Fussball

Günther Risse nimmt Abschied von der internationalen Bühne

„Da kam der Poldi um die Ecke, und ich habe ihn mir gleich geschnappt“, schilderte Günther Risse die Umstände, wie er zu der Unterschrift des jetzt ehemaligen Nationalspielers Lukas Podolski gekommen ist. Foto: WalterFischer

„Da kam der Poldi um die Ecke, und ich habe ihn mir gleich geschnappt“, schilderte Günther Risse die Umstände, wie er zu der Unterschrift des jetzt ehemaligen Nationalspielers Lukas Podolski gekommen ist. Foto: WalterFischer

Hattingen.  Der ehemalige Bundesliga-Schiri kümmerte sich lange um die Betreuung der Unparteiischen. Aus Dortmund hat er jetzt etwas Besonderes mitgebracht.

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Der Fußball hat über Jahrzehnte hinweg sein Leben bestimmt. Der Hattinger Günther Risse war selbst aktiv am Ball, brachte es später als Schiedsrichter zu nationaler Berühmtheit, und schließlich engagierte er sich bei internationalen Begegnungen als Betreuer um die Unparteiischen.

So zum Beispiel beim Champions-League-Spiel von Borussia Dortmund gegen Monaco, und so auch beim Länderspiel Deutschland gegen England, das ebenfalls im Signal-Iduna-Park stattfand und das ein ganz besonderes Ereignis war. Denn es handelte sich zudem um das Abschiedsspiel von Lukas Podolski, von dem Günther Risse ein ganz spezielles Andenken mitgebracht hat. Nämlich ein für dieses Spiel gefertigtes Trikot der Nationalmannschaft mit dem Namenszug von Lukas Podolski. „Der Poldi kam nach dem Spiel um die Ecke, und da habe ich ihn mir gleich geschnappt und um seine Unterschrift gebeten“, sagt Günther Risse in seiner typischen sehr direkten und sehr humorigen Art. Dieses Trikot will er jetzt für einen guten Zweck versteigern, der Erlös soll der Hattinger Tafel zugutekommen.

In den 1970er und -80er Jahren einer der besten Schiris

Das Trikot ist gewissermaßen ein Abschiedsgeschenk, denn mit der Schiedsrichter-Betreuung bei internationalen Spielen will Günther Risse aufhören. Immerhin ist er inzwischen 80 Jahre alt, was man ihm nun wirklich nicht ansieht. „Die Schiedsrichter-Betreuung beim DFB hat Spaß gemacht, aber sie war auch ein Knochenjob. Pro Spiel war ich drei Tage im Einsatz“, sagt Risse, der in den 1970er und -80er Jahren eine der besten deutschen Schiedsrichter war. 56 Spiele in der 1. Bundesliga hat er gepfiffen - und das meist sehr souverän, wobei Risse auch von seiner Erfahrung als Fußballer profitierte. Bei Werden 80 hat er angefangen, später wechselte er zum ETB Schwarz-Weiß Essen, der im Jahr zuvor den DFB-Pokal gewonnen hatte. Später zog Risse dann nach Hattingen und spielte für den TuS, ehe eine schwere Verletzung seine Karriere beendete.

Overath und Breitner mit Gesprächsbedarf

Weil er dem Fußball verbunden bleiben wollte, widmete er sich der Schiedsrichterei und machte schnell Karriere. Den Großen der Fußball-Szene begegnete der Hattinger mit Gelassenheit. Zum Beispiel Wolfgang Overath oder Paul Breitner. „Die haben ständig auf mich eingeredet und wollten mich wohl beeinflussen“, sagt Risse, der ein gutes Händchen im Umgang mit den Stars hatte, weil er sie nicht als solche behandelte.

Ein Star war sicher auch David „Dave“ Vernon Watson – allerdings eher auf der britischen Insel. In der Bundesliga wollte er erst noch einer werden. Rudi Assauer, Schalkes Kult-Manager, der in der Saison 1979/80 noch in Diensten von Werder Bremen stand, hatte Watson an die Weser geholt und war richtig stolz auf diesen Transfer. In seinem zweiten Bundesliga-Spiel ging es für Watson und Werder im Olympia-Stadion gegen 1860 München. Schiedsrichter war damals Günther Risse, der Watson schon in der 35. Minute die Rote Karte zeigte.

Auslöser war Wattenscheids „Boss“ Klaus Steilmann

Die Strafe für den Briten fiel happig aus. 10 000 Mark musste er an Werder zahlen, und der DFB brummte ihm eine achtwöchige Sperre auf. „Er hat danach nie wieder für Bremen gespielt“, sagt Günther Risse und fügt dann mit einem Lachen hinzu: „Rudi Assauer war damals richtig sauer auf mich. Aber damit konnte ich leben, denn eigentlich hatte ich ein sehr gutes Verhältnis zu ihm.“

Nach seiner Karriere widmete sich Risse dann also der Betreuung der ehemaligen Kollegen. Klaus Steilmann, der „Boss“ der SG Wattenscheid 09, hat ihn damals angesprochen, und Risse sagte schnell zu, weil er den Kontakt halten wollte und weil er als geselliger Mensch, der er nun einmal ist, das persönliche Gespräch schätzt.

Thema ist natürlich meist der Fußball - und da speziell die Rolle der Schiedsrichter. Selbstdarsteller mag Risse überhaupt nicht. „Der beste Schiedsrichter ist der, den man gar nicht bemerkt“, sagt der 80-Jährige. Außerdem ist es nicht schlecht, wenn man früher selbst einmal gespielt hat. Und dann möglichst höher als in der Kreisliga C. Denn in den oberen Ligen geht es anders zu.“

Gebote per E-Mail an die Redaktion

Wer das Nationalmannschaftstrikot mit der Podolski-Unterschrift ersteigern will, sollte mit der Redaktion in Kontakt treten. Gebotemüssen allerdings schriftlich abgegeben werden - per E-Mail an redaktion-hattingen@waz.de. Wichtig: Neben dem Gebot müssen Name, Adresse und Telefonnummer angegeben werden.

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