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Warum Regionalliga-Bomber Alawie für Schalkes U23 spielt

Fußball ist sein Leben, sagt Muhamed Alawie. Seit Sommer ist sein Leben auch der FC Schalke 04.

Foto: Joachim Kleine-Büning

Fußball ist sein Leben, sagt Muhamed Alawie. Seit Sommer ist sein Leben auch der FC Schalke 04. Foto: Joachim Kleine-Büning

Gelsenkirchen.   Muhamed Alawie ist als Torschützenkönig der Regionalliga Südwest gekommen. Der 29-Jährige kennt seine Aufgabe und ist schon großer S04-Fan

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Muhamed Alawies Plan ging nicht ganz auf. Der Stürmer der Schalker U23 schlug dem WAZ-Fotografen vor, ihn doch einfach beim Torjubel zu fotografieren. Gejubelt haben die anderen. Gegen Westfalia Herne unterlag die Schalker U23 mit 0:2. Trotz der Niederlage ist der 29-Jährige davon überzeugt, dass seine Mannschaft den Aufstieg in die Regionalliga schafft. Dafür ist er im Sommer als Torschützenkönig der Regionalliga Südwest von Eintracht Trier zu den Königsblauen gewechselt.

Als Regionalliga-Torschützenkönig haben Sie sich im Sommer für einen Wechsel in Oberliga entschieden. Eher ungewöhnlich, oder nicht?

Alawie: Ich hatte viele Angebote und habe mir viele Gedanken um meine Zukunft gemacht. Ich hätte auch sofort in die 3. Liga wechseln können. Das Gesamtpaket auf Schalke hat mir aber am besten gefallen. Mit 29 Jahren bin ich nicht mehr der Jüngste. Sportlich war die Oberliga sicher nicht das, was ich mir vorgestellt habe. Aber die Aufgabe, die ich auf Schalke habe, die U23 als erfahrener Spieler zurück in die Regionalliga zu führen, ist hochinteressant.

Wie kam der Kontakt zustande?

Das lief zunächst über meinen Berater. Als er mich angerufen hat, habe ich mir gedacht: Schalke will mich, wie cool! Der Verein gehört zu den größten Klubs der Welt. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt gar nicht, dass die U23 in die Oberliga abgestiegen ist. Da musste ich erstmal schlucken. Aber nach den Gesprächen mit Manager Gerald Asamoah und unserem Trainer Onur Cinel war mir klar, dass ich nach Schalke möchte.

Wenn ein Verein wie Schalke anklopft, denkt man da nicht eher an Bundesliga-Fußball?

Ich kenne meine Aufgabe. Ich wurde geholt, um mit der Mannschaft in die Regionalliga aufzusteigen. Aber natürlich wäre ich bereit, für Schalke auch in der Bundesliga zu spielen, wenn es sich ergeben sollte.

Sie spielen mit vielen jungen Spielern zusammen, die allesamt den Traum haben, einmal Bundesliga zu spielen. Hat einer das Zeug dazu?

Wir haben viele hochtalentierte Spieler. Man muss nur einmal reinkommen, einen Fuß in die Tür bekommen. Denn jeder Spieler verbessert sich, wenn er mit einer Mannschaft trainiert, die ein höheres Niveau hat. Wenn es einer schafft, oben reinzukommen und sich mit seinen Qualitäten einzubringen, dann wird er es auch dauerhaft schaffen, bei den Profis zu spielen.

Hatten Sie selbst als junger Spieler diese Möglichkeit?

Nein, die hatte ich nicht. Ich habe keine Bundesliga-Schule genossen, habe nie in einem Nachwuchsleistungszentrum gespielt. Ich habe in der Jugend nur auf Dörfern gekickt und musste aufpassen, dass mich keine Kuh angreift, wenn ich den Ball mal wieder über den Zaun geschossen habe und ihn holen musste. Trotzdem bin ich in der Regionalliga Torschützenkönig geworden und hätte in die 3. Liga wechseln können. Deshalb gebe ich den Jungs auch mit auf den Weg, dass sie jeden Tag nutzen sollen, an dem sie die Möglichkeit haben, bei so einem großen Verein wie Schalke zu spielen.

Ist der Aufstieg in die Regionalliga mit einer so starken Mannschaft wie der Schalker U23 überhaupt zu verfehlen?

Wir werden aufsteigen, davon bin ich überzeugt. Obwohl wir in der Oberliga spielen, haben wir mindestens das gleiche Niveau wie die Mannschaften, mit denen ich bislang in der Regionalliga gespielt habe. Spielerisch sind wir sogar noch stärker. Vielen Spielern fehlt es aufgrund ihres Alters aber noch an Erfahrung.

Zu Beginn der Saison lief es gar nicht rund.

Die meisten Spieler haben noch nicht in der Oberliga gespielt. Wir haben uns schwer getan, weil die Mannschaften gegen uns noch mehr laufen, noch mehr kämpfen und sich meistens tief hinten reinstellen. Wir müssen noch ehrgeiziger sein als unsere Gegner, um in den Spielen die drei Punkte zu holen.

Sie selbst mussten schon zwei Mal auf der Bank Platz nehmen.

Ich bin traurig, wenn ich nicht spiele. Aber es geht um die Mannschaft, um unseren gemeinsamen Erfolg. Deshalb muss jeder sein Ego nach hinten schieben. Ich wurde als älterer Spieler geholt, um der Mannschaft auch neben dem Platz zu helfen. Der Trainer hat von Anfang an gesagt, dass er mich nicht an meinen Toren misst.

Apropos Trainer. Wie unterscheidet sich Onur Cinel von anderen Trainern?

Er ist unglaublich ehrgeizig. Selbst wenn wir zu Beginn des Training im Kreis spielen, will er uns verbessern. Er will jeden Spieler immer besser machen. Diesen Drang habe ich bei meinen vorherigen Trainern nicht so ausgeprägt gespürt. Ich habe in den vergangenen Jahren nicht so hart trainiert wie unter Onur Cinel, daran musste ich mich erstmal gewöhnen. Die Dosierung der Trainingseinheiten ist aber gut.

Waren Sie schon als Kind S04-Fan?

Als kleiner Junge war ich Fan des FC Bayern München. Aber jetzt bin ich natürlich großer Schalke-Fan. Ich bin bei fast jedem Bundesligaspiel im Stadion. Ich bin glücklich, wenn ich die Trainingseinheiten der Profis sehen kann. Auch wenn ich schon 29 Jahre alt bin, bin ich irgendwie noch ein Kind geblieben, was das angeht. Fußball fasziniert mich.

Wer gefällt Ihnen am besten?

Ich finde Amine Harit richtig gut. Der macht sich im Spiel nicht so viele Gedanken und dribbelt einfach drauf los. Er ist ein richtiger Straßenfußballer, das gefällt mir. Naldo beeindruckt mich mit seiner Routine. Jeder Spieler kann irgendetwas besonders gut, sonst wäre er nicht Profi auf Schalke.

Im DFB-Pokal haben Sie schon gegen den 1. FC Köln und Borussia Dortmund gespielt. Mit wem haben Sie das Trikot getauscht?

Mit dem SV Meppen habe ich in der 1. Runde gegen Köln mit 0:4 verloren, mit Eintracht Trier 0:3 gegen Dortmund, aber es waren trotzdem tolle Spiele. Um ein Trikot habe ich mich nicht bemüht, das ist nicht so mein Ding. Und ein Dortmund-Trikot hätte ich sowieso nicht angezogen. (lacht)

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