Basketball

Coronatests reißen Loch ins Budget von Phoenix Hagen

Der Mund-Nasen-Schutz gehört zur festen Ausstattung: Das Trainerteam von Phoenix Hagen um Chefcoach Chris Harris (Zweiter von links) muss sich den neuen Gegebenheiten anpassen.

Der Mund-Nasen-Schutz gehört zur festen Ausstattung: Das Trainerteam von Phoenix Hagen um Chefcoach Chris Harris (Zweiter von links) muss sich den neuen Gegebenheiten anpassen.

Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.  Die Hygienevorschriften kosten Basketball-Zweitligist Phoenix Hagen viel Geld. Erstattet wird nichts. Das kritisiert Phoenix-Chef Seidel scharf.

Mit zwei Testspielen im Rahmen des Noma-Cups in Iserlohn wird für die ProA-Basketballer von Phoenix Hagen eine Kräfte zehrende Woche zu Ende gehen. Wobei nach der Partie am Sonntag – es geht entweder gegen Bremerhaven oder Leverkusen – noch eine Pflicht ansteht, bevor sich die Korbjäger ausruhen dürfen: der Coronatest. Reine Routine, die für Profisportler jetzt dazu gehört. Und die für den Verein gehörig ins Geld geht.

Testspiel-Marathon für Phoenix Hagen

Am kommenden Freitag steht mit dem Test gegen Rasta Vechta das erste Duell mit einem Vertreter des deutschen Oberhauses an. Und in der Woche darauf spielen die Hagener sogar dreimal gegen Bundesligisten (Braunschweig, Bonn, Gießen oder Frankfurt). „Das sind vier Spiele gegen BBL-Teams binnen zehn Tagen. Eine Ausschreibung der ersten Liga sieht vor, dass die Spieler vorher nochmal getestet werden müssen“, erklärt Patrick Seidel, Geschäftsführer von Phoenix Hagen.

Die Testreihe am Sonntag ist die bislang zweite für Phoenix, die dritte steht eine Woche später an. Aber nicht nur die Profibasketballer werden getestet, auch Trainer, Betreuer und Physiotherapeuten. „Das sind 20 Leute, und pro Test zahlen wir 60,33 Euro beim Labor. Beide Testrunden kosten uns zirka 2400 Euro“, rechnet Patrick Seidel vor.

Mehr Kosten, weniger Einnahmen für Phoenix

In der Gewinn- und Verlustrechnung des Basketball-Zweitligisten ein weiterer Posten, der dem Phoenix-Management Kopfschmerzen bereitet. Denn die „Corona-Saison“ bedeute schließlich nicht nur höhere Kosten, sondern wegen der Zuschauerbeschränkung auch deutlich geringere Einnahmen. 944 Zuschauer dürfen maximal in die Krollmann Arena am Ischeland, einen Schnitt von 2400 Besuchern verzeichnete Phoenix in der Saison 2019/20. „Wir haben die Kosten für die Coronatests nicht budgetiert. Wie auch? Ich musste das Budget ja Ende Mai bei der Liga einreichen, und da war noch keine Rede von Testrunden“, erläutert Seidel.

Wie viel die Coronatests Phoenix auf eine Saison hochgerechnet kosten, lässt sich noch nicht abschätzen, denn die 2. Liga schreibt keine fixen Kontrollen vor. „Wir testen dann, wenn ein konkreter Verdachtsmoment besteht. Die Mannschaft hat zwei Infrarot-Fieberthermometer bekommen und alle verhalten sich absolut regelkonform“, sagt Patrick Seidel. „Ausschließen kann man eine Infektion natürlich trotzdem nicht, wie man ja am Beispiel der Bayer Giants Leverkusen gesehen hat.“

Verein bleibt auf den Kosten sitzen

Fest steht aber: Phoenix Hagen bleibt auf den Kosten sitzen. Weder von Krankenkassen noch vom Gesundheitsamt sind Erstattungen zu erwarten. Eine Ungerechtigkeit, wie Seidel kritisiert. „Menschen, die in den Urlaub fahren und drei Wochen in der Sonne liegen, kommen zurück und können am Flughafen umsonst getestet werden. Und wir, die unserer Arbeit nachgehen und in erheblichem Maße Steuern zahlen, bekommen keinerlei Unterstützung“, sagt der Phoenix-Chef.

Wenigstens ein bis zwei Corona-Testrunden der Basketballer könne doch das Gesundheitsamt pro Monat bezahlen. Doch Hoffnung kann sich der Verein erstmal nicht machen.

Nur ein erster Schritt in die richtige Richtung

Für Seidel ein Grund, warum er trotz der Lockerung der Zuschaueranzahl nicht in Jubelstürme ausbrechen will. Noch stünden die deutschen Profivereine, abgesehen von den Fußball-Bundesligisten, vor zu vielen Unwägbarkeiten. Ob eine ganze Saison mit 944 Zuschauern bestritten werden könne, sei fraglich. „Es ist ein erster guter Schritt in die richtige Richtung. Aber perspektivisch ist das keine Lösung“, findet Seidel. Deshalb müssten die Sportvereine weiter beharrlich sein und die Politik in die Pflicht nehmen.

Doch das gelinge noch nicht gut genug. „Die Basketball-Branche ist mir in der öffentlichen Wahrnehmung viel zu leise. Das kann ich nicht nachvollziehen“, bemängelt Seidel. „Der Eishockey, insbesondere die Kölner Haie, sind da viel offensiver.“

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