Fußball

Eklat um Hohenlimburger TSK-Reserve

Inzwischen ist es üblich, dass der Fußballkreis Hagen Beobachter zu den Spielen von auffälligen Mannschaften schickt. Bei der zweiten Mannschaft vom TSK Hohenlimburg in Hiddinghausen ist aber keine Aufsicht vom Fußballkreis vor Ort.

Inzwischen ist es üblich, dass der Fußballkreis Hagen Beobachter zu den Spielen von auffälligen Mannschaften schickt. Bei der zweiten Mannschaft vom TSK Hohenlimburg in Hiddinghausen ist aber keine Aufsicht vom Fußballkreis vor Ort.

Foto: Michael Kleinrensing / WP Michael Kleinrensing

Hohenlimburg.  Schwere Vorwürfe gegen die Reserve vom TSK Hohenlimburg in der Fußball-Kreisliga B. Nach dem Spiel in Hiddinghausen kam es zu Ausschreitungen.

Es sind schwere Vorwürfe, die der zweiten Mannschaft des TSK Hohenlimburg gemacht werden. Im Nachgang des Spiels bei der Reserve des Hiddinghauser FV sollen Trainer und Spieler des Fußball-B-Ligisten den Schiedsrichter Andreas Mohr unter Druck gesetzt und sogar körperlich angegangen sein. Die Partie der TSK-Reserve an diesem Wochenende gegen Fichte Hagen II wurde abgesetzt, der Kreissportgericht wird am kommenden Donnerstag entscheiden, inwiefern die vom Schiedsrichter in einem Sonderbericht festgehaltenen Vorwürfe stichhaltig sind. Doch was soll eigentlich genau passiert sein?

Ferhat Kulakac ist seit dieser Spielzeit wieder Trainer der zweiten Mannschaft vom TSK. Das Team, das bereits in der vorherigen Saison negativ auffiel, sollte unter seiner Leitung deutlich disziplinierter auftreten. Neun Spieltage lang blieb es ruhig um die Fußballer, doch am vergangenen Wochenende produzierte die TSK-Reserve wieder negative Schlagzeilen. „Die Vorwürfe gegen mich und die Spieler sind vollkommen haltlos“, sagt Ferhat Kulakac.

Vier Gelbe Karten in vier Minuten

In dem vom Schiedsrichter verfassten Sonderbericht ist von einem Angriff auf den Unparteiischen der Partie die Rede. Dabei lief das Spiel, bei dem die Hohenlimburger sich mit 2:4 dem Tabellennachbarn Hiddinghausen II geschlagen geben mussten, über weite Strecken in einem normalen Rahmen ab. Erst in der Schlussphase der Partie wurde es nach einem Foulspiel an einen Hohenlimburger hitziger. „Meine Spieler haben den Schiedsrichter dann gefragt, ob erst Beine brechen müssen, bis es Rot gibt“, schildert Kulakac. Schiedsrichter Mohr gab darauf hin gleich vier TSK-Spielern in den letzten vier Minuten des Spiels die Gelbe Karte.

Doch das allein war es noch nicht. „Bis dahin lief alles in einem normalen Rahmen“, schildert Fabian Arndt vom Hiddinghauser FV. Nach dem Spiel gingen die verschiedenen Parteien in die Kabinen, auch Schiedsrichter Mohr verschwand erst einmal unter der Dusche. Als er diese hinter sich hatte und sich in Richtung Besprechungsraum des Platzes an der Albringhauser Straße in Hiddinghausen begab, um den Spielbericht fertig zu stellen, soll es zur Eskalation gekommen sein.

TSK-Trainer Kulakac schildert, dass er sich aufgrund einer Nachfrage in die Räumlichkeiten begab. Nach Worten, die Kulakac nicht wiederholen möchte, kam es zu einem lauten Meinungsaustausch. Anschließend sollen gleich mehrere Spieler vom TSK den Besprechungsraum belagert und den Unparteiischen bedroht haben. Stein des Anstoßes von Hohenlimburger Seite soll eine abfällige Äußerung des Schiedsrichters in Richtung eines Spielers gewesen sein. „Halt die Klappe“, soll Mohr zu einem TSK-Spieler gesagt haben. „Ich wollte vom Schiedsrichter wissen, wieso er sowas zu einem Spieler sagt. Andersherum wäre das eine Rote Karte“, unterstreicht Ferhat Kulakac.

Belagerung durch Spieler und Trainer

Während der vermeintlichen Belagerung des Besprechungsraums soll es zu zwei Schubsern von Kulakac gekommen sein, angeblich soll er den Unparteiischen Mohr zwei Mal vor die Brust gestoßen haben. Mohr soll anschließend gegen die Wand gefallen sein und sich eine – wie später im Krankenhaus diagnostiziert – Prellung am Brustkorb zugezogen haben.

„Das stimmt nicht, das habe ich nicht getan“, sagt Kulakac. Der TSK-Trainer gibt zu, dass er zuvor vom Schiedsrichter nicht respektvoll behandelt wurde und es deshalb zu einer verbalen Auseinandersetzung kam, was genau für Worte gefallen sind, will Kulakac aber vor der Spruchkammersitzung am Donnerstag noch nicht sagen. Zu Schubsern ist es nach seiner Aussage nicht gekommen. „Ich bin gegen Gewalt und jeder der mich kennt, der weiß das auch“, betont er.

HFV-Trainer stellt sich dazwischen

Auch Andreas Brüning, Trainer der Hiddinghauser Reserve, kann nicht sagen, ob es tatsächlich zu einem körperlichen Angriff von Kulakac in Richtung des Schiedsrichters kam. Brüning war, nach dem er die Szenerie aus der Entfernung beobachtete, zum Besprechungsraum gelaufen und stellte sich zwischen die aufgebrachten Spieler und den Unparteiischen. „Sie haben nur immer wieder gesagt, dass sie vom Schiedsrichter beleidigt wurden“, schildert Brüning. Der HFV-Trainer beorderte die Spieler aus dem Besprechungsraum, diese kamen der Aufforderung erst nach mehrfachen Wiederholungen nach. „Wenn ich nicht da gewesen wäre, wäre die Situation wahrscheinlich eskaliert“, sagt Andreas Brüning.

Sollten sich die Vorwürfe gegenüber den Hohenlimburgern in der Spruchkammersitzung bewahrheiten, wünscht sich Patrick Lepperhoff, Vorsitzender des Kreisschiedsrichterausschusses, eine harte Strafe für den Übeltäter. „Wenn sich alles bewahrheitet, was im Sonderbericht so aufgeführt ist, sollte dieser Trainer für lange Zeit keinen Sportplatz mehr betreten dürfen“, fordert Lepperhoff. Zusätzlich zu dem Verfahren vor dem Kreissportgericht erwartet Ferhat Kulakac ein Strafverfahren durch die Polizei, denn Schiedsrichter Mohr erstattete nach den Ereignissen am vergangenen Sonntag eine Anzeige.

Als die Polizei rund eine halbe Stunde später eintraf, war der Hohenlimburger Trainer nicht mehr am Sportplatz zugegen. „Hätte ich gewusst, dass die Polizei gerufen wurde, wäre ich da geblieben“, sagt Kulakac. Er wehrt sich vehement gegen die Vorwürfe, die nun auch zivilrechtlich verfolgt werden. „Wenn ich etwas getan hätte“, so sagt Kulakac, „würde ich das zugeben. Dafür bin ich ehrlich genug“, sagt der Trainer der TSK-Reserve – nun wird das Kreissportgericht entscheiden.

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