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„Die Bleichsteinhalle in Herdecke ist eine Marke“

Werner Kreft hält stolz den Schal der HSG Herdecke/Ende in die Luft, während die Zuschauer die Ränge in der Halle füllen.

Werner Kreft hält stolz den Schal der HSG Herdecke/Ende in die Luft, während die Zuschauer die Ränge in der Halle füllen.

Foto: Veronika Szary

Herdecke.  Werner Kreft von der HSG hatte viele emotionale Momente in der Bleichsteinhalle. So bedeutend ist die Halle für den Herdecker Handball.

Werner Kreft hält stolz seinen Schal mit der Aufschrift „Wir sind alle Herdecker Jungs“ in die Luft und blickt anschließend auf die Handballer, die sich gerade in der Bleichsteinhalle auf ihr Heimspiel vorbereiten. Der stellvertretende Spielgemeinschaftsleiter der HSG Herdecke/Ende stand schon in dieser Halle, als sie vor 50 Jahren eröffnet wurde.

„Ich erinnere mich noch an die Feier. Es war auf jeden Fall voll hier drin. Aber wie das genau abgelaufen ist, weiß ich nicht mehr so genau. Wir Kinder wollten dann ja einfach auch rein und spielen“, sagt Werner Kreft. Schon damals faszinierte ihn dieser Sport – und das ist bis heute so geblieben. „Handball hat in Herdecke eine sehr lange Tradition“, betont Kreft. Doch die Entwicklung, die er selbst und der Verein genommen haben, wäre wohl ohne die Bleichsteinhalle so nicht möglich gewesen. „Viele Vereine müssen sich mit Billigbauten zufrieden geben, das schränkt die Möglichkeiten doch gewaltig ein. Wir haben hier eine richtige Tribüne, das macht schon viel aus“, sagt Werner Kreft.

Beeindruckende Kulisse

So hatten die Herdecker Handballer schon in der 70er und 80er Jahren mit über 500 Zuschauer deutlich mehr jubelndes Publikum als andere Vereine. „Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich als Spieler aus der Kabine gekommen bin. Vor dieser Kulisse zu spielen und dann noch bei so einer Stimmung, das ist wirklich etwas ganz Besonderes“, sagt Kreft.

Für ihn persönlich war vor allem der Aufstieg in die Oberliga in den 70er Jahren sehr bewegend: „Da durfte ich gelegentlich mitspielen. Wie ich da vor vollgepackter Tribüne aufgelaufen bin, das bleibt tief in die Erinnerung eingegraben.“ Die Saison 1993/94 wurde dann mit dem größten Erfolg der Vereinsgeschichte, dem Aufstieg der TSG in die zweite Bundesliga, gekrönt.

Es folgten u.a. umkämpfte Nachbarschaftsduelle gegen VfL Eintracht Hagen vor ausverkauftem Haus mit vierstelligen Besucherzahlen „Das war schon klasse, ich habe das selbst am Rande mitbekommen. Wir hatten auch einige sehr erfolgreiche Spieler in Herdecke. Heute ist unser Konzept aber ein anderes, wir setzten verstärkt auf die eigene Jugend aus Herdecke“, sagt Werner Kreft während er auf den Eingangsbereich der Halle blickt, wo immer mehr Fans ankommen, die ihre Mannschaft unterstützen wollen.

Geschichte der Herdecker Handballer

„Wenn die Zuschauer sich mit den Spielern identifizieren, geht die Post ab. Das ist ein riesen Vorteil. Für die Leute hier ist das viel spannender, wenn viele Herdecker Jungs auf dem Platz stehen. Das Publikum liebt diese Jungs und verzeiht ihnen auch so manchen Fehler“, sagt Kreft. Auch Stephan Hellwig, Trainer der ersten Mannschaft, schwärmt von der Stimmung in der Halle: „Wir fühlen uns hier total wohl und freuen uns immer auf die Heimspiele. Wir haben sehr viele Fans, die richtig Stimmung machen.“

Erfolgreiche Kooperation

Dass die Bleichsteinhalle für die Handballer so ein Glücksfall war und bis heute ist, liegt nicht zuletzt an der Kooperation mit der Verwaltung und der Stadt Herdecke. „Das klappt einfach hervorragend. Der Hausmeister ist immer sofort zur Stelle. Und auch von Seiten der Stadt bekommen wir immer nur Hilfe und keine Verbote“, sagt Kreft. Auch in der Politik gebe es mittlerweile einige Handball-Begeisterte, die sich die Spiele der HSG nicht entgehen lassen. „Die sitzen sogar mit Schal hier“, sagt Kreft und schmunzelt.

Bei allem Lob sei die Halle jedoch nicht perfekt. „Wir haben zum Beispiel keinen Athletikraum. Hier und da hätte man was besser machen können, aber das sind wirklich nur Kleinigkeiten, die stören nicht weiter“, betont Kreft.

Ein weiterer Beleg für die Qualität der 2009 und 2010 umfangreich modernisierten Halle ist auch das Gastspiel der BVB-Damen in der vergangenen Saison. Wegen Bauarbeiten in ihrer eigenen Halle haben die Handballerinnen ihre Bundesliga-Heimspiele am Bleichstein bestritten. „Es ist schon bemerkenswert, dass es in ganz Dortmund kein adäquates Ausweichquartier gibt. Wir haben gerne geholfen, daraus ist auch eine enge Vereinsfreundschaft entstanden“, so Kreft. Er betont: „Die Bleichsteinhalle ist eine Marke. Darüber spricht man auch über die Stadtgrenze hinaus, wir haben zurecht Neider.“

Geschichte der TSG Herdecke Teil 2
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