Basketball

Schalkes Trainer Wilder rätselt über letzte Minute

Trainer Raphael Wilder hebt sich seine Auszeiten immer bis ganz zum Schluss auf. Gegen die Artland Dragons half das trotzdem nicht.

Trainer Raphael Wilder hebt sich seine Auszeiten immer bis ganz zum Schluss auf. Gegen die Artland Dragons half das trotzdem nicht.

Quakenbrück.  Schalkes Basketballer sind in der 2. Bundesliga ProA auf einen Abstiegsplatz gerutscht. In den letzten Sekunden entglitt ihnen das Spiel.

Die königsblauen Korbjäger verloren ihr Auswärtsspiel bei den Artland Dragons 93:92 (45:50). Eine Minute vor der Schluss-Sirene hatten die Schalker noch mit 92:86 vorne gelegen, kurz davor waren sie sogar mit acht Punkten in Front - es roch förmlich nach dem dritten Auswärtssieg. Doch dann kam alles ganz anders.

„Ich habe so etwas noch nie erlebt“, war S04-Headcoach Raphael Wilder am Tag nach dem Spiel immer noch sichtlich niedergeschlagen, „meine Mannschaft kann die Vorgaben 38, 39 Minuten umsetzen, aber in der letzten Minute nicht. Die fünf Spieler, die kurz zuvor eine deutliche Führung für uns herausgespielt hatten, haben es zum Schluss nicht mehr hinbekommen.“

Wilder nahm in den letzten 60 Sekunden zwei Auszeiten, weil er genau weiß, dass sein Team gerade in dieser Spielphase zuletzt immer besondere Unterstützung benötigte. „Du sprichst mit den Jungs und sagt: Wir machen genau das gleiche, was wir vorher schon gemacht haben. Sie gehen zurück auf´s Feld und setzen das, was gerade besprochen wurde, nicht um. Und zwar genau die gleichen fünf Spieler, die vorher alles gut gemacht haben. Ich habe dafür keine Erklärung.“

Schalke hatte durchaus Möglichkeiten, die Begegnung endgültig zu entscheiden. „Wir haben in der Schlussphase bestimmt fünf Angriffe, bei denen uns kein Korb gelungen ist. Wenn wir da gepunktet hätten, wäre der Gegner zusammengebrochen“, stellt Wilder fest. Stattdessen kamen die Dragons, die im Endspurt auf ihren Center Robert Oehle, der wegen seines fünften Fouls raus war, verzichten mussten, wieder zurück und setzten sich am Ende sogar knapp durch. Jannes Hundt verwandelte zwei Freiwürfe zum 93:92.

Auch dieses Mal hatte Schalke mit Personal-Schwierigkeiten zu kämpfen. Johannes Joos spielte nach seinem Nasenbeinbruch zwar mit Maske, dafür hatte es Björn Rohwer erwischt. Das Abschlusstraining musste er wegen Wadenkrämpfen sausen lassen, reiste aber trotzdem mit nach Quakenbrück. Nach einer Behandlung vor Ort wurde es besser, so dass Rohwer immerhin rund zehn Minuten Einsatzzeit erhielt. Adam Touray, der zuletzt meistens zweistellig getroffen hatte, war gesundheitlich angeschlagen, stellte sich aber trotzdem zur Verfügung. Dazu war Jordan Spencer die komplette Woche nicht da. Raphael Wilder: „Das alles lasse ich nicht als Argument dafür gelten, dass man die letzten eineinhalb Minuten eines Spiels nicht zu Ende bringt.“ Am Montag folgt eine Videoanalyse. Schalkes Trainer wird vor allem das Schlussviertel in den Vordergrund stellen, um zu ergründen, wie der Bruch kurz vor dem Spielende zu erklären ist. „Jetzt habe ich noch keine Erklärung. Ich finde es als Trainer einfach deprimierend. Du merkst, wie begrenzt deine Möglichkeiten sind, Einfluss auf das Spiel zu nehmen. Trainer zu sein, ist eigentlich ein Traumjob. Aber du stößt irgendwann an deine Grenzen“, bilanziert Wilder. Der Routinier ist aber lange genug im Geschäft, um zu wissen, dass Rückschläge dazu gehören. Zuletzt waren sie in der Summe allerdings etwas viel. Deswegen macht sich der ehemalige Schwelmer auch keine Gedanken über angenehmere Tabellenregionen. „Wir sind ganz klar im Abstiegskampf. Um höhere Ansprüche anzumelden, muss man solche Spiele, die wir zuletzt verloren haben, gewinnen. Unser Saisonziel war von Beginn an, die Klasse zu halten. Ich muss zugeben: Wir stecken früher als gedacht im Kampf um den Klassenerhalt.“


Viertel: 19:23, 26:27, 21:23, 27:19

Schalke: Newkirk 16 (2), Hightower 10, Marley, Spencer 1, Joos 11 (1), Dunn 14, Touray 8, Szewczyk 7 (1), Rohwer 6, Belger 19.

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