Sportpolitik

Energiekrise: Was auf die Hagener Sportvereine noch zukommt

| Lesedauer: 7 Minuten
Der Ascheplatz und das Basketballfeld sind nur ein Teil der großen Sportanlage des TSV Hagen 1860. Beim Verein wird aktuell überlegt, wie man Strom und Gas sparen kann.

Der Ascheplatz und das Basketballfeld sind nur ein Teil der großen Sportanlage des TSV Hagen 1860. Beim Verein wird aktuell überlegt, wie man Strom und Gas sparen kann.

Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.  Die Energiekrise trifft auch den Hagener Sport. Wie ernst die Lage der Vereine ist und was die Stadt zu kalten Duschen & Hallenschließungen sagt.

Zu Beginn dieses Jahres konnten die Hagener Sportvereine mal raus aus dem Krisenmodus und sich ihrer Sorgen weitgehend entledigen. Hygienekonzepte und Zuschauerbeschränkungen waren passé, der Trainings- und Spielbetrieb weitgehend normal, Sportfeste und Turniere wieder an der Tagesordnung. Aber nun sind die Vereinsfunktionäre erneut als Krisenmanager gefragt, nur ist die Krise eine andere. Die explodierenden Energiepreise werden zu deutlich erhöhten Nebenkosten führen und die Kassen der Klubs belasten. Sei es, weil sie selbst Betreiber der Sportstätten sind, oder weil die höheren Kosten seitens der Stadt Hagen auf die Mieter umgelegt werden.

Städte wie Witten oder Herdecke haben bereits Warmwasser in ihren Sportstätten abgestellt. Zahlreiche Kommunen erwägen sogar vorübergehende Hallenschließungen, um die Energiekosten zu senken. Wie ernst ist die Lage in unserer Stadt? Und auf welche Maßnahmen können sich Sportler einstellen? Wir haben uns umgehört.

Wie ernst ist das Problem für die Hagener Sportvereine?

Als „großes Überraschungspaket“ bezeichnen Atila Tasli, 1. Vorsitzender des TSV Hagen 1860, und dessen Klubvize Andreas Kurz die Energiekrise für den Sport. Denn noch ließe sich nicht exakt abschätzen, wie hoch die Mehrkosten sein werden. Der TSV hat eine riesige, vereinseigene Sportanlage, die mit Gas versorgt wird. Der Verein hat mit dem regionalen Energieversorger Mark-E einen Contracting-Vertrag abgeschlossen, welcher „nicht nur die langfristige Lieferung des Brennstoffes regelt, sondern auch die Bereitstellung der Heizungsanlage. Die Lage ist ernst und kann sicher auch mit Blick auf die aktuelle Lage und weitere Entwicklung bedrohliche Ausmaße annehmen.“

Auch der TSV Fichte Hagen ist im Besitz einer großen Sportanlage mit drei Plätzen sowie drei Vereinsheimen. Die Energiekrise sei für seinen Verein „kassenrelevant“, sagt Fichte-Vereinschef Reinhard Flormann, doch eine wirtschaftliche Bedrohung „können wir - zurzeit - ausschließen.“

Abhängig sind die meisten Hagener Sportvereine aber von den Entscheidungen der Stadtverwaltung, so etwa auch der kleine Klub Hagen United, der an der Wehringhauser Waldlust Fußball spielt. „Wir wissen natürlich um die Ernsthaftigkeit verschiedenster Einrichtungen, Wirtschaft und privater Haushalte aufgrund der Energiekrise, die von der Notfallversorgung bevorzugt behandelt werden sollten. Hier stehen wir mit unserer Sportstätte selbstverständlich hinten an“, findet André Sänger, 1. Vorsitzender von United. Unabhängig davon merke man schon jetzt die gestiegenen Energiepreise beispielsweise beim Kauf einer Gasflasche für den Vereinsgrill. Mit Galgenhumor merkt Sänger an: „Bisweilen sind die Bierpreise ja nicht gestiegen, das ist ja ein humorvoller Trost.“

Welche Maßnahmen treffen die Sportvereine?

Hagen United ist zwar abhängig von der Stadt, aber die Hände legen die „Waldlust-Kicker“ nicht in den Schoß. Sie seien ohnehin sparsam und könnten damit leben, auf die warme Dusche zu verzichten. „Bei unserer Jugendspielgemeinschaft müssen wir versuchen, eventuell durch den Kauf von elektrischen Heizkörpern die Kabinen in den Wintermonaten warm zu halten“, erklärt Sänger, zudem sei eine Verringerung der Trainingsfrequenz der 1. Mannschaft – trotz Aufstiegs in die Kreisliga A – eine Option. Bei Fichte Hagen werden die Dusch- und Heiztemperaturen sowie die Einschaltzeiten der Leuchtmittel nach unten nivelliert, sagt Reinhard Flormann, doch kalt duschen müsse man an der Wörthstraße noch nicht. Auch von einer Sportstättenschließung sieht der Klubchef Stand jetzt ab.

Das gleiche Bild ergibt sich beim TSV 1860. An der Hoheleye ist man froh darüber, bereits vor vielen Jahren die Aktivzeiten der Duschen verringert zu haben und in Sachen Leuchtmittel flächendeckend auf LED-Technik zu setzen. Zudem habe man einen bis 2024 gültigen Stromvertrag mit der Mark-E abgeschlossen, welcher günstige Konditionen garantiere. Einführen will der Verein Bewegungsmelder für Flure, Umkleide und Duschen. Außerdem erwägt der Klubvorstand, in Zukunft auf Solarstrom zu setzen.

Welche Maßnahmen wird die Stadt umsetzen?

Auf Initiative von OB Erik O. Schulz beschäftigt sich derzeit eine Arbeitsgruppe der Stadtverwaltung mit Vertretern verschiedener Fachbereiche mit der Energiekrise und ihren Folgen für die Stadt Hagen. „Hinterfragt wird in diesem Zusammenhang auch eine Einschränkung von Öffnungszeiten, Temperaturabsenkungen sowie im Extremfall die komplette Schließung von Gebäuden und/oder Einrichtungen. Bei diesen Fragestellungen bleiben natürlich auch die Sportstätten nicht außen vor“, erläutert Karsten-Thilo Raab, Leiter des Hagener Servicezentrums Sport (SZS).

Konkrete Maßnahmen könne man aber erst treffen, wenn belastbare Zahlen zu effizienten Energieeinsparungen vorliegen. Von kalten Duschen sieht die Stadt vorerst ab, auch „weil eine Nichtnutzung der Duschen die Gefahr von Legionellen erhöht, sofern die Leitungssysteme nicht regelmäßig heiß durchgespült werden“, so Raab. So gut wie sicher sei bereits, dass die Höhe der Sportstättennutzungsgebühr (Energie- und Bewirtschaftungsumlage) auf den Prüfstand gestellt wird.

Was wünschen sich die Vereine von der Politik?

In erster Linie Transparenz, Kommunikationsbereitschaft und den Willen, alle denkbaren Optionen abzuwägen, bevor drastische Maßnahmen ergriffen werden. „Wir appellieren: Eine Schließung der Sportstätten ist das falsche Signal - Hand in Hand und durch weitere Einsparungen unsererseits sowie gegenseitigem Verständnis können wir hier den Trainings- und Spielbetrieb sicherlich adäquat aufrechterhalten“, sagt André Sänger.

Konkrete Ideen hat der Vorstand des TSV Hagen 1860, wie Klubs mit eigenen Sportstätten finanziell unterstützt werden können: Zum Beispiel durch eine Erhöhung des städtischen Zuschusses „Förderung vereinseigener Anlagen“ oder eine an die Größe der Anlage angelehnte Einmalzahlung durch das Land NRW. Zudem soll „Energie“ im Gesamtthema „Vereinseigene Anlagen“ von Stadt- und Landessportbund aufgenommen und vertreten werden. „Ohne Zuschüsse der Stadt oder des Landes/Bundes werden Vereine mit vereinseigenen Anlagen erheblich Probleme haben, dauerhaft die Energiekosten zu stemmen, ohne hierbei die Mitglieder über eine Erhöhung der Mitgliedsbeiträge zu belasten“, fürchten Atila Tasli und Andreas Kurz.

Zumindest auf Landesmittel hofft man auch beim TSV Fichte Hagen, wie Reinhard Flormann erklärt, doch „von Seiten der Stadt Hagen kann da wohl nur wenig mit zusätzlicher finanzieller Unterstützung gerechnet werden.“

Erhöhen die Vereine ihre Mitgliedsbeiträge?

Die Energiekrise wird die Kassen der heimischen Sportvereine teils erheblich belasten – müssen Vereinsmitglieder also bald mit Mitgliedsbeitragserhöhungen rechnen? Gegenüber unserer Redaktion bekräftigten die Vertreter von TSV Fichte, TSV 1860 und Hagen United, diesen Schritt aktuell nicht gehen zu wollen. Der Tenor: Mitglieder von Sportvereinen mussten in den vergangenen Jahren genug leiden, zudem würden die Preise in nahezu allen Lebensbereichen schon genug steigen.

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