2. Handball-Bundesliga

VfL Eintracht Hagen erlebt einen Albtraum

Valentin Schmidt im Duell mit Vikings-Schlussmann Mikkel Moldrup, der immer wieder auch freie Würfe parieren kann und damit dazu beiträgt, dass das abgeschlagene Schlusslicht vom Rhein den VfL Eintracht Hagen mit in die 3. Liga nimmt. Foto:Richard Holtschmidt

Valentin Schmidt im Duell mit Vikings-Schlussmann Mikkel Moldrup, der immer wieder auch freie Würfe parieren kann und damit dazu beiträgt, dass das abgeschlagene Schlusslicht vom Rhein den VfL Eintracht Hagen mit in die 3. Liga nimmt. Foto:Richard Holtschmidt

Hagen.   23:30-Heimpleite gegen die Rhein Vikings zerstört Klassenerhalts-Hoffnungen. Niels Pfannenschmidt und Michael Stock können sich nur entschuldigen.

Das war’s mit der Hoffnung auf den Klassenerhalt! Nach einer 23:30 (10:17)-Heimpleite gegen den HC Rhein Vikings ist klar, dass der VfL Eintracht Hagen das abgeschlagene Schlusslicht in die 3. Handball-Liga begleiten wird. Und jene offiziell 653 Zuschauer, die das Kellerduell in der Krollmann Arena miterlebten, wissen warum: Weil das aktuelle Zweitliga-Team der Grüngelben in diesem Zustand nicht zweitligatauglich ist.

„Es muss ein Sieg her - mit einer möglichst hohen Tordifferenz!“ Dieser Ausgangslage war sich Eintracht-Coach Niels Pfannenschmidt genauso bewusst wie der Sportliche Leiter Michael Stock. Obwohl als Warnung ein 24:24-Remis stand, das die Wikinger im April in Ferndorf eingefahren hatten. Mit der übrig gebliebenen Truppe, die schon lange mehrerer Leistungsträger beraubt ist. In Hagen hatte HC-Trainer Jörg Bohrmann nur einen Feldspieler und einen Torwart zum Auswechseln dabei.

Umso erstaunlicher, dass die Gäste den besseren Start erwischten. Niels Pfannenschmidt hatte sich sicher etwas dabei gedacht, in der Anfangsformation Umstellungen vorzunehmen. Teilweise nicht freiwillig, denn Stammlinksaußen Daniel Mestrum und Toptorschütze Jan-Lars Gaubatz sind angeschlagen und blieben zunächst auf der Bank. Auf der linken Außenbahn begann Tim Brand, die halbrechte Position übernahm Dragan Tubic. Auf dessen angestammte Rechtsaußen-Position rückte mit Damian Toromanovic ein anderer Youngster. Torwart Niels Dresrüsse (Muskelfaserriss) ist ganz außen vor. Für ihn saß Giuseppe Mossuto aus der A-Jugend als Alternative zu Tobias Mahncke auf der Bank.

Schon der Start war ein Albtraum aus Hagener Sicht. Nach sechs Minuten lag der Tabellenletzte mit 4:0 vorne. Und wirklich besser sollte es für die Gastgeber nicht werden. Technische Fehler und haufenweise vergebene freie Würfe, die der starke Gäste-Torwart Mikkel Moldrup mit zunehmender Selbstverständlichkeit entschärfte, machten es den Vikings leicht, früh mit dem ersten Saison-Auswärtssieg zu liebäugeln. Über Zwischenstände von 2:6, 6:11 und 9:15 ging es in die Pause.

„So kann es nicht weitergehen“

Wer nach Wiederbeginn so etwas wie ein Aufbäumen der Hausherren erwartet hatte, wurde enttäuscht. Im Gegenteil: Drei Minuten waren in Halbzeit zwei gespielt, als der HC erstmals mit acht Toren führte (19:11). Beim 23:14 war der höchste Abstand erreicht.

Während die Gäste bis in die Schlussminuten kämpften, als hätten sie noch eine Klassenerhalts-Chance, ergaben sich die Eintrachtler in ihr Schicksal. Bis zum bitteren Ende.

„Ich kann mich nur bei allen Zuschauern entschuldigen, die heute in der Halle waren, so etwas Desaströses habe ich in meiner Karriere noch nie erlebt“, fasste Niels Pfannenschmidt die 60-minütige Bankrotterklärung zusammen. Michael Stock, der sich ebenfalls entschuldigte („bei allen Zuschauern, allen Sponsoren, allen Ehrenamtlern und allen, die uns in dieser Saison die Daumen gedrückt haben“), ging noch einen Schritt weiter: „Die Mannschaft konnte nicht, und die Mannschaft wollte auch nicht genug. Das hat mit Handball nichts zu tun gehabt und das kann auch so nicht weitergehen.“

Was das konkret bedeutet, darüber wollte der Sportdirektor „erstmal eine Nacht schlafen.“

VfL Eintracht Hagen: Mahncke (1), Mossuto (20.-24.); Brand (1), Kress (3), Dell (2), Tubic (3), Pröhl (4), Schmidt (4/2), Waldhof (1), Gaubatz (3), Mestrum (1), Stefan, Toromanovic. - Tore HC Rhein Vikings: Gipperich (4), Hoße (6/3), Skopura (1), Weis (1), Johnen (4), Zwarg (6), Görgen (5), Middell (3).

Kommentar

Zwei Spieltage noch, dann ist das zweite Handball-Zweitliga-Kapitel in diesem Jahrtausend für den VfL Eintracht Hagen vorbei. Auch Rechenspielchen können keine Resthoffnung auf den Klassenerhalt mehr nähren. Weil andere abstiegsbedrohte Teams noch aufeinander treffen und das Torverhältnis der Grüngelben miserabel ist, sind die Zweitliga-Tage der Volmestädter gezählt.

Jetzt beginnt die Ursachenforschung. War es nur das Verletzungspech auf der Zielgeraden? Oder sind Akteure, die den Verein verlassen werden, nicht charakterstark genug? Welchen Anteil hat Trainer Niels Pfannenschmidt an der Misere? Darüber wird heftig diskutiert werden.

Nicht diskutabel sind die Folgen des neuerlichen Abstiegs: Hagens Handballkraft Nummer eins, eher in Richtung erste als dritte Liga orientiert, wird weit zurückgeworfen.

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