtischen Sportplätzen, wofür die Vereine keine Mieten oder Nutzungsgebühren zahlen müssen.“

Marco Baron empfiehlt, die Soforthilfe des Landes in Anspruch zu nehmen

Gelsensport schließt sich mit seiner finanziellen Unterstützung einer Reihe von bereits vorhandenen Hilfspaketen und -maßnahmen an, die den rund 18.000 Sportvereinen in Nordrhein-Westfalen durch die Krise helfen sollen. „Es freut mich sehr, dass die Hilferufe aus dem Sport in Düsseldorf angekommen sind und der Landessportbund bisher mit guten Ergebnissen aus den Gesprächen mit der Staatskanzlei herausgegangen ist“, sagt Marco Baron. „Allen Vereinen, die derzeit keine Einnahmen erwirtschaften, beispielsweise aus dem Verkauf von Bratwürstchen und Kuchen, aus Eintrittsgeldern oder Teilnahmegebühren, Veranstaltungen oder ähnlichem, empfehle ich dringend, die Soforthilfe des Landes in Anspruch zu nehmen.“

Sportvereine mit wirtschaftlichem Geschäftsbetrieb sowie selbstständige Trainer und Übungsleiter können die NRW-Soforthilfe 2020 beim Wirtschaftsministerium des Landes online beantragen. Sportvereine, die die Voraussetzungen für die NRW-Soforthilfe 2020 nicht erfüllen, denen aber trotzdem eine Zahlungsunfähigkeit droht, werden ab dem 15. April über das Förderportal des Landessportbundes NRW einen Zuschuss beantragen können. Hierfür stellt das Land insgesamt zehn Millionen Euro zur Verfügung.

Jürgen Deimel: „Unsere Sportvereine haben ihren Charakter gezeigt“

Dass der ehrenamtlich organisierte Sport bei allen notwendigen Hilfen für die Wirtschaft ebenfalls berücksichtigt wurde, spiegelt seine hohe Bedeutung wider. „In Krisen zeigt sich der Charakter, war zuletzt oft zu hören. Unsere Sportvereine haben in den vergangenen Wochen durch verschiedene Aktionen ihren Charakter gezeigt“, sagt Gelsensport-Präsident Jürgen Deimel und weist auf die vielen Online-Angebote und Alltagshilfen hin, mit denen Sportvereine ihren Mitgliedern und anderen Menschen in Gelsenkirchen in der Krise zur Seite stehen.

Unbeantwortet bleibt weiterhin die Frage, ob und wann die Verbote für den Sport gelockert werden könnten. Marco Baron beobachtet dies mit Sorge. „Die getroffenen Maßnahmen waren notwendig und richtig. Keine Frage. Wir und auch unsere Sportvereine standen ab dem ersten Tag dahinter“, sagt er. „Verfolgt man nun die Expertenmeinungen, müssen wir jedoch davon ausgehen, dass wir ohne Einschränkungen nicht durch das Jahr kommen werden, bis entweder das Virus eingedämmt oder ein Impfstoff entwickelt sein wird.“

Gelsensport-Geschäftsführer: „Ich mache mir keine Illusionen“

Der Gelsensport-Geschäftsführer meint, dass der Landessportbund mit seinen Fachverbänden sowie Stadt- und Kreissportbünden sinnvolle Regelungen erarbeiten und der Regierung vorschlagen müsse, damit in den kommenden Wochen und Monaten auch wieder mehr Sport ausgeübt werden dürfe.

„Ich mache mir keine Illusionen“, sagt er. „Der Sport, so wie wir ihn kennen, wird in diesem Jahr vielleicht nicht mehr möglich sein. Aber ich kann mir sinnvolle Lösungen vorstellen, wie man Sportarten, bei denen es zwischen den Sporttreibenden einen natürlichen ausreichenden Abstand gibt, unter strengen Auflagen wieder erlauben kann. Es müsste dann aber auch allen klar sein, dass bestimmte Sportarten, bei denen direkte Kontakte unvermeidbar sind, wohl weiterhin nicht möglich sein werden.“

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