Handball

Aus Breckerfeld in die Handball-Bundesliga

Auch mit 18 Führungsfigur auf dem Parkett: Die junge Breckerfelderin Hannah Kriese gibt beim BVB-Bundesligateam Anweisungen.

Auch mit 18 Führungsfigur auf dem Parkett: Die junge Breckerfelderin Hannah Kriese gibt beim BVB-Bundesligateam Anweisungen.

Foto: Axel Gaiser

Breckerfeld/Dortmund.  Den Sprung in die Handball-Bundesliga hat beim BVB die 18-jährige Breckerfelderin Hannah Kriese geschafft. Südafrika ist ihr nächstes Ziel.

Einen ehemaligen Olympia-Teilnehmer im Basketball hat Breckerfeld, auch einen aktuellen Bundesliga-Spieler unter den Körben. Und einen Ex-Weltmeister im Vierer-Bob der Junioren. Aber Handball? Das kann man in der Hansestadt im Verein gar nicht spielen. Dafür hat jetzt eine junge Breckerfelderin kurz nach ihrem 18. Geburtstag den Sprung in die Bundesliga geschafft: Hannah Kriese spielt mit Borussia Dortmund um die Europacup-Qualifikation, soll gleichzeitig als Spielmacherin die A-Jugend des BVB zum deutschen Titel führen. Und verabschiedet sich doch danach vorerst vom Hochleistungssport, geht nach dem Abitur nach Südafrika.

Ihrem Trikot sieht man an, dass Hannah Kriese bei den Bundesliga-Damen des BVB noch nicht etabliert ist: Über der Nummer 70 fehlt – im Gegensatz zu den Teamkolleginnen – ihr Namenszug. Doch wenn die junge Breckerfelderin von Trainer Gino Smits aufs Feld geschickt wird, nimmt sie gleich eine tragende Rolle in der Rückraum-Mitte ein, gibt den erfahrenen Nebenspielerinnen lautstark und engagiert Kommandos. „Eine Mannschaft zu führen, das macht mir Spaß, immer schon“, sagt Hannah Kriese, „auf die Position hat man mich schon beim TuS Volmetal gestellt.“

Von der F-Jugend bis zur D-Jugend machte sie die ersten Handball-Schritte in den gemischten Nachwuchs-Teams bei den „Talern“, ging dann im Sommer 2014 zu Borussia Dortmund. „Ich musste wechseln, weil es im Volmetal keine Mädchen-Mannschaft gab“, denkt sie zurück. Ein Jahr später wechselte die Breckerfelderin, bis dahin Schülerin in Halver, auch in die neunte Klasse an das gerade im Dortmunder Goethe-Gymnasium installierte Sportinternat am Olympiastützpunkt Westfalen. Ein Umzug auch wegen der vielen Fahrten zum Training beim BVB in der Jugend-Bundesliga, fast jeden Tag zwei Übungseinheiten, dazu zwei Spiele am Wochenende waren zuletzt ihr Handball-Alltag. „Durch das Internat gibt es viel mehr Möglichkeiten“, sagt Hannah Kriese, die mit Schule und Verein schnell zur deutschen Nachwuchs-Spitze gehörte. In jedem Jahr gewann das Dortmunder Internat den Bundeswettbewerb von „Jugend trainiert für Olympia“, 2018 wurde man bei der Schul-WM in Katar Vize-Weltmeister. Und mit der B-Jugend von Borussia Dortmund gewann die Spielmacherin parallel die deutsche Meisterschaft.

Ins Blickfeld beim Jugend-Nationalteam, bei dem sie zum erweiterten Kader gehört, geriet die Breckerfelderin so ebenso wie bei BVB-Bundesligatrainer Gino Smits. Schon das Trainingslager vor Saisonbeginn in Dänemark machte sie mit, beim Training danach war sie ebenfalls regelmäßig dabei. Und als Anfang März die Rückraum-Mitte-Spielerinnen Alina Grijseels und Caroline Müller verletzt ausfielen, gab sie beim Dortmunder 22:20-Sieg gegen die HSG Bad Wildungen ihr Bundesliga-Debüt. Nach einer Viertelstunde wurde Kriese in der Herdecker Bleichstein-Halle, in der der BVB in dieser Saison seine Heimspiele austrägt, eingewechselt – und blieb bis zum Ende auf dem Parkett. „Sie hat die Mannschaft dann an die Hand genommen und geführt“, sagte Trainer Smits den und lobte: „In dem Moment, in dem Hannah in die Partie gekommen ist, hatten wir mehr Struktur. Man merkt eben, wenn da eine Spezialistin steht. Und obwohl sie noch sehr jung ist, hat sie es sehr gut gemacht, sie hat unser Spiel gelenkt.“

Nach Abitur Handball nicht im Fokus

Die Nominierung habe sie schon etwas überrascht, räumt Hannah Kriese ein, doch die Mannschaft habe auch auf ihren Einsatz gedrungen: „Wir haben schon länger zusammen trainiert. Und an dem Tag hat relativ viel gepasst, das hat mir den Einstieg erleichtert.“ Von der BVB-Reserve in der 3. Liga wechselte sie so ins Erstliga-Team, bestritt seitdem dort sechs Spiele und erzielte 13 Tore. Vier Partien stehen noch an, von Platz sechs würde der BVB noch gern auf Rang vier klettern. Um in der nächsten Saison international spielen zu können.

Dann allerdings wird Hannah Kriese nicht dabei sein. Nach dem Abitur will die Breckerfelderin von September an bis zum März 2020 nach Südafrika gehen, um dort mit Kindern zu arbeiten. „Das war schon immer mein Traum, darauf freue ich mich riesig“, sagt sie, daran haben auch ihre Handball-Erfolge nichts geändert. „Sie hat sich erstmal nicht für den Leistungssport entschieden. Das ist schade, gerade wenn man sieht, wie sie heute die Mannschaft an die Hand genommen und geführt hat“, bedauerte das Coach Smits nach dem Bundesliga-Debüt der 18-Jährigen. Die Saisonvorbereitung beim BVB will sie vielleicht noch mitmachen, danach steht in Südafrika Handball vorerst hinten an. Wobei Hannah Kriese betont: „Es ist eine Unterbrechung, aber es ist ja nicht unmöglich, nach meiner Rückkehr wieder reinzukommen.“

Finalfour ist Höhepunkt

Zuvor allerdings steht noch ein Handball-Höhepunkt an. Am 1./2. Juni findet das Finalfour-Turnier um die deutsche A-Jugend-Meisterschaft an, vielleicht sogar in Dortmund. Auf jeden Fall aber - nach zwei klaren Viertelfinalsiegen gegen HCD Gröbenzell - mit dem BVB, der im Halbfinale auf den HC Leipzig trifft. „Ein starker Gegner“, räumt Hannah Kriese ein, die beim Dortmunder Nachwuchs die Trikot-Nummer 37 trägt – mit ihrem Namenszug: „Aber wenn alles klappt, wollen wir schon Meister werden.“ Womit sie sich in eine Reihe Breckerfelder Sportgrößen wie Arnd Neuhaus, Fabian Bleck oder Pierre Jacques spielen würde.

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